Rheinufer , 27. - 29. Oktober 2006
FIS-Skilanglauf Weltcup
350.000 Zuschauer beim Skilanglauf Weltcup - Norweger glänzten

Starker Start für deutsche Sprinter in Düsseldorf
"Ich weiß nicht, ob es vielleicht eine Folge der Fußball-WM ist. Die Stimmung war besser als jemals zuvor", meinte Claudia Künzel und geriet wie viele andere AthletInnen regelrecht ins Schwärmen, als sie nach der Atmosphäre beim FIS Skilanglauf Weltcup in Düsseldorf gefragt wurde. Schon bei den Einzelsprints an Samstag war die Stimmung trotz des zeitweise leicht regnerischen Wetters "genial" (Evi Sachenbacher). Die Begeisterung steigerte sich am Sonntag nochmals, als sich der Oktober von seiner "goldenen" Seite zeigte und die Teamsprints ausgetragen wurden. Insgesamt kamen an diesem Weltcup-Wochenende 350.000 Zuschauer an die Strecke - 150.000 am Samstag, 200.000 am Sonntag.

Ideale Verbindung von Sport und Show
Thomas Pfüller, Generalsekretär des Deutschen Skiverbandes (DSV), der den Weltcup vor Ort verfolgte, meinte: "Dieser Weltcup hat sich sehr gut entwickelt. Hier werden der Sport und die Show ideal verbunden. Wenn die FIS den Start der Langläufer weiterhin in Deutschland veranstalten möchte, kommt für uns nur Düsseldorf in Frage." Jürg Capol (Schweiz), FIS-Renndirektor Skilanglauf: "Düsseldorf ist in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der FIS immer besser geworden. Die FIS ist sehr zufrieden mit dem Weltcup-Auftakt in Düsseldorf. Die Veranstaltung hat sich über die Jahre etabliert. Wir würden uns sehr freuen, wenn sich der DSV auch 2007 mit dem Austragungsort Düsseldorf bewirbt. Der Termin für den Weltcupauftakt Ende Oktober/Anfang November 2007 ist bereits fest eingeplant." "Wir sind sehr glücklich darüber, dass das, was vor fünf Jahren in der Skihalle Neuss als verrückte Idee entstanden ist, von den Rennbedingungen her inzwischen ein ganz normaler Wettkampf ist. Düsseldorf steht selbstverständlich mit Orten wie Kuusamo, Lahti und Davos im Weltcupkalender", sagte August Pollen, Leiter des Organisationskomitees der Veranstalter allrounder winter world (JEVER SKIHALLE Neuss), westdeutscher skiverband e.v. (wsv) und Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH (DMT). Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin: "Das ist eine ganz großartige Veranstaltung. Die Menschen haben diesen Weltcup angenommen. 350.000 begeisterte Zuschauer in Düsseldorf, das war beste Werbung für den Skisport. Ich bin sicher, viele Besucher haben heute den Kick bekommen, auch selber mit dem Skifahren zu beginnen." Matthias Birkenholz, Präsident des westdeutschen skiverbandes e.v., meinte: "Wir machen viel im und für den Breitensport und sind froh, mit diesem Weltcup in unserem Verbreitungsgebiet auch im Leistungssport ganz vorne dabei zu sein." Den hohen Stellenwert des FIS Skilanglauf Weltcups in Düsseldorf belegt auch die Tatsache, dass neben dem WDR 13 internationale TV-Sender Bilder vom Saisonauftakt am Rheinufer sendeten, davon sechs live.

Schnee für Düsseldorf. Wie geht das?

Der FIS-Skilanglauf Weltcup Düsseldorf wurde in der SKIHALLE Neuss erfunden. Von hier aus wird er organisiert und vermarktet. Auch den Schnee - rund 4000 Kubikmeter - liefert Veranstalter allrounder aus der Neusser Skihalle ans Düsseldorfer Rheinufer. Wie funktioniert das und warum schmilzt der Schnee nicht sofort?

Aus Trinkwasser wird Pulverschnee
Der Schnee aus der SKIHALLE Neuss wird aus echtem Trinkwasser ohne chemische oder sonstige Zusätze hergestellt. In den Düsen der 12 ?Schneekanonen? wird Wasser unter Druck mit Luft vermischt und zerstäubt dabei sehr fein. Da sich die Schneekanonen in einer Höhe von ca. 14 Metern unter der Hallendecke befinden, dauert es einige Zeit, bis der feine Wasserstaub am Boden ankommt. Die konstante Luft-Temperatur von ca. -4° Celsius lässt den Wasserstaub währenddessen in der Hallenluft kristallisieren. Auf der Piste landen somit feinste Kristalle, aus denen sich der echte Pulverschnee in der Neusser Skihalle zusammensetzt. Nicht nur die Luft, auch der Boden wird in der SKIHALLE Neuss gekühlt. Der Schnee ist daher bis zu minus 14 Grad kalt. Die Kühl- und Beschneiungsanlage ist weltweit einzigartig und patentiert.

Die Schneedecke in der Skihalle steigt vor dem Skilanglauf Weltcup an.
Etwa 100 Tage vor dem FIS Skilanglauf Weltcup in Düsseldorf wird die Beschneiung in der Skihalle forciert. In dieser Zeit wächst die Schneedecke auf der Piste jede Nacht um etwa einen Zentimeter. Im unteren Bereich der Halle wird der Schnee mehrere Meter hoch zu großen Hügeln aufgetürmt.

Der Schneetransport nach Düsseldorf
Der Transport des ?weißen Goldes? in die benachbarte rheinische Metropole ist organisatorisch sicherlich der komplizierteste Part des Pistenaufbaus. Das Nadelöhr dieser Transaktion steht gleich am Anfang: um den Schnee aus der Skihalle nach draußen zu befördern, muss die enge Pistenbullygarage durchfahren werden. Das kann nur mit einem vergleichsweise kleinen Radlader erfolgen, der aufgrund seiner Schaufelgröße von zwei Kubikmetern nur eine geringe Menge Schnee bewegen kann. Dementsprechend schnell muss an dieser Stelle gearbeitet werden. Vor der Skihalle kann dann ein großer Radlader die acht bis zehn LKW mit Schnee beladen, die ab Donnerstag, den 26. Oktober im Rotationsprinzip ständig zwischen Düsseldorfer Rheinufer und der Neusser Skihalle pendeln. Der Transport beginnt am Donnerstag mit der ersten Schneeverladung. Insgesamt werden etwa 4000 Kubikmeter Pulverschnee in rund 150 LKW-Ladungen an die Rheinuferpromenade geliefert, das entspricht 25 Kubikmeter pro LKW.

Die Präparierung der Weltcup-Loipe
Der Schnee wird am Düsseldorfer Rheinufer vor allem auf der unteren Rheinebene zu "Schneedepots" abgeladen und zunächst mit Planen abgedeckt. Die Planen schützen vor Regen oder Sonneneinstrahlung und halten die Kälte im Inneren. Am Freitag, den 27. Oktober, ab etwa 18.00 Uhr sorgen zwei Pistenbullys im wahrsten Sinne des Wortes dafür, dass diese großen Schneehaufen ?platt gemacht? und die Schneemassen verteilt werden. Die Maschinen verteilen den Schnee gleichmäßig auf der gesamten Fläche der Weltcuploipe, so dass der Rest der Präparierung von Hand durch die Skilehrer der allrounder Skischule und die Pistentechniker der Skihalle erledigt werden kann.

Ein ausgeklügeltes Entwässerungssystem verhindert ?Wegfließen? der Piste
Speziell für den FIS Skilanglauf Weltcup in Düsseldorf haben die Pistentechniker der JEVER SKIHALLE Neuss mit ihrem Chef Peter Promegger ein Entwässerungssystem entwickelt, dass auch bei ungünstigen Wetterverhältnissen die Bildung von Pfützen auf der Loipe verhindert. Dabei werden bereits vor der Pistenpräparation Spezial-Matten mit Löchern ausgelegt, die dann mit dem Schnee bedeckt werden. Die Löcher in den Matten sorgen dafür, dass im Falle hoher Temperaturen das warme Schmelzwasser unter der Schneedecke abfließen kann. Wäre dies nicht der Fall, würde das Wasser weiteren Schnee zum Schmelzen bringen, was ein beschleunigtes Absinken der Schneedecke sowie Pfützenbildung hervorrufen würde.

Voller Einsatz für eine perfekte Strecke
Der Neusser Schnee hält sich selbst bei widrigen Verhältnissen sehr lange, da der Schnee aus der Skihalle eine Temperatur von -10 bis -14 Grad hat, wenn er die Skihalle verlässt. Aufgrund seiner feinen Struktur, die eine sehr hohe Dichte zulässt, isoliert sich der Schnee - vor allem nach der Pistenpräparation - selbst. Hinzu kommt die große Menge: Eine solche kalte, komprimierte Schneedecke von rund 30 Zentimetern Höhe taut nun mal nicht so schnell. Aus diesem Grund konnte selbst Regen im Jahr 2006 und auch die sommerlichen Temperaturen beim FIS Skilanglauf Weltcup 2004 der Loipe nichts anhaben. Je nach Wetter müssen Pistenchef Peter Promegger und seine Helfer aber oft kurzfristig den Plan anpassen, eine Aufgabe die von allen Beteiligten vollen Einsatz verlangt. Wenn die Loipen fertig und die Rennen gestartet sind, verfolgen die Pistentechniker und Skilehrer gespannt, welche Athleten siegen - und wie sich die Sportler und Trainer danach über die Qualität der Loipe äußern. Ein großes Lob wie 2004 von Bundestrainer Jochen Behle oder den Sportlern sind ein toller Lohn für viele Tage und Nächte harter Arbeit.

Was geschieht mit dem Schnee nach dem Weltcup?
Wenn die Skilanglauf Weltcuprennen und das Snow Event 2006 beendet sind, bleibt der Schnee einfach liegen und taut auf natürliche Weise ab. Das Schmelzwasser, das dabei in den Rhein abfließt, ist völlig frei von chemischen Zusätzen ? der Schnee besteht nur aus Trinkwasser. Das Abtauen des Schnees geht allerdings langsamer vonstatten als man glauben mag. Die feste und sehr kalte Schneedecke isoliert sich selbst und hält die Temperatur extrem lange. Um den Abtauprozess zu beschleunigen wird die Schneedecke ?umgepflügt?, um den dichten Schnee aufzulockern. Dadurch wird der warmen Luft mehr Angriffsfläche geboten. Würde man nichts unternehmen, würde die Schneedecke noch viele Tage liegen bleiben.



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