BURG-WÄCHTER Castello 4. Februar 2006
Boxen - Thysse gegen Brähmer
Deutschlands Box-Hoffnungsträger Jürgen Brähmer

Düsseldorf - Mit einem hart erarbeiteten Punktsieg über zwölf Runden gegen den Südafrikaner Andre Thysse ist Deutschlands Box-Hoffnungsträger Jürgen Brähmer auf die Zielgerade in Richtung Weltmeisterschaft eingelaufen.

Im Burgwächter-Castello in Düsseldorf glänzte der 27-jährige Supermittelgewichtler erneut durch seine Reflexe und seine harten und präzisen Schläge, mit denen er seinen neun Jahre älteren Gegner oft und hart traf. Allerdings ließ sich der Mann aus Germiston auch durch die besten Treffer des Schweriners nicht stoppen und bewies vielmehr verblüffende Nehmerfähigkeiten, die Brähmer, der bereits in der Eröffnungsrunde nach dem Knockouttreffer zu suchen schien, einen Strich durch die Rechnung machten.

Zwar knickte Thysse nach einem Treffer zur Leber unter anderem in Runde sieben in den Knien ein, doch er revanchierte sich, marschierte unerschrocken vorwärts und gewann die achte Runde sowie den ein oder anderen späteren Durchgang für sich.

Brähmer hatte bei seinem Trainer ab der fünften Runde über Schulterschmerzen geklagt und war in der Schlussrunde zudem durch ein blutendes Cut am rechten Auge verletzt. Beides kann dem deutschen Supermittelgewichtstalent vermutlich den Glanz des Sieges gekostet haben.

Nach zwölf Runden sahen alle drei Punktrichter Jürgen Brähmer in Führung - zweimal mit 117:111 (9:3 nach Runden) und einmal mit 117:112 (9:3 nach Runden, eine Runde unentschieden).

"Ich wollte eigentlich besonders schön boxen. Aber ab der fünften Runde ist meine Schulter kaputt gegangen", erklärte Jürgen Brähmer etwas unzufrieden nach seinem Sieg, der ihm zum zweiten Mal seit 2002 den interkontinentalen Titel des WBC eingebracht hatte. "Wir wollten uns den Gegner auf die linke Hand legen damit ich ihn dann mit einem linken Haken zu Boden schicken kann. Aber das hat nicht sollen sein."

Für den weiterhin unbesiegten Brähmer war es dennoch der 27. gewonnene von ebenso vielen Profikämpfen. 22 Mal gewann er durch Knockout. Thysse, der im Februar 2004 gegen WBC-Weltmeister Markus Beyer ebenfalls über zwölf Runden unterlegen war, verlor zum fünften Mal im 24. Profifight.

Brähmer hatte nach einer dreijährigen Boxpause mit zwei verblüffend starken Comeback-Kämpfen im Oktober und November vergangenen Jahres begeistert.

Noch in diesem Jahr möchte Brähmer um die Weltmeisterschaft boxen. Besonders reizvoll für die deutschen Fans wäre dabei sicherlich ein innerdeutsches Duell zwischen ihm und Markus Beyer. Die anderen Weltmeister des Supermittelgewichtsklasse sind der Däne Mikkel Kessler (WBA), der Amerikaner Jeff Lacy (IBF) sowie der in Deutschland bestens bekannte und gefürchtete Waliser Joe Calzaghe (WBO), der zweimal in WM-Kämpfen Mario Veit k.o. schlug.

Trabant schließt wieder an die europäische Spitzengruppe an

Im zweiten Titelkampf des Abends konnte der Berliner Michel Trabant durch einen spektakulären Knockoutsieg in der zehnten Runde über den Italiener Michéle Orlando erneut in die europäische Spitzengruppe des Weltergewichts aufsteigen und dabei den Gürtel der Europäischen Union gewinnen.

In einem zunächst taktischen Duell erhöhte Trabant zunehmend den Druck auf seinen italienischen Gegner bis Orlando schließlich in Runde zehn nach einer Serie von Treffern vom Ringrichter im Stehen angezählt und nach einem erneuten Schlaghagel aus dem Kampf genommen wurde.

Für den mittlerweile 27 Jahre alten Trabant, der schon im Alter von 16 bei Universum als Profi eingestiegen war und zwischenzeitlich die Europameisterschaft gewann sowie eine Weltmeisterschaft verlor, war es der 42. Sieg im 44. Kampf. Orlando, der im letzten Jahr vergeblich auf einen WM-Kampf gegen Zab Judah gehofft hatte, verlor zum fünften Mal im 37. Profifight.

Durchschlagenden Erfolg hatten im Vorprogramm die Spotlight-Schwergewichte Egon Roth und Denis Boytsov.

Das erst 19 Jahre junge und bereits frisch vermählte Talent Boytsov stoppte seinen südafrikanischen Gegner Hein van Bosch nach der fünften Runde. Nach einem Anzählen im Stehen in Runde eins und einem Niederschlag in Runde vier blieb Bosch vor der sechsten Runde auf seinem Stuhl sitzen.

Der 25-jährige Roth bezwang den US-Amerikaner Jeff Yeoman bereits nach 97 Sekunden der zweiten Runde, hatte ihn dabei im ersten Durchgang schon zweimal am Boden.

Für Boytsov war es der 12. Knockoutsieg in Folge. Der Frankenthaler Roth, der sich gern als Gegner für das viel diskutierte spekulative Comeback von Axel Schulz ins Gespräch bringen möchte, gewann zum 14. Mal im Folge und erzielte dabei den 12. Knockout.

Zwei weitere Siege für den Spotlight-Stall trugen Sebastian Zbik im Mittelgewicht und Karoly Balzsay im Supermittelgewicht nach Hause. Zbik schlug den Ungarn Attila Kiss in Runde 2 k.o. Balzsay bezwang den Kolumbianer Jose Warner durch Aufgabe nach dem fünften Durchgang.



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