10 Fragen – 10 Antworten zum „Magenta Sport Cup“

Die Deutsche Eishockey Liga veranstaltet ein Vorbereitungsturnier

Foto: Birgit Häfner

von Bernd Schwickerath

Die Erleichterung war am Donnerstag groß in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Da gab sie bekannt, dass es ab dem 11. November endlich losgeht. Allerdings nicht mit der richtigen Saison, sondern mit dem „Magenta Sport Cup“. Was ist das nun wieder? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

1. Was hat die DEL genau beschlossen?

Ein Vorbereitungsturnier. Aufgrund von Corona musste ja nicht nur der Saisonstart verschoben werden, auch die (vor der Pandemie ausgemachten) Testspiele wurden allesamt abgesagt. Teilweise hätten sie im Ausland stattgefunden, die DEG wäre beispielsweise für zwei Spiele nach Großbritannien geflogen. Deshalb gab es schon vor Monaten die Idee, ein internes Turnier zu veranstalten. Jetzt kommt es, aber es soll viel mehr sein als eine Möglichkeit für die Spieler, in den Wettkampfrhythmus zu kommen. Es soll ein genereller Testlauf werden – sportlich, organisatorisch und für alle Beteiligten: Liga, Klubs, Trainer, Spieler, Betreuer, Schiedsrichter, Medien, TV-Partner.

2. Wann wird wie und wo gespielt?

Zu Beginn der Planung hieß es, es werde nur an einem Ort gespielt, Düsseldorf war in der engeren Verlosung. Doch das Konzept ist vom Tisch. Der Cup steigt an acht Standorten, um auch das Reisen unter Corona-Bedingungen zu simulieren. Los geht es am Mittwoch, 11. November. Ab dann soll es bis auf wenige Ausnahmen über Wochen jeden Tag ein Spiel geben. Gespielt wird in zwei Vierergruppen mit Hin- und Rückspielen. Die ersten beiden Teams kommen jeweils ins Halbfinale. Das Finale ist für den 12. oder 13. Dezember geplant.

3. Sind Zuschauer zugelassen?

Grundsätzlich ja. Aber natürlich entscheiden das die Teams nicht selbst, das letzte Wort haben die Gesundheitsbehörden vor Ort. Und mit Blick auf die vielerorts steigenden Infektionszahlen ist es unwahrscheinlich, dass besonders viele Zuschauer zugelassen werden. Einige Klubvertreter sagten bereits vor Wochen, dass sich Geisterspiele wirtschaftlich eher lohnen würden, als wenige Fans reinzulassen und dafür den ganzen Kostenapparat hochzufahren.

4. Wer ist dabei?

Acht Teams. In Gruppe A spielt die DEG gegen Wolfsburg, Krefeld und Bremerhaven (Spielplan unten). In Gruppe B sind München, Mannheim, Berlin und Schwenningen. Nicht dabei sind Augsburg, Ingolstadt, Iserlohn, Köln, Nürnberg und Straubing.

5. Warum spielen die sechs Teams nicht?

Weil sie nicht riskieren wollen, ihre Spieler für nur wenige garantierte (Test-)Spiele von ihren Leihvereinen zurückzuholen, die Kurzarbeit zu beenden und volle Gehälter zu zahlen. Auch die Nordamerikaner hat längst nicht jeder hier, die müssten erst eingeflogen werden – was gerade dieser Tage alles andere als günstig ist. Und sollte es dann doch nichts mit der Saison werden, wären unnötige Kosten entstanden. Man müsse „in Anbetracht der Situation doch vernünftig bleiben“, sagt Augsburgs Gesellschafter Lothar Sigl. „Ohne konkrete Perspektive auf den Start der Penny DEL hat es keinen Sinn, den kompletten Kostenapparat hochzufahren und die prekäre wirtschaftliche Situation, in der wir uns unverändert befinden, weiter zu verschärfen.“

6. Wie finanzieren die Teilnehmer das Turnier?

Manchen sind die Kosten mehr oder weniger egal, von München (Red Bull) und Wolfsburg (VW) heißt es gar, sie würden auch mit der normalen Saison beginnen. Andere müssen mehr aufs Geld achten. Aber da hilft die Telekom als Namenssponsor und TV-Partner des Turniers, die garantiere den Klubs eine „Antrittsprämie in nicht unerheblicher Höhe“, schreibt die „Eishockey News“. Allen hilft das aber nicht, laut Augsburgs Lothar Sigl „reicht das für uns leider bei Weitem nicht aus, die entstehenden Kosten zu decken“. Die Vereine müssen ja nicht nur in der Zeit des Turniers zahlen, sondern auch schon beim Training vorher, das Anfang November beginnen soll. Also brauchen sie andere Geldquellen. Diverse Klubs sollen mit ihren Gesellschaftern gesprochen haben, damit mehr reinkommt. Und mit ihren Spielern, damit weniger rausgeht. Soll heißen: Die Spieler verzichten noch mal auf Gehalt. DEG-Geschäftsführer Harald Wirtz bestätigte das für seinen Klub und sprach von einem „großen Zeichen der Mannschaft“ und einem „klaren Statement der Gesellschafter, aufs Eis und nicht in den Winterschlaf zu gehen.” Auch die Kölner Haie gaben bekannt, dass ihre Spieler auf „bis zu 60 Prozent“ ihrer Gehälter verzichten. Für den Turnierstart reicht es dennoch nicht, als DEL-Zuschauerkrösus (im Vorjahr 13.333 im Schnitt) sind die besonders auf Fans in der riesengroßen Kölnarena angewiesen. Wieder andere Klubs – wie Ingolstadt oder Nürnberg – haben derzeit so kleine Kader oder so viele Spieler verliehen, dass sie aktuell gar keine Mannschaft hätten. Und sie scheinen auch nicht gewillt, diese für ein Testturnier zurückzuholen.

7. Was bedeutet das alles für den richtigen Saisonstart?

Schwer zu sagen. Ein Durchbruch ist das Turnier noch lange nicht, aber ein erster wichtiger Schritt. DEL-Chef Gernot Tripcke nennt es „eine Art Brustlöser nach wirklich sehr schwierigen Wochen und Monaten“. Gleichzeitig ist das Turnier auch ein Zeichen nach außen, dass man etwas versucht und in die Offensive geht. Seit Monaten kritisieren Spieler, Fans und Medien die Liga für ihre fehlenden Antworten auf die Krise. Nun gibt es eine erste, aber um wirklich starten zu können, braucht es Geld vom Staat. Bislang scheiterte das Abrufen der Gelder aus dem Hilfspaket für die meisten Klubs, aber es soll nun vereinfacht werden, zudem soll die Deckelung auf 800.000 Euro pro Klub fallen. Aber selbst wenn die Klubs an das Geld kommen, heißt das noch lange nicht, dass auch alle 14 in die Saison starten. Weil die DEL am heutigen Freitag verkündete, den gerade erst wiedereingeführten Abstieg auszusetzen, ist auch die letzte Hürde für Teams gefallen, die Saison komplett auszusetzen. Dennoch ist es denkbar, dass mehr als acht Teams mitspielen. Nur weil sie auf das Vorbereitungsturnier verzichten, heißt das nicht, dass sie auch bereits die Saison abgehakt haben.

8. Wann beginnt bei der DEG mit dem Training?

Am 2. November soll es an der Brehmstraße losgehen. Hundertprozentig sicher ist das noch nicht, aber es ist zumindest der Plan. Dann wären fast acht Monate vom bislang letzten offiziellen Mannschaftstraining der DEG vergangenen. Zwar sind einige Spieler schon seit Wochen hin und wieder auf dem Eis, aber aufgrund der Kurzarbeit nur in kleinen Gruppen und ohne Trainer. Mit einem regelmäßigen Training eines Profiteams hat das nichts zu tun.

9. Sind die Nordamerikaner sowie die verliehenen Spieler bei der DEG dabei?

Ja, Manager Niki Mondt wird Luke Adam und Marc Zanetti einfliegen lassen, was mit dem lange verletzten Chad Nehring passiert, ist noch unklar. Auch die verliehenen Marco Nowak (Crimmitschau/DEL2) und Max Kammerer (Villach/Österreich) sollen zurückkommen. Die Frage ist allerdings, ob die, die aus dem Ausland kommen, erst mal in Quarantäne müssen. Max Kammerer ist das derzeit schon in Villach, weil es in seinem Team mehrere Corona-Fälle gibt, das heutige Spiel des VSV gegen Wien wurde abgesagt.

10. Kommen noch weitere Spieler dazu?

Das ist geplant. Mondt sucht noch einen Verteidiger und hat laut Eigenaussage diverse Kandidaten auf dem Zettel. Aber einen verpflichten wird er wohl erst, wenn der Saisonstart endgültig feststeht. Ohne Aussicht auf feste Einnahmen will und kann er kein weiteres Geld in die Mannschaft stecken. Aber sobald der Starttermin klar ist, könnte es ganz schnell gehen mit dem neuen Mann für die Defensive.

Der Spielplan der DEG:

Samstag, 14. November: Wolfsburg – DEG
Mittwoch, 18. November: Bremerhaven – DEG
Dienstag, 24. November: DEG – Krefeld
Samstag, 28. November: DEG – Wolfsburg
Mittwoch, 2. Dezember: DEG – Bremerhaven
Dienstag, 8. Dezember: Krefeld – DEG

Falls die DEG die Gruppenphase übersteht, spielt sie am Donnerstag, 10. Dezember, oder am Freitag, 11. Dezember, ihr Halbfinale. Das Finale steigt am Samstag, 12. Dezember, oder am Sonntag, 13. Dezember.

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