10 Fragen – 10 Antworten zur DEG

Geschäftsführerwechsel beim Eishockeyklub

Foto: DEG

von Bernd Schwickerath

Es war die bislang größte Überraschung des DEG-Jahres: Der Eishockeyklub und Geschäftsführer Stefan Adam trennen sich, ersetzt wird er von einer Doppelspitze: Harald Wirtz übernimmt die kaufmännische Seite, Niki Mondt den sportlichen Bereich. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

1. Wie fällt die Bilanz der Amtszeit von Stefan Adam aus?

Dafür muss man sehen, wie es um die DEG stand, als Adam anfing. Das war im Sommer 2016, kurz nach dem öffentlichen Machtkampf um Gesellschafter Mikhail Ponomarev, der schließlich aus dem Verein gedrängt wurde. Geld war fast gar keins mehr da, selbst das Ende der DEG schien möglich. Vier Jahre später steht der Klub um Längen besser da. Wirtschaftlich, sportlich, vom Zuschauerzuspruch her, in der Außendarstellung. Abgesehen von sportlichen Problemen wie am Ende der Amtszeit von Trainer Christof Kreutzer oder im Jahr danach unter Mike Pellegrims gab es keine echten Aufreger. Von der viel zitierten „Pommesbude“ redet seit Jahren niemand mehr. Die DEG bekam eine seriöse Außendarstellung. Zudem war Adam jüngst in der Krise präsent, brachte die DEG durch seine Aussagen oder Verhandlungen mit der Politik bundesweit als treibende Kraft der Eishockeybranche ins Gespräch.

2. Gucken wir auf die Details: Wie lief es sportlich?

Ganz allgemein: Zwei elfte Plätze, ein sechster, ein fünfter, zwei Play-off-Teilnahmen, keine einzige gewonnene Serie. Das ist ordentlich, aber auch nicht überragend. Vor allem der Anfang verlief holprig: Im letzten Jahr von Christof Kreutzer ging es sportlich bergab, seine Entlassung war vertretbar, in ihrer Art und Weise aber mindestens unglücklich. Danach folgte mit der Verpflichtung von Mike Pellegrims Adams größter Fehlgriff – der nachher durch den Wechsel zu Harold Kreis aber kompensiert wurde. Mit Niki Mondt als Manager (und Daniel Kreutzer als Assistent) gelang der DEG in Adams Amtszeit ein Glücksgriff. Mondt holte in den vergangenen beiden Jahren mehr raus, als es der Etat eigentlich hergegeben hätte, verpflichtete gute Spieler für kleines Geld. Nicht umsonst wurden DEG-Spieler in den vergangenen Jahren von Topklubs um- und abgeworben. Was auch daran liegt, dass die DEG das Scouting professionalisiert hat. Natürlich hat Adam nicht jede Entscheidung selbst getroffen, aber letztlich stand auch der sportliche Bereich in seiner Verantwortung.

3. Was passierte wirtschaftlich?

Der Beginn der Amtszeit war hart, Stefan Adam musste die Trümmer der Vergangenheit wegräumen, strukturell, aber auch so manchen teuren Vertrag. Ohne die Hilfe der Stadt, des Stammvereins und vor allem der Gesellschafter hätte es dennoch kein Überleben gegeben. Jahrelang mussten die Gesellschafter Millionen dazutun, das wurde mit der Professionalisierung aber schrittweise weniger, vergangene Saison hätte die DEG sogar erstmals eine schwarze Null schreiben können, wenn die Play-offs stattgefunden hätten. Das liegt vor allem an den gestiegenen Zuschauerzahlen: Zuletzt kamen 8531 (2018/19) und 8642 (2019/20) zu den Heimspielen, der jeweils beste Schnitt seit den goldenen Neunzigern an der Brehmstraße. Auch der Fanartikelverkauf funktioniert, zudem gibt es deutlich mehr Sponsoren als zu Beginn von Stefan Adams Amtszeit.

4. Trotzdem sagt auch die DEG, sie kann ohne Staatshilfen nicht spielen. Also ist doch nicht alles rosig?

Natürlich nicht. Das würde auch Stefan Adam nicht bestreiten. Es geht immer mehr, gerade was das Sponsoring angeht. Allerdings: Das Geschäftsstellen-Team an der Brehmstraße ist klein, in Christopher Schlenker gibt es nur einen Mann für die Akquise. Zudem darf nicht vergessen werden, wie schwer es für Sportarten neben dem alles dominierenden Fußball ist, Geld einzusammeln. Gerade für einen Sport ohne regelmäßige Präsenz im Free-TV. Gerade in einer Stadt wie Düsseldorf, wo es zwar zahlreiche Unternehmen gibt, die übergroße Mehrheit aber nicht viel für Sportsponsoring übrig hat. Da sind rund 65 größere Sponsoren, die auf der DEG-Homepage aufgelistet sind, keine schlechte Zahl. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass viele Sponsoren, gerade die größeren, über Gesellschafter, Stadttöchter oder Kooperationen wie dem Gauselmann-Deal reinkamen. Ein generelles Problem sind zudem die Logen im Dome, die bei DEG-Spielen so gut wie nie flächendeckend voll sind.

5. Das liest sich insgesamt doch mindestens ordentlich: Wie begründet die DEG also die Trennung von Stefan Adam?

Offiziell heißt es: „Stefan Adam und die Gesellschafter haben sich nach mehreren Gesprächen einvernehmlich dazu entschlossen, in Zukunft getrennte Wege zu gehen. Während der Pandemie bedingten Krisensituation bestanden unterschiedliche Auffassungen darüber, wie einige Weichenstellungen zur Zukunft der DEG gestaltet werden sollen.“

6. Was bedeutet das genau?

Dass es Gesellschafter gibt, die mit dem Krisenmanagement nicht einverstanden waren. Für die grundsätzliche Arbeit der vergangenen Jahre wird Stefan Adam gedankt, es scheint aber Entscheidungsträger bei der DEG zu geben, die nicht davon überzeugt sind, dass Adam der richtige Mann für die nächsten Entwicklungsschritte ist – gerade in der Krise.

7. Welche Rolle spielt der Beirat?

Der wurde 2018 gegründet, er besteht vor allem aus Sponsorenvertretern. Öffentlich spielte der Beirat bislang kaum eine Rolle, er soll auch nicht ins operative Geschäft eingreifen. Aber es soll aus dem Kreis der Sponsoren zumindest einzelne Kritiker an der Geschäftsführung gegeben haben. Die Einschätzung wird von den Aussagen von Harald Wirtz genährt. Der neue Geschäftsführer ist selbst Sponsor und möchte der DEG nun „neue Impulse geben – speziell im Bereich Sponsoring und Hospitality“. Wenn das seine Kernaufgabe sein soll, muss es ja Menschen bei der DEG geben, die denken, dass Wirtz es besser kann als Stefan Adam. Was wiederum die Annahme voraussetzt, dass es grundsätzlich besser geht.

8. Wer ist Harald Wirtz?

Ein gebürtiger Düsseldorfer, der seit seiner Jugend zur DEG geht. Zudem ist er ein erfolgreicher Unternehmer, gründete vor knapp zwei Jahrzehnten die Wirtz Medical GmbH, ein Personaldienstleister für das Gesundheits- und Sozialwesen mit heute mehr als 700 Mitarbeitern. Seit einigen Jahren ist das Unternehmen Sponsor bei der DEG. Wirtz selbst saß zunächst im Beirat, wurde Anfang September zudem „Bevollmächtigter der Gesellschafter“, er sei nun ein „aktiver Gestalter“, ließ die DEG damals wissen. Nun gestaltet er mehr denn je, Harald Wirtz übernimmt die Geschäfte an der Brehmstraße – allerdings nur die kaufmännische Seite.

9. Warum wurde Niki Mondt befördert?

Weil Harald Wirtz sich eben ausschließlich um die wirtschaftlichen Aspekte kümmern soll. Vereinfacht gesagt: Er muss das Geld reinholen, das Niki Mondt dann für den sportlichen Bereich ausgeben darf. Die beiden sollen die DEG künftig als Doppelspitze führen, Mondt wird nun vom „Sportlichen Leiter“, im Volksmund Manager, zum Sportdirektor befördert.

10. Was macht Niki Mondt derzeit überhaupt?

Er versucht vor allem, einige Spieler bei anderen Verein unter zu bekommen. Da die DEL ja frühestens am 18. Dezember beginnt und bei der DEG noch lange nicht trainiert wird, geht es nun darum, den Spielern irgendwie Spielpraxis zu besorgen. Max Kammerer spielt bereits in Österreich, ausländische Spieler wie die Skandinavier könnten in ihre Heimatländer verliehen werden, die jungen Spieler mit Förderlizenzen (Doppelspielrecht für andere Teams aus anderen Ligen) zum Kooperationspartner nach Dresden in die DEL2. Zudem hat Niki Mondt den Spielermarkt im Blick, sobald es in der DEL losgeht, würde er nicht nur die verliehenen Spieler zurückholen, sondern weitere verpflichten.

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