(Foto: RCGD/Privat)
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80 Jahre RCGD: Hildegard Hinz und Ria Dübbers

  • Dienstag, der 5. Februar 2019
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(Foto: RCGD/Privat)

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Im Jahr 2018 gab es im RCGD ein bisher einzigartiges Jubiläum zweier Mitglieder – die 80-jährige Mitgliedschaft. Hildegard Hinz und Ria Dübbers heißen die Jubilarinnen. Aber nicht nur die Dauer der Mitgliedschaft ist eine besondere, sondern die Verbindung zu einem weiteren Clubjubiläum im Jahr 2018 – 80 Jahre Damenrudern im RCGD.

Denn die beiden Damen Hinz und Dübbers zählen zu den Damen der ersten Stunde, die 1938 eine – noch eigene – Abteilung im RCGD zum Rudern für Damen gründeten. Auch wenn die damaligen Herrenmitglieder die Entscheidung zur Öffnung des Clubs selbst trafen, so war es für die Damen sicher auch mehr ein „sich erkämpfen müssen“ als ein Empfang mit offenen Armen, denn Frauensport war zu dieser Zeit bei weitem noch nicht alltäglich. Und auch der Rudersport insgesamt hatte zur damaligen Zeit noch seine Schwierigkeiten mit dem weiblichen Sporttreiben. Zwar gab es bereits gemischte Rudervereine für Frauen und Männer, aber die überwiegende Zahl der Vereine war ausschließlich den Männern vorbehalten, wenngleich es auch reine Frauenrudervereine gab und bis heute – wie reine Männervereine auch – gibt.

Wie vorausschauend sowohl die Entscheidung – gleich welcher Grundlage – der männlichen Clubführung zur Öffnung des RCGD für weibliche Mitglieder, wie auch der Wille der Frauen auf Gleichberechtigung war, zeigt die aktuelle Diskussion über die Frage der Gemeinnützigkeit von monogeschlechtlichen Vereinen in- und außerhalb des (Ruder-)Sports. Deren weitere Entwicklung wird zu beobachten sein…

Betrachtet man in diesem Zusammenhang die historische Entwicklung der Gleichberechtigung von Frau und Mann, so besteht diese als Verfassungsgrundsatz in der Bundesrepublik seit 1949. Aber erst im Juni 1957 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Gleichberechtigungsgesetz, welches dann wiederum erst am 1. Juli 1958 in Kraft trat. Erst 1977 fiel die Genehmigungsbedürftigkeit der Frau zur Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit durch die Zustimmung des Ehemannes. Insgesamt war das Tun und Handeln der Frauen in eigener Verantwortung lange davon geprägt ob ihr Tun mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar war. Der Ehemann war zur Mitarbeit nicht verpflichtet. Er hatte vielmehr das letzte Wort in allen Fragen des gemeinsamen Lebens, wenn sich ein Paar nicht einigen konnte, ganz gleich ob ein Haus gebaut, eine Waschmaschine gekauft, der Wohnort gewechselt oder die Kinder aufs Gymnasium durften. Heute mag sich dieses unwirklich anhören.

Im RCGD nahm aber mit 1938 das Frauenrudern seinen Anfang – mit Hilde Hinz als Leiterin der Damenabteilung. Bis zur vollständigen Etablierung waren, bedingt durch den gesellschaftlichen Kontext, aber auch so manche Hindernisse noch zu beseitigen, bis in den 70er Jahren Frauen und Männer offiziell und nicht mit „zugedrücktem Auge“ oder Schummeleien (zustieg ab Südbrücke) den Weg sogar ins gemeinsame Boot schafften.

Heute ist dies eine Selbstverständlichkeit. Die Geschlechter üben ihren Sport – im gesamten Rudersport – getrennt und gemeinsam aus und dies sowohl im Breiten- wie auch im Leistungssport! Vorbei die Zeit als Frauenrennsport nur als Stilrudern als eigene Wettkampfform – eine Art Ruderballett – entwickelt wurde (Grazie und Anmut statt Schweiß und Anstrengung – es galt als unschicklich und höchst bedenklich, wenn Damen sich sportlich betätigten), vorbei die Zeiten als Herren auf Rudertagen über die Tauglichkeit des Rudersport für Frauen unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen auf etwaige Schwangerschaften diskutierten und diesen ablehnten. Seit 1976 ist Frauenrudern olympisch, sowohl im Skull und im Riemen und zukünftig sollen die Anteile von Frauen und Männern auf Olympischen Spielen gleichen Proporz haben. Schade aber, dass eine Besonderheit nicht allzu vieler Sportarten – das Mixed – bei dem Frauen und Männern in einer Mannschaft und mit gleichem Anteil ihre Sportart ausüben, zunächst nicht Einzug gehalten hat. Aber das geht hier jetzt zu weit.

Bei den Funktionsträgern und Clubverantwortlichen im RCGD begann der Einzug der Damen in die Verwaltung und Organisation 1954. Neben der Leiterin der Damenabteilung nahmen fortan zunehmend Frauen als Schrift- oder Geschäftsführerinnen an Vorstandssitzungen teil und 1980 wurde mit Rosemarie Busch eine erste Frau in den Ältestenrat gewählt. Die Jugend wählte 1997 mit Sarah Könes die erste Jugendwartin in die Clubvertretung und der Gesamtverein 2011 mit Kathrin Schmack eine erste weibliche BGB-Vertretung. Im Jahr 2013 aber war es dann im Ruderclub Germania Düsseldorf soweit und mit Melanie Lack erstmals eine erste Vorsitzende des Clubs gewählt. Spätestens damit war auch nach Aussen das Signal gesetzt, dass im RCGD der Übergang von reinen Männerregierungen in den verschiedenen Aufgabenbereichen (Vorstand, Clubvertretung, Ältestenrat, Gremien und Ausschüsse) erreicht ist, und dass nun – fern jeder Quote – Frauen und Männer gleichermaßen die Geschicke des RCGD leiten und gestalten.

Wer dies 1938 Hilde Hinz und Ria Dübbers prophezeite mag ein Visionär gewesen sein, recht geglaubt hätte man ihr oder ihm wohl noch nicht. Dennoch aber zählt die Hartnäckigkeit und das Engagement der beiden Gründungsdamen zum Nährboden dieser, von vielen Frauen weitergeführten, Entwicklung des RCGD. Aus diesem Grunde konnte der gesamte RCGD nach 80 Jahren in vielerlei Hinsicht besondere Jubiläen feiern.

 

Herzlichen Glückwunsch!

 

(MD)