Auf gute Nachbarschaft

DSD und DHC loben sich vor dem Hockey-Derby gegenseitig

Foto: Carla Knippschild

von Bernd Schwickerath

Man muss schon lange suchen, um zwei Derby-Kontrahenten zu finden, die so viel Gutes über den anderen erzählen wie die Vertreter von DSD und DHC vor dem Zweitliga-Duell an diesem Samstag (14.30 Uhr, Altenbergstraße). Da wird die Entwicklung gelobt und alles Gute für die Zukunft gewünscht. Böses Blut? Fehlanzeige.

Das liegt im akuten Fall natürlich an den besonderen Begebenheiten des Feldhockeys, der sei ja „eine kleine Familie“, sagt Tobias Bergmann, der Trainer des DSD. Man kenne sich, man schätze sich. Und ganz nebenbei gibt es ja zahlreiche Protagonisten, die bereits beide Trikots trugen. Auch Bergmann selbst spielte früher in Oberkassel.

Bei Sebastian Folkers hört sich das ganz ähnlich an. Angst, dass der aufstrebende DSD seinen Klub als Platzhirsch des Düsseldorfer Hockeys ablösen könnte, hat der DHC-Trainer nicht: „Ich sehe mehr das große Ganze: Jeder Verein, der sich gut entwickelt, ist für unseren Gesamtsport hilfreich.“ Und dass in Grafenberg zuletzt immer professioneller gearbeitet wird, sei sogar gut für den DHC: „Das treibt uns an. Durch Konkurrenz und Reibung entstehen Entwicklung und Fortschritt. Das ist insgesamt cool für die Stadt.“

Underdog gegen Bundesliga-Absteiger

In eben jener Stadt ist der Hockeysport zwar seit Jahrzehnten zu Hause, eine besondere Tradition mit legendären Schlachten hat das Derby auf Herrenebene allerdings nicht. Dafür waren die Klubs zu lange in unterschiedlichen Sphären unterwegs. Und trotz der Annäherung spielt DSD-Trainer Bergmann die Karte auch heute noch: „Wir sind der kleine Underdog-Klub, der vor ein paar Jahren aus der Oberliga aufgestiegen ist, der DHC kommt aus der ersten Liga. Aber so ein Spiel ist für uns eine gute Möglichkeit zu zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Das sind sie in der Tat an der Altenbergstraße. Die erste Mannschaft hat sich in der zweiten Bundesliga etabliert, auf der Anlage hat sich einiges getan, Trainerstab und Aktivenzahl wachsen, und dann wäre da ja noch dieser besondere Jahrgang, um den der DSD selbst von den ganz Großen aus Hamburg oder Köln beneidet wird: „Holgers Jungs“.

Mit Holger ist Holger Muth gemeint, der 2009 ein paar Grundschüler um sich versammelte und Großes mit ihnen vorhatte. Eine bundesweite Topmannschaft sollte daraus entstehen. Dafür wurde von Beginn an unter einem Leistungsgedanken trainiert. Schwerpunkte: Koordination, Athletik, spielerische Qualitäten, Taktik. Wenn Muth damals mit seinem kleinen Sohn auf einem Spielplatz war und ein besonderes Bewegungstalent erkannte, sprach er die Eltern an. So entstand eine Mannschaft voller Hochbegabter, die mehrmals Deutscher Meister wurde. Und die irgendwann das Fundament der ersten Herren bilden sollte.

DSD geht mit sechs 17-Jährigen ins Spiel

Soweit ist der Jahrgang auch jetzt noch nicht, aber er klopft an. Als der DSD im Sommer „seine komplette Mittelachse“ verlor, erzählt Herrentrainer Bergmann, hätte er sich eben nicht um externe Zugänge gekümmert. Er hat einfach diverse 17-Jährige aus der eigenen Jugend hochgezogen. Auch dass für das morgige Derby gleich mehrere Stammkräfte ausfallen, lässt Bergmann nicht unruhig schlafen, er setzt weiter auf den Nachwuchs: „Wir gehen mit sechs Spielern aus der eigenen Jugend in das Spiel und rechnen uns trotzdem etwas aus. Da sind wir schon stolz drauf.“

Zum Favoriten macht den DSD das aber natürlich nicht. Zwar sind die Ergebnisse seit dem Neustart im September mehr als ordentlich, die Grafenberger gewannen vier ihrer sechs Spiele und stehen auf Rang drei. Der DHC spielt aber noch mal in einer anderen Liga: sechs Spiele, sechs Siege, 19:5 Tore, souveräner Tabellenführer.

Foto: Hans Kramhöller

Zwar weiß dessen Trainer Sebastian Folkers, dass das in einem Derby nichts bedeuten muss, „da sind gewisse Sachen aufgehoben“, sagt er, aber ein 50:50-Spiel ist es nun auch nicht: „Wir haben die Qualität, dass es an uns liegt, wie dieses Derby endet.“ Von den individuellen Fähigkeiten her „sehe ich uns schon vorn“.

Auf den DHC wartet am Sonntag noch das Topspiel in Köln

Vorsicht sei dennoch geboten. Der Nachbar sei durch seine jugendliche Energie – auch die Älteren sind häufig erst 21 oder 22 Jahre alt – und die starke Verbindung untereinander ein „enges Kollektiv“. Eins, das „in jedem Spiel alles aus sich herausholt und immer mitspielen will“, sagt der DHC-Trainer. Auch Gegenüber Bergmann verspricht ein emotionales Duell, dafür brauche es nicht mal den Derbycharakter, seine Mannschaft habe „immer Feuer“. Ein abwartender Gegner, der sich vor dem eigenen Tor verschanzt, will er nicht sein.

„Das wird ein ganz anderes Spiel als in den letzten Wochen“, weiß auch Folkers und spricht generell von einem „sehr herausfordernden Wochenende“. Denn das hält für sein Team am Sonntag (14 Uhr) einen weiteren Höhepunkt bereit: das Spiel beim Tabellenzweiten Blau-Weiß Köln. Doch vorentscheidend sei das noch nicht. Denn bald wird die Liga geteilt, die oberen Fünf spielen noch eine eigene Runde um den Aufstieg aus. „Wir spielen noch zweimal gegen den DSD, zweimal gegen Gladbach, zweimal gegen Neuss und zweimal gegen Köln. Bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein runter.“

Nun steht aber erst mal das Derby an. Und da habe er „Megabock“ drauf. Das gilt auch für die Hockeyfans. Zwar sind wegen der Pandemie nur 300 Zuschauer zugelassen, aber die kommen ganz sicher. Das Spiel ist seit Tagen ausverkauft.

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