Bern 1954 und der große Regen…

Manchmal fällt einem eine Blogidee direkt vor die Füße, man muss sich nur bücken und sie aufklauben.

Der Besuch in einem der nur noch sehr wenigen klassischen Schirmgeschäfte Deutschlands auf der Birkenstraße – die Schirm Boutique – in Düsseldorf-Flingern brachte es mit sich, dass ich mit dem Inhaber Herr Saß ins Gespräch kam. Er zeigte mir seine sagenhaften „Schätze“ und war ein Quell des Wissens über diesen – zum Wegwerfartikel verkommenen – Regenschutz.

„Glauben Sie wirklich, dass anno dazumal in Bern beim Fußballfinale gegen Ungarn, ein Schirm asiatischer Prägung dem Wasser von oben standgehalten hätte?“ 

So einer der Kernsätze von dem Meister aller Regenschirme.

Jeder weiß, dass an dem Tag der Himmel seine Schleusen öffnete und das so genannte Fritz Walter Wetter wohl seinen Teil zum 3:2 Sieg gegen die eigentlich übermächtigen Ungarn beitrug.

1954 war ich noch ein feuchter Gedanke meines Vaters, welche damals knapp 18 Jahre alt war und mit seinen Brüdern in Hamburg das Spiel mit hunderten anderen Fans vor einem Fernsehladen auf der Straße (!) angesehen hatte und  mir als Kind diese Geschichte vor lauter Begeisterung immer und immer wieder erzählte. 

Liebrich, Rahn, die Walter Brüder, Eckel, Morlock, Kohlmeyer, Schäfer, Posipal, Mai und nicht zu vergessen – gleichzeitig der Held meines Vaters Jugend – Toni Turek „Fußballgott“. Alle taktisch und emotional angeführt von Trainer Sepp Herberger.

Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, zumal er mir auch sein Idol so sehr ans Herz legte, dass auch mein Held aus der Meistermannschaft besagter Fußballgott wurde.

Turek war zwischen 1950 und 1956 zwischen den Pfosten der Fortuna und glänzte in 133 Spielen für meine Heimatstadt.

Das eine Jahr im Gladbach danach ignorieren wir einfach mal.

Toni war kein „Schauspieler“ im Kasten, er guckte sich die Bälle aus und „er bewegt sich nur, wenn es nicht anders ging“ (Originalzitat von seinem Mitspieler Mattes Mauritz).

Schaut euch in Youtube mal das Endspiel von 1954 an und genießt den enthusiastischen Herbert Zimmermann hinter dem Mikrofon. Wer kennt – „Turek, du bist ein Teufelskerl! Turek, du bist ein Fußballgott!“ – nicht?

Einfach großartig.

Manchmal wünschte ich mir, den 4. Juli 1954 im Berner Wankdorfstadion live miterlebt zu haben, am liebsten direkt neben Herbert Zimmermann und mit glänzenden Augen für Toni Turek Fußballgotts sensationelle Paraden.

Ich bin Herrn Saß dankbar, dass er mich auf die Idee brachte und dass ich den Weg in seinen tollen Laden gefunden habe. Den morbiden Charme und den Geruch der 50iger Jahre vergesse ich nicht.

Euer Heiko Sauer

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