Borger/Sude setzen ein Zeichen

Beachvolleyball-Duo reist nicht nach Katar

Foto: Kenny Beele

von Tobias Kemberg

Weil die Veranstalter des World-Tour-Events in Doha bei den Frauen auf langer Spielkleidung bestehen, verzichten Karla Borger und Julia Sude auf eine Teilnahme am ersten Vier-Sterne-Event seit einem Jahr.

Rund ein Jahr ist inzwischen vergangenen. Es war März 2020 als sich die internationale Beachvolleyball-Elite für ein Turnier in Doha traf. Und genau dort soll es unter strengen Corona-Auflagen vom 8. bis 12. März wieder losgehen mit der FIVB World Tour – in einer sogenannten Bubble.

Nicht dabei sein werden dort Karla Borger und Julia Sude. Trotz der sportlichen Wichtigkeit im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele in Tokio verzichtet das Top-Duo aus dem TEAM 2021 Düsseldorf auf eine Teilnahme und mögliche Qualifikationspunkte. Der Grund: Die Veranstalter in Katar erlauben die übliche Spielkleidung nicht und bestehen bei den Sportlerinnen auf mehr Stoff, während die Männer in den gängigen Outfits aufschlagen dürfen.

Zur konservativen Kleiderordnung in Katar gehört, dass es nicht angemessen ist, dass Frauen transparente Kleidung, kurze Röcke, Shorts oder Bikinis tragen. Für Karla Borger ist die Vorschrift schon aus klimatischen Gründen ein Problem: „Unser Sport ist verdammt anstrengend. Wenn man überlegt, dass wir bei 30, eher Richtung 40 Grad Mittagssonne spielen. Wir passen uns in jedem Land an, wo wir können. Wir sind auch dazu bereit. Aber hier geht es auch darum, dass es auch anstrengend ist. Du bist da in der Hitze ja nur am triefen, es ist alles nass. Wir sind es einfach nicht gewöhnt, bei solchen Temperaturen mit dieser Kleidung zu spielen“, sagte die 32-Jährige gegenüber dem „Spiegel“.

Umfrage im Vorfeld nur pro forma durchgeführt?

Foto: Kenny Beele

Im Vorfeld der Turnierzusagen durften die Spielerinnen an einer Umfrage teilnehmen, bei der es darum ging, ob sie in langer Kleidung antreten würden. Allerdings blieb die genaue Definition in diesem Fall unklar. Wenige Stunden nach Beendigung der Umfrage stand fest, dass das Frauenturnier stattfindet. „Man könnte also zu dem Schluss kommen, dass die Umfrage einfach nur pro forma war“, erklärte Borger.

2019 sind die Sprinterinnen bei der Leichtathletik-WM auch in ihrer normalen Arbeitskleidung angetreten“, sagte Julia Sude. „Es geht gar nicht ums wenig anhaben oder nicht. Es geht darum, dass wir in unserer Arbeitskleidung nicht unsere Arbeit machen können. Das verstehe ich nicht.“ Anders als viele andere Teams sind Borger/Sude in Bezug auf die Olympischen Spiele nicht so sehr auf die Teilnahme in Katar angewiesen. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir unser Turnierkonto voll haben. Wir haben uns dagegen entschieden, weil wir das nicht mittragen wollen. Andere sind im Prinzip gezwungen, noch Turniere zu spielen. Man weiß ja nicht, was danach noch stattfindet“, sagte Julia Sude.

Der Wüstenstaat Katar steht als Ausrichter der Fußball-WM 2022 schon seit langem in der Kritik. Vor allem mit Blick auf die Arbeitsbedingungen. Aber auch die Rechte für Frauen sind ein vieldiskutiertes Thema. Nun setzt das Düsseldorfer Top-Beachvolleyball-Duo ein Zeichen. „Es gibt irgendwo gesellschaftliche Grenzen, weil wir als Sportlerinnen und Sportler auch Werte vertreten“, sagte Karla Borger dem „Spiegel“.

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