Brandons Glück liegt auf dem Rücken der Pferde

Porträt: Ein junger Reiter und seine Leidenschaft

Foto: Ingo Wächter

von Norbert Krings

Der Düsseldorfer Brandon Schäfer-Gehrau ist ein riesiges Talent als Vielseitigkeits- und Springreiter. Wie ein junger Mann seine Liebe zu Pferden und dem Reitsport entwickelt hat, wollen wir in diesem Bericht einmal akribisch auf den Grund gehen.

Wie kam Brandon zum Reitsport?
Die Familie Schäfer-Gehrau ist eigentlich eine deutsch-amerikanische Tennisfamilie. Als Jugendwartin der TG Nord hat die Mutter Tenniscamps und viele Tennisaktivitäten organisiert. Als Tochter Anna Lisa 2010 die Idee hatte, einen Reitschnupperkurs auf dem Bergerhof zu machen, war Brandon mit dabei. Schon im Alter von sechs Jahren hatte sich Brandon Pferdevideos, Pferdebücher und Pferdetassen gewünscht. Auf dem Camperhof in Lohausen gab ihm die Besitzerin Anne Brockerhoff kostenlos Unterricht.

Die Eltern hatten Zweifel…

Die Eltern waren nicht unbedingt begeistert, da die Familie mit Pferden und Reitsport keine Berühungspunkte hatte. Brandons Zwillingsbruder Travis und seine Schwester entschieden sich für den Tennissport.

Der Pferdehof wurde zur zweiten Heimat

Zwischen 2010 und 2014 lernte Brandon den Umgang und die Pflege der Ponies am Camperhof kennen, wo er mit seinen Reitfreunden eine schöne Zeit verbrachte. Er bekam zuerst eine Reitbeteiligung und dann ritt er mit einer Freundin zusammen das 17 Jahre alte Pony Goby. Er ging jeden Tag nach der Schule zum Ponyhof, und das wurde sein Leben. Die Schule lief so nebenbei.

Dann kamen die ersten Turniere

Einmal nahm ihn die Reitstallbesitzerin mit zu einem Turnier, und er gewann gleich den Dressur-Wettkampf. Auch bei einem Springturnier klappte es gut. Im Alter von 13 Jahren übernahm er allein die Verantwortung für Vogy‘s Dream und ritt sein erstes Vielseitigkeitsturnier bei strömendem Regen. Das tat seiner Leidenschaft keinen Abbruch. Die vorrübergehende Phase war zum großen Hobby geworden, an gemeinsames Tennisspiel der Familie war nicht mehr zu denken.

Brandon Schäfer Gehrau als Deutscher Meister. Foto: Sina Spindler Photography

Sein Ziel war damals schon, irgendwann Deutscher Meister im Reitsport zu werden

Tina Hoffmann-Richter vom Bergerhof trainierte ihn und er wurde Vierter bei der Goldenen Schärpe 2014 in der E-Klasse der Anfänger von ganz Deutschland. Die Trainerin nahm die Familie mit zum Bundestrainer nach Warendorf, der sich Brandons Art zu reiten anschauen sollte. Dann ging es 2015 zu einem Turnier nach Dänemark, das eine Qualifikation für die Europameisterschaft war, was Brandon nicht wusste. Er wurde Zweiter und qualifizierte sich für die EM, wo er und Pretty-in-Black Achte wurden.

Nach dem Abi wird Brandon Pferdewirt

Nach dem Abitur auf dem Theodor-Fliedner Gymnasium gab Brandon sein Hobby und seinen Sport nicht auf. Er absolvierte die zweijährige Ausbildung zum Pferdewirt und bekam die Chance, am Olympischen Komitee für Reiterei in Warendorf zu leben und zu trainieren. Nachdem er Dritter bei der Europameisterschaft 2018 und 2019 Deutscher Meister wurde, kam er 2020 in die Perspektivgruppe und wird von den Bundestrainern Frank Ostholt und Julia Krajewski sehr gefördert. Inzwischen hat Brandon eine zweite (Reit-)Familie in Warendorf gefunden.

Die Bundeswehr zahlt sein Gehalt

Als Mitglied der Spitzensportfördergruppe der Bundeswehr wird Brandon die Reiterei und sein Leben finanziert. Sein Beruf ist jetzt Reiten, und er verdient sein Gehalt durch den Sport. Er macht jeden Tag einen Plan für die Bundeswehr und muss auch Fitness und Physiotherapie absolvieren ebenso wie Lehrgänge bei der Bundeswehr. Auch Urlaub muss er beantragen – Turniere zählen als Arbeitszeit. Sogar die Grundausbildung war für ihn „eine tolle Erfahrung“.

Brandon und sein Pferd Fräulein Frieda. Foto: Sina Spindler Photography

Welche Zukunftsperspektiven hat Brandon?

Brandon ist im „Bundeskader NK 1“ und startet in der U 21 Klasse der Jungen Reiter mit dem Ziel Deutsche und Europameisterschaft. Mit dem „jungen Pferd“ ist das Ziel das Bundeschampionat, die Meisterschaft der jungen Pferde. 2019 wurde Brandon dort Achter mit Quantana. Darüber hinaus will er im Seniorensport Fuß fassen – auf 4-Sterne-Niveau. Das ganz große Ziel ist Olympia, Geld verdienen mit Reiten – ist für ihn aber auch nicht schlecht. Aber ein Studium Kommunikationswissenschaft/Medien wäre die Hoffnung der Eltern. Daher kann er dann über Turniere berichten und als Moderator von Sportevents arbeiten, wenn er nicht mehr aktiv in der Spitze mitreitet.

Wird Brandon irgendwann Mitglied im Team 2021 Düsseldorf?

Brandon hofft auf diese Ehre, „aber zwischen der Weltspitze und uns jungen Reitern liegen noch Welten!“, sagt er selbst, der sich selbst als sehr glücklich bezeichnet. Das ist er auch dann, wenn er mit seiner Familie oder seiner Reiterfamilie unterwegs ist oder sich mit seinen ehemaligen Schulkameraden aus Düsseldorf trifft.

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