Deutschlands Taekwondo-Elite in Düsseldorf

Nationalteam bereitet sich im Sportwerk auf EM vor

Foto: Kenny Beele

von Bernd Schwickerath

Trainiert wird beim Sportwerk in Bilk schon seit Monaten wieder, aber jetzt haben die Spitzenathleten endlich wieder ein Ziel vor Augen: Im April steht die EM an. Deswegen kam die Nationalmannschaft beim Sportwerk vorbei – für den Klub ein wichtiges Zeichen in schwierigen Zeiten.

Alles konnte natürlich noch nicht klappen. „Die Feinabstimmung, die Automatismen, das Timing – da fehlen einfach fünf bis zehn Prozent“, sagt Tayar Tunc. Und dennoch war dem Gründer des Sportwerks Düsseldorf und den knapp zwei Dutzend Athleten die Freude anzusehen, dass am Wochenende endlich mal wieder zielgerichtet trainiert werden konnte. 22 Taekwondo-Kämpfer und die Trainer der deutschen Nationalmannschaft waren dafür nach Düsseldorf gekommen, genauer gesagt nach Bilk zum Sportwerk.

Seit mehr als 25 Jahren gibt es den Klub, heute ist er Heimat für mehr als 900 Mitglieder, die meisten Kinder und Jugendliche. Aber vor allem ist das Sportwerk einer von zwei Bundesstützpunkten für Taekwondo. Deswegen konnte dort im Gegensatz zu den vielen Breitensportvereinen auch in den vergangenen Monaten trainiert werden. Aber eben nicht so, wie man sich das wünscht: mit einem klaren Ziel vor Augen.

Nun gibt es eins. Nachdem in 2020 nahezu alle nationalen wie internationalen Taekwondo-Wettbewerbe wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurden, geht es nun wieder los in der koreanischen Kampfsportart. Im April steht in Bulgarien die Europameisterschaft an, „das erste größere Turnier seit einem Jahr“, wie Stützpunktleiter Tayar Tunc sagt, „da geht es für einige um die Wurst. Und vorher geht es darum, die nötige Praxis zu erlangen“.

Sportwerker mit gemischten Gefühlen

Deshalb traf sich die deutsche Taekwondo-Elite am Wochenende in Düsseldorf – natürlich unter strengen Hygieneauflagen. Am Eingang wurde getestet, nur wer negativ war, durfte die Räumlichkeiten an der Volmerswerther Straße und die des Lessing-Gymnasiums betreten. Zum Glück galt das für alle Beteiligten – auch für die beiden Topathleten aus Düsseldorf, Sarah di Sinno und Antonio „Toni“ Andreopoulos.

Für di Sinno und Andreopoulos war der Lehrgang in der Heimat dennoch einer mit gemischten Gefühlen. Einerseits freuten sie sich, wieder zielgerichtet mit den Besten des Landes trainieren und kämpfen zu können, andererseits geht es für sie selbst nicht zur EM. Die beiden Sportwerker wurden dieses Jahr nicht nominiert. Und dennoch dürfen auch sie bald wieder auf die internationale Matte: bei den Sofia Open sowie den Turkish Open.

Foto: Kenny Beele

Das freut Tayar Tunc, aber gleichzeitig macht er sich auch Sorgen: Übersteht das Sportwerk die Corona-Krise? Denn dass die Spitzenathleten trainieren dürfen, bedeutet ja nicht, dass auch die vielen Breiten- und Nachwuchssportler vorbeikommen können. Zwar gab sich der Klub alle Mühe, die Mitglieder auch in schwierigen Zeiten ohne persönlichen Kontakt bei Laune zu halten, entwickelte dafür eine Trainingsapp. „Da können wir auf die Sekunde genau sehen, was die Mitglieder machen“, sagt Tunc, „aber das normale Vereinsleben ist damit nicht gewährleistet. Wir sind ja so groß geworden, weil wir eine spezielle Vereinsarbeit machen, da geht es um mehr als nur Sport. Dass das jetzt nicht richtig geht, ist ein Nachteil, den wir sehr deutlich spüren. Wenn die Kinder und Jugendlichen ihrem Verein fernbleiben müssen, entfernen sie sich vielleicht auch von der Sportart.“

Hat der Bundesstützpunkt in Düsseldorf Zukunft?

Auch die Zukunft als Bundesstützpunkt ist keineswegs gesichert. Zwar wurde die Anerkennung erst vergangenes Jahr im olympischen Zyklus bis Ende 2024 verlängert, „aber es gibt ja auch die Vereinsseite“, sagt Tunc, „vielleicht müssen wir bald sagen: Wir können es nicht mehr stemmen.“ Denn natürlich finanziert sich der Leistungssport neben Zuschüssen auch aus den Mitgliedsbeiträgen der Breitensportler. Und wer weiß schon, wer während oder nach der Krise noch dabeibleiben kann?

Aufgeben steht Tunc aber noch lange nicht im Sinn. Er hat den Klub nicht umsonst über ein Vierteljahrhundert zu dem gemacht, was er heute ist, musste immer wieder Hindernisse überwinden. Und auch wenn das aktuell keine einfache Zeit für ihn und das Sportwerk ist, er kämpft weiter um die Zukunft des Vereins. Der Lehrgang der Nationalmannschaft soll nur der Anfang gewesen sein.

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