„Die Information kam beim Frühstück“

DSD-Trainer spricht über den Aufstieg

Foto: Horstmüller

von Tobias Kemberg

Nach dem Abbruch der Regionalliga-Saison steht die 1. Damenmannschaft des DSD als Aufsteiger in die 2. Feldhockey-Bundesliga fest – für den Klub von der Altenbergstraße ist das eine Premiere. Stellvertretend für das Trainerteam, zu dem auch Lars Rossner und Rachid Sadou gehören, erklärt Coach Sebastian Binias im Interview, wie den DSD die Nachricht ereilte, warum jetzt alles professioneller wird, das Team daher erstmals eine eigene Mannschaftsbetreuerin haben wird und mit welchen Erwartungen es in die zweithöchste Spielklasse geht.

Herr Binias, wie ist das mit dem Aufstieg jetzt genau zustande gekommen?

Sebastian Binias: Die Corona-Pandemie hat auch in der Hockey-Regionalliga vieles verschoben und durcheinandergewirbelt. Weil wir aber vor der dann abgebrochenen Pool-Runde eine komplette Saison gespielt haben und weiterhin keine Möglichkeiten zum regulären Trainingsbetrieb gegeben waren, kam vor rund drei Wochen die Nachricht, dass die Verbände sich auf diesen Abbruch verständigt haben. Als uns die Information vom Westdeutschen Hockey Verband ereilte, saß ich beim Frühstück.

Also ein Aufstieg auf der Couch sozusagen? Wurde trotzdem würdig gefeiert?

Binias: Ja, genau so ist es gewesen. Wir haben mit entsprechendem Abstand gefeiert, zumindest ein wenig. Es gab auch das eine oder andere Getränk. Sollte die Gesamtsituation es im Sommer zulassen, möchten wir das Ganze in größerer Form noch einmal nachholen. Und dann wird es sicherlich nicht weniger Getränke geben.

Fühlt sich der Aufstieg nach dem Abbruch der Pool-Runde denn irgendwie merkwürdig an?

Binias: Total. Das ist schon komisch gewesen, auf der Couch sitzend davon zu lesen, dass du jetzt als Aufsteiger feststehst. Trotzdem war und ist die Freude darüber riesengroß. Bei den Spielerinnen ebenso wie bei uns im Trainerteam. In der Tabelle betrug der Vorsprung zwar nur einen Punkt, aber wir haben nur eine Niederlage in dieser Saison kassiert und waren meines Erachtens nach die beste Mannschaft.

Wie wird sich das Team verändern, in dem es bisher eine gesunde Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Talenten gab?

Binias: Von der Altersstruktur her sind wir eher ein etwas älteres Team, unter anderem mit einigen Spielerinnen, die auch schon Mütter sind. Aber die Mannschaft funktioniert, von der Gesamtstruktur her passt es einfach. Das ist ein harmonisches Team, das richtig Bock aufeinander hat. Bock haben wir auch auf die neuen Herausforderungen, die nun auf uns warten. Jetzt müssen wir erst einmal schauen, inwieweit die älteren Spielerinnen das alles zeitlich bewerkstelligen können und inwieweit wir diejenigen aus dem jüngeren Jahrgang von Beginn in das berühmte kalte Wasser werfen wollen.

„Insgesamt wird alles
automatisch etwas professioneller.“

Was ist denn größer? Der Unterschied von der Regionalliga zur 2. Bundesliga oder der von der 2. Bundesliga zur Bundesliga?

Binias: Spielerisch ist der Schritt jetzt von der Regionalliga zur 2. Bundesliga nicht so enorm. Trotzdem müssen wir uns natürlich erst einmal auf dem höheren Niveau zurechtfinden. Da sind wir aber optimistisch, nicht zuletzt weil wir in den vergangenen zwei Jahren immer wieder schon mal gegen Teams aus höheren Ligen Testspiele bestritten haben. Die haben zwar einen anderen Charakter, aber sollten uns dennoch helfen.

Auch logistisch stehen größere Herausforderungen bevor, oder?

Binias: Ja, die Wege werden deutlich weiter. Insgesamt wird alles automatisch etwas professioneller. Da ist eine Menge Koordination notwendig. Mit Blick auf unsere berufstätigen Spielerinnen zum Beispiel. Wer kann bei einem Doppelspieltag in einer anderen Stadt schon freitags mitfahren? Wo übernachtet das Team? Das sind neue Erfahrungen, die aber ganz spannend sein werden und auf die wir uns absolut freuen. Außerdem bekommt die Mannschaft erstmals eine eigene Betreuerin. Da werden also einige Weichen gestellt.

Foto: DSD

Was bedeutet dieser Aufstieg der 1. Damenmannschaft allgemein für den Verein DSD?

Binias: Zunächst einmal ist es einfach ein gutes Zeichen für die Gesamtentwicklung des Klubs. Was unsere Damen jetzt geschafft haben, ist ein Baustein der guten Arbeit, die in den zurückliegenden Jahren geleistet worden ist. Noch nie zuvor ist eine Damenmannschaft unseres Vereins in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Der DSD hat starke Leute in der Verantwortung, die ihren Anteil daran haben, dass sich der Verein immer weiter in eine gute Richtung entwickelt. Speziell auf die Damenmannschaft bezogen, möchten wir uns gerne in der 2. Bundesliga etablieren, so wie es unseren 1. Herren gelungen ist. Wir wollen diese Welle gerne weiter reiten.

Mit welcher sportlichen Erwartungshaltung gehen Spielerinnen und Trainerteam das „Abenteuer“ 2. Bundesliga an?

Binias: Wir trauen der Mannschaft einiges zu. Vielleicht nicht unbedingt eine Top-Vier-Platzierung, aber ein entspannter Mittelfeldplatz könnte es ruhig werden. Gleichzeitig ist es von großer Wichtigkeit, den nächsten Generationenwechsel erfolgreich zu vollziehen. Wenn wir an unsere Grenze gehen, werden wir die 2. Bundesliga ordentlich meistern. Bei allen Erwartungen sind wir aber auch einfach dankbar, wenn wir als Zweitligist nun wieder vernünftige Trainingsbedingungen haben. Das ging als Regionalliga-Mannschaft ja nicht, weil diese Liga nun einmal nicht zum Profibereich zählt. In dieser Woche stehen wir erstmals wieder „normal“ auf dem Platz. Das werden wir genießen, denn das hat uns allen zuletzt sehr gefehlt.

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