Düsseldorf will die NFL

10 Fragen und Antworten zum NFL-Besuch

Foto: Sportstadt

Sie ist die größte Sportshow der Welt: die NFL. Dieser Tage war eine Delegation der US-Footballliga in Deutschland unterwegs, denn sie will künftig für Spiele vorbeikommen. Auch Düsseldorf ist ein Kandidat. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

1. Fangen wir grundsätzlich an: Was ist die NFL?

Erst mal: eine Football-Liga in den USA. Aber natürlich ist sie viel mehr, die populärste und größte Sportliga der Welt, die von Jahr zu Jahr noch populärer und größer wird. Vor Corona war der Jahresumsatz auf mehr als 15 Milliarden US-Dollar angewachsen. Die Fußball-Bundesliga liegt bei etwa vier Milliarden Euro. Seit 1920 gibt es die NFL, in ihrer jetzigen Form seit 1970, am Start sind 32 Teams mit Fans auf dem gesamten Planeten. Der Super Bowl, das Finale der Saison, gilt als größtes Einzelsportereignis der Welt, jedes Jahr schauen hunderte Millionen Menschen zu, in der Pause treten Superstars auf. Mehr geht nicht.

2. Warum spielt die NFL im Ausland?

Das machen die großen US-Ligen schon seit Jahrzehnten. Weil sie in ihren Sportarten – Football, Baseball, Basketball, Eishockey – jeweils die mit Abstand beste Liga der Welt sind, haben sie auch Fans überall. Also reisen die Teams in fremde Länder – um sich bei den bestehenden Fans zu bedanken und neue zu gewinnen. Die NFL ist seit 2005 unterwegs, erst in Mexiko City, danach vor allem in London. Erst im Oktober waren die New York Jets, die Atlanta Falcons, die Miami Dolphins und die Jacksonville Jaguars wieder in London. 

3. Und jetzt will sie London verlassen?

Nein, sie bleibt dort, aber sie will zusätzlich auch in anderen Ländern spielen, und zwar für mehrere Jahre. Die NFL sucht neue Städte, mit denen sie für einen längeren Zeitraum zusammenarbeiten kann. Darum gehe es immer, nicht bloß um ein Spiel: „Wir werden in den Markt investieren, wir wollen das ganze Jahr über etwas machen. Das haben wir schon in London gezeigt, in den Jugendsport und Charity investiert. Wir wollen Präsenz in der Partnerstadt zeigen“, sagte NFL-Chefstrage Chris Halpin, als er dieser Tage mit dem NFL-Europachef Brett Gosper und dem deutschen Ex-Profi Sebastian Vollmer in Deutschland unterwegs war.

Bastian Becker (Mitte) mit NFL-Chefstratege Chris Halpin (rechts) in der MERKUR SPIEL-ARENA. Links im Bild ist Lars Wismer, Director Sports bei D.LIVE. (Foto: Kenny Beele)

4. Warum Deutschland? 

Auch dazu hat Halpin etwas gesagt: „Wir haben hier ein Momentum, die junge Fanbase ist außergewöhnlich. Der nächste Schritt ist es, den Fans ein Spiel zu geben.“ Denn Football boomt in Deutschland. Eine treue Szene gibt es schon seit Jahrzehnten, deutlich größer wurde sie durch die World League, die von 1995 bis 2007 in diversen europäischen Metropolen Teams hatte und später NFL Europe hieß. Und seitdem NFL-Spiele regelmäßig im deutschen Fernsehen übertragen werden, boomt die Liga richtig. Auf Pro 7 schauen mittlerweile jeden Sonntag Millionen zu, viele weitere Fans verfolgen die Spiele im Internet. „Du spürst den Hype“, sagte Sebastian Vollmer. Und nicht zu vergessen: Deutschland ist wirtschaftlich stark und liegt im Herzen Europas.

5. Wann soll gespielt werden?

Die genauen Daten stehen noch nicht fest, auch die Teams noch nicht. Aber es soll schon in der nächsten Saison gespielt werden. 2022 könnte das erste offizielle NFL-Spiel in Deutschland steigen. Offiziell soll das beim nächsten Super Bowl (13. Februar 2022) verkündet werden. 

6. Wer sind die Kandidaten?

Es gibt drei, in alphabetischer Reihenfolge: Düsseldorf, Frankfurt und München. Alle drei haben laut der NFL ideale Voraussetzungen: große Bevölkerung samt Umland, Erfahrungen mit Großevents, moderne Stadien, viele Hotelbetten und internationale Flughäfen. Einen Favoriten benennt die NFL aber nicht, es sei ein Kopf-an-Kopf-Rennen der drei Bewerber.

7. Was sagt die NFL zu Düsseldorf?

Sie ist voll des Lobes. „Großartiges Stadion, große Geschichte. Viele Möglichkeiten im Stadion, das ist wichtig für die NFL. Auch der Flughafen ist nah. Und das [verschließbare Stadion-]Dach ist ein schöner Bonus“, sagte NFL-Europachef Brett Gosper bei seinem Besuch. Bei Chefstratege Chris Halpin hörte sich das ähnlich an, er lobte die Stadt für ihre Infrastruktur, ihre Größe und die „starke Fanbase“, ihre internationalen Verbindungen. Vor allem aber gefällt ihm, dass die Stadt als Partner auftreten und das Projekt gemeinsam stemmen will. 

8. Was sagt die Stadt?

Die will die NFL unbedingt in der Stadt haben, denn auch Düsseldorf würde ungemein von der Football-Show profitieren: „Für uns ist das eine große Chance, Düsseldorf ist verrückt nach Sportevents“, sagte Oberbürgermeister Stephan Keller beim Besuch der NFL-Delegation. „Auch für die Wirtschaft und den Tourismus wäre das eine große Chance.“ Bastian Becker, Head Manager Sports der Sportstadt Düsseldorf und D.LIVE, sah es ähnlich: „Man wäre auf der Landkarte, was den amerikanischen Markt betrifft, und allein beim Super Bowl genannt zu werden, wäre für mehrere hundert Millionen Menschen das erste Mal, dass sie das Wort ,Düsseldorf’ hören. Das wird für die Stadt Tourismus-Effekte und eine wirtschaftliche Bedeutung haben. Auch das Büro der NFL würde dann in der Stadt untergebracht werden.“

Die Düsseldorfer Football-Legende Sebastian Vollmer beim Besuch der NFL-Delegation in der MERKUR SPIEL-ARENA. (Foto: K. Beele)

9. Wie sieht sie ihre Chancen? 

Die NFL lasse sich „wenig in die Karten schauen“, sagte Bastian Becker, aber: „Ich glaube, wir haben den bestmöglichen Eindruck hinterlassen.“ Ein Trumpf sei, dass die Arena „damals mit Football im Hinterkopf geplant und gebaut worden ist“. Viele Räumlichkeiten, der große Innenraum, die Tribünen sind nicht direkt am Spielfeld. Das ist wichtig für Football, die großen Kader brauchen Platz. „Das verschließbare Dach und der beheizbare Innenraum sind zusätzlich große Vorteile – auch wenn man über ein Spiel im Winter sprechen sollte“, sagte Becker. 

10. Welche Verbindung gibt es jetzt schon zwischen Düsseldorf und der NFL?

Die größte ist Sebastian Vollmer, der einst bei den Düsseldorf Panthern mit dem Football begann, dann ans College in die USA ging und nachher acht Jahre bei den New England Patriots spielte. Ganz nebenbei gewann er zweimal den Super Bowl. Auch er war beim Besuch der NFL dabei und sagte: „Der Sport hat mir so viel gegeben, ich will etwas zurückgeben. Ich will den Sport und das Entertainment zu allen Deutschen bringen.“ Nun gibt es wieder einen Düsseldorfer in der NFL: Im Mai wurde Ex-Panther Aaron Donkor von Seattle Seahawks verpflichtet. Aber auch darüber hinaus hat Football seinen Platz in der Stadt: Die Panther gibt es bereits seit 1979, sie sind der älteste Football-Verein Europas. Zudem gibt es die Bulldozers, die Typhoons. Und nicht zu vergessen: Rhein Fire. Schon früher lockte das Team im Schnitt 25.000 Fans an, nun wurde es neu gegründet.

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