Fitness allein genügt nicht – aber sie hilft

Athletiktrainer Andreas Gross hat Fortunas Profis vorbereitet

Immer voran... Foto: Kenny Beele

von Norbert Krings

Eine große Verantwortung trägt in jeder Saisonvorbereitung der Athletiktrainer. Ohne ausreichende Fitness und Kondition seiner Mannschaft kann noch Cheftrainer eine noch so gute Taktik haben. Am Ende zählen vor allem die Körner…

Andreas Gross lacht über die erste Frage, die herausfinden will, ob der Athletiktrainer fitter sein muss als die Spieler, damit er ein Vorbild ist. „Nicht unbedingt“, sagt der 31-Jährige, der selbst einmal sogar mit Matthias Zimmermann in Borussia Mönchgladbachs Regionalliga-Team vor den Ball getreten hat. „Man sollte aber schon vorangehen und jede Übung vormachen können“, sagt er. Der Spieler müsse schon sehen können, worum es geht und worauf es ankommt.

Die Zeiten der Konditions-Bolzer und Schleifer ist vorbei. 1000 Treppenstufen und davon mehrere Durchgänge werden nur noch mit Felix Magath in Verbindung gebracht, im realen Profileben gibt es das schon lange nicht mehr. Am besten trainieren die aktuellen Profis Kondition, wenn sie es gar nicht so richtig mitbekommen. Das Stichwort ist, die Fitness „spielerisch“ zu vermitteln – mit vielen Spielformen unter höherer Belastung.

“Jeder Spieler hat irgendwelche Baustellen”

„Die Trainingsdaten kann ich nach jeder Einheit auslesen. Sie werden per GPS erfasst und gespeichert“, sagt der gebürtige Frankfurter. „Ich bin da sehr optimistisch, dass uns die Trainingsuhren die Daten so vermitteln, dass wir die Belastung ideal und sehr individuell steuern können.“ Das heißt, jeder Spieler wird je nach Fitnessgrad mehr oder weniger belastet, als seine Mitspieler. Und auch die Art der Belastung wird im Athletikbereich der Fortuna sehr individuell gestaltet.

Das „Istbild“, wie Gross den augenblicklichen Fitnesstand bezeichnet, ist bei den Fortunen gut. Die diagnostischen Möglichkeiten, der Laktattest sowie die kardiologischen Daten liefern den Grundstatus eines Spielers. „So hat man natürlich bei jedem Spieler irgendwelche Baustellen, an denen gearbeitet wird, aber das ist bei jedem Profiverein so ähnlich“, sagt Gross.

„Der Reiz muss so gesetzt werden, dass jeder Spieler am ersten Spieltag topfit ist.“ Und dabei soll es derzeit bei allen (nicht verletzten) Profis keinerlei Probleme geben.

Die DFL liefert genaue Daten über jeden Profi

So richtig vergleichen kann man die Spieler untereinander nur eingeschränkt, da es unterschiedliche physische Qualitäten gibt, wie Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und vieles mehr, die bei jedem einzelnen Spieler unterschiedlich ausgeprägt sind. Daher ist es nicht immer leicht, Übungen anzubieten, die allen Spielern gleich viel helfen.

So bekommen einzelne Spieler zwischendurch auch schon mal „Nachhilfe“ mit individuellen Übungen. Bei den längeren Laufeinheiten wurden im Trainingslager ältere Spieler, oder die Profis, die besonders belastet worden waren, früher rausgenommen. „Ich weiß genau, was nach 90 Minuten Bundesliga bei einem Spieler an Werten rauskommen muss.“ Dafür liefert die Deutsche Fußball Liga genügend Daten.

Athletiktrainer Andreas Gross ist optimistisch, dass die Fortuna fit in die Saison geht. Foto: Kenny Beele

Die Athletik hat inzwischen einen anderen Stellenwert, weil das Tempo in den Spielen deutlich höher ist als früher. Die Wissenschaft lieferte so viele Informationen, dass das Training nach und nach umgestellt wurde. Zudem hat sich das Spiel verändert. „Schnelligkeit und Schnellkraft sind die entscheidenden Faktoren, ob ein Stürmer an seinem Gegenspieler vorbeikommt“, sagt Gross, der drei Jahre bei Eintracht Braunschweig in ähnlicher Funktion tätig war. „Die Spitzigkeit auf den ersten Metern ist dann das Qualitätsmerkmal.“

Technische und taktische Defizite sind auch mit bester Fitnes nicht auszugleichen

Bei den Spielern ist ein großes Interesse da, über den eigenen Fitnessstand Bescheid zu wissen. Natürlich will auch der Cheftrainer genau Bescheid wissen und spricht mit seinem Athletiktrainer über die Trainingsformen, wobei nicht immer alles umgesetzt werden kann, was sich der Athletik-Trainer vorstellt. „Es gibt ein sehr gutes und enges Kommunikationsverhältnis zwischen mir und dem Cheftrainer.“

Und dennoch stellt dieser nicht nur die elf fittesten Spieler auf. „Der Fußball lebt von der Physis, aber ein guter Fußballer muss nicht der fitteste sein, um gut performen zu können“, erklärt Andreas Gross. „Man kann nicht so fit sein, um technische und taktische Defizite komplett wettzumachen.“

Fortunas Spieler haben im Training viel getan

Der Mythos, dass Krafttraining vieles kaputt macht, sei völlig überholt. Auch dass Fortunas Spieler im Trainingslager zu wenig gemacht hätten, wie der eine oder andere Beobachter festzustellen meinte, war der falsche Eindruck. Zweimal täglich Training, die Anfahrt mit dem Fahrrad bergauf und bergab waren sichtbar.

Für die 40 Minuten vorher mit Athletik-, Kraft- und Gymnastik-Übungen am Hotel und das Arbeiten nach der Rückkehr entzog sich den öffentlichen Blicken, genauso wie die wertvolle Arbeit der Physios. Und ähnlich ging es auch in den letzten beiden Wochen vor der Zweitliga-Premiere weiter.

Andreas Gross macht nicht nur den Eindruck, er weiß wohl auch genau, worauf es ankommt. Die Fitness stimmt also, jetzt liegt es an den Spielern, ihre Fitness-Werte auf den Platz zu bringen…

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