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Fortunas Bankrott-Erklärung in Rostock

Preußer-Elf spielt lethargisch und verliert hochverdient 1:2

Immer einen Schritt zu spät. Foto: Christof Wolff

von Norbert Krings

Fortuna Düsseldorf enttäuschte bitterlich in Rostock und hat an der Ostsee hochverdient mit 1:2 gegen einen leidenschaftlich kämpfenden Gegner verloren. Nur Torwart Florian Kastenmeier verhinderte eine deutlich höhere Niederlage.

Christian Preußer hatte sich für eine Startaufstellung entschieden, die sich auf vier Positionen von der des Pokalspiels in Hannover unterschied. Tim Oberdorf, Felix Klaus, Ao Tanaka und Robert Bozenik saßen auf der Bank, während Abwehrschef Andre Hoffmann zurückkehrte und der Defensive der Gäste diesmal mehr Halt geben sollte. Kuba Piotrowski wurde für seine gute Leistung im Pokalspiel belohnt, Kristoffer Peterson durfte wieder links vorne anfangen, und Rouwen Hennings kehrte auf seine angestammte Position in der Sturmmitte zurück.

Trotz einer Massierung des Mittelfeld wollte Fortunas Trainer seiner Mannschaft deutlich offensiver sehen als in Hannover unter der Woche. Daher sollte auch von Beginn an ein scharfes Pressing gespielt werden, um den Gegner nicht ins Spiel kommen zu lassen. Rostocks Trainer Jens Härtel hatte ebenfalls sein Team auf vier Positionen gegenüber dem Pokalspiel geändert, aus dem die Hanseaten als Sieger in Regensburg nach Elfmeterschießen hervorgegangen waren. Auf den Effekt der Müdigkeit nach einer anstrengenden Pokalnacht setzte Fortuna jedenfalls nicht in erster Linie.

Behrens bestraft das schwache Spiel der Fortuna mit dem 1:0 für Hansa

Doch zunächst übernahm eindeutig der FC Hansa das Komando, und die Fortunen wirkten zunächst beeindruckt vom Druck der Gastgeber, die mit dem gezielten Schuss von Nik Omladic aus der Drehung die erste Möglichkeit hatten. Im Nachfassen bekam Florian Kastenmeier den Ball aber unter Kontrolle. Die fehlte dem Spiel der Gäste in der Anfangsviertelstunde. Die Ball kam sofort wieder zurück, weil das Spielgerät von Fortuna eben nicht kontrolliert werden konnte.

Beide Flügelspieler wurden wieder sehr genau und eng vom Gegener bewacht, so dass sich die Fortuna nur mit längeren Schlägen kurzzeitig befreien konnte. Und erneut musste Kastenmeier per Fußabwehr retten, als Behrens über rechts in den Strafraum eindrang und aus guter Position zum Abschluss kam. Die bis dahin überaus fahrige und schwache Vorstellung der Fortuna wurde dann auch durch Hanno Behrens in der 20. Minute bestraft.

Hier stemmt sich Christoph Klarer mal energisch gegen einen Rostocker im Kopfball-Duell. Foto: Wolff

Christoph Klarer und Matthias Zimmermann brachten es beim Pressing des Gegners nicht fertig, den Ball nach vorne zu schlagen. Behrens kam an den Ball, lief noch ein paar Meter von der linken Seite nach innen und schloss dann mit einem beherzten Rechtsschuss aus 18 Metern in die rechte Torecke zur 1:0-Führung ab. Wieder ein Fehler, wieder ein Rückstand – und das hatte sich eine lethargisch spielende Fortuna selbst eingebrockt. Und es wurde nicht besser. Zwei Minuten später musste Kastenmeier alles aufbieten, um einen Ball von John Verhoek aus nächster Nähe noch abzuwehren.

Preußer-Team darf froh sein, nur mit 0:1 zurückzuliegen

Es war nicht leicht, die schwache Leistung von Hannover noch zu überbieten. Aber das Preußer-Team schaffte das in der ersten 25 Minuten. Ein Armutszeugnis bis dahin, und das einzig Positive war in dieser Phase, dass es nur 0:1 aus Sicht der Düsseldorfer hieß.

Nach vorne lief nichts, weil es alles viel zu langsam passierte. Mehr als ein Alibi-Aubau mit dem Spiel von links nach rechts und zurück war nicht zu sehen. Kein Offensiv-Zweikampf wurde gewonnen, kein guter Pass auf den Flügel oder in die Spitze war zu sehen. Der einzige Abschluss war ein Schussversuch von Petersen, der eher eine Rückgabe ähnlich war. Zudem war von Pressing und Offensivmut weniger als nichts zu sehen.

Christian Preußer muste in der Pause reagieren. Allerdings konnte es nicht schlechter werden. Das dachte sich Fortunas Trainer wohl auch und schickte die Elf unverändert aufs Feld zurück. Die Einstellung sollte allerdings eine andere sein, denn es war wohl etwas lauter in der Kabine geworden. Einsatz und Stellungsspiel passten nun besser, die Rostocker kamen die ersten acht Minuten der zweiten Hälfte nicht in Fortunas Straraum. Dann aber musste Kastenmeier erneut gegen Streli Mamba eine starke Parade auspacken, um das 0:2 zu verhindern.

Und dann kam tatsächlich die Bestrafung für die Rostocker für ihren fahrlässigen Umgang mit ihren Möglichkeiten. Marcel Sobottka – völlig frei und unbedrängt – spielte Narey im Strafraum an. Der drehte sich und nutzte ebenfalls seine Freiheiten, um zum 1:1 (57.) einzuschießen.

Das Spiel bekam einen anderen Charakter, die Fortuna war nicht plötzlich viel besser geworden. Aber die Spielweise der Gäste war zumindest energischer und intensiver. Trotzdem hatte der Gegner weiterhin die besseren Chancen – wie beim Schuss von Omladic (69.) aus zwölf Metern. Und dann geriet die Fortuna doch wieder in Rückstand, als Hansa in der 71. Minute nach Videobeweis einen Handelfmeter zugesprochen erhielt. Sobottka hatte im Zweikampf mit Verhoek den Ball an die Hand bekommen.

Bentley Bahn verwandelte zur erneuten Führung der Rostocker. Diesmal war es eher eine unglückliche Situation, als eine Folge aus einem Fehler. Preußer reagierte nun auch personell und brachte in Robert Bozenik einen weiteren Stürmer. Doch es wurde wieder schlechter, es kam in der restlichen Spielzeit zu keiner Torgelegenheit mehr gegen die leidenschaftlich kämpfenden Rostocker, die den Ball weit vom eigenen Tor entfernt hielten. Es passte einfach nicht bei den Gästen, die auch in der Schlussphase keinerlei Druck erzeugen konnten. Die bittere Niederlage war nicht mehr zu verhindern und von niemandem schönzureden.

Statistik:
Rostock: Kolke – Meißner, Fröde, Roßbach – Neidhardt (74., Riedel), Rhein, Rizutto – Omladic (83. Breier), Behrens (62. Bahn), Mamba (62. Schumacher) – Verhoek (83. Malone)
Fortuna: Kastenmeier – Zimmermann, Klarer, Hoffmann, Hartherz – Sobottka (75. Tanaka), Bodzek (88. Oberdorf) – Narey (88. Lobinger), Piotrowski (75. Bozenik), Peterson (67. Klaus) – Hennings
Kader Fortuna: Wolf – Nedelcu, Koutris, Oberdorf, Lobinger
Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)
Zuschauer: 25.000
Tore: 1:0 (20.) Behrens, 1:1 (57.) Narey, 2:1 (73.) Bahn
Gelbe Karten: Behrens / Sobottka
Beste Spieler: Omladic, Neidhardt / Kastenmeier, Narey
Spielnote: 3,5
Spielfazit: Fortuna hatte Glück, dass die Mannschaft nach 45 Minuten nicht deutlicher zurücklag. Der zwischenzeitliche Ausgleich ließ auf Besserung hoffen. Doch eine leidenschaftliche Leistung sieht ganz anders aus. So war das 1:2 und die folgende Niederlage auch eine logische Folge.
Fortunas Formkurve: Beim Preußer-Team war in der ersten Hälfte überhaupt nichts von Form zu sehen – nur die Reaktion auf das Spiel des Gegners, und die kam dann meist zu spät. Es war das schwächste Saisonspiel der Fortuna.

Reaktionen:
„Das war erschreckend, was wir da abgeliefert haben. Wenn du in Rostock aufläufst, weißt du genau, was dich erwartet. Wenn du nicht dagegenhälst, dann kommt genau das, was wir hier erlebt haben.“
Andre Hoffmann, Abwehrspieler der Fortuna

„Ich kann mir diese Leistungsschwankungen meiner Mannschaft erst einmal nicht erklären. Vor einer Woche haben wir noch mit einer Intensität gespielt, die auch heute nötig gewesen wäre. Schlimm, dass wir nicht einmal in der Schlussphase Druck aufbauen und Möglichkeiten herausspielen konnten. Das war sehr enttäuschend.“
Christian Preußer, Trainer von Fortuna Düsseldorf

„Die Enttäuschung ist groß. Wir haben in der ersten Hälfte ein ganz schlechtes Spiel gemacht. Dann kommen wir aus der Pause und machen das 1:1. Und in der guten Phase kassieren wir das 1:2 und laufen wieder hinterher.“
Matthias Zimmermann, Fortunas Abwehrspieler

„Wir haben das Spiel hochverdient gewonnen, weil wir aus den Fehlern vom letzten Wochenende beim 0:4 auf St. Pauli gelernt haben.“
Jens Härtel, Trainer von Hansa Rostock

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