„Für den Klub gibt es keine Grenzen“

Andrius Mikutis von den ART Giants vor dem Start der Basketball-Saison

Foto: Kenny Beele

von Bernd Schwickerath

Am Samstag beginnt die Basketballsaison für die ART Giants Düsseldorf in der ProB, der dritten Liga. Los geht es im Comenius-Gymnasium (Lütticher Straße 34) um 19 Uhr gegen den SC Rist Wedel. Das wird gleichzeitig das erste Pflichtspiel im neuen Klub für Andrius Mikutis. Im Interview spricht der erfahrene Litauer über seine Rolle im Team, seine Zeit in Österreich und den USA und womit es mit den ART Giants hingehen kann.

Herr Mikutis, hätten Sie gedacht, mit gerade mal 32 Jahre schon Großvater zu sein?

Andrius Mikutis (lacht): Ja, das war ich, bis einer kam, der sogar noch älter ist: Marian Schick, der ist fast 34. Aber ja, es fühlt sich ein wenig so an.

Die ART Giants haben zahlreiche junge Spieler verpflichtet. Haben Sie sich in der Rolle als Ratgeber für die nachrückende Generation schon eingefunden?

Mikutis: Ja, das war von Anfang an der Plan. Ich soll den Jungen helfen, und wir haben ein paar wirklich talentierte Jungs hier. Die stellen viele Fragen, ich versuche sie zu beantworten. Marian und einige andere erfahrene Spieler machen das genauso. Bislang klappt das gut.

Welche Fragen kommen da so? Geht es nur um bestimmte Situationen auf dem Feld oder auch ums Training oder grundsätzliche Themen als Leistungssportler?

Mikutis: Beides. Wir gehen auf dem Feld viele kleine Dinge durch, die sie noch nicht kennen. Da muss man oft in die Details gehen. Aber es geht auch um den Alltag. Ich war ja auch mal in ihrer Situation und habe Fehler gemacht. Jetzt erzähle ich ihnen halt: „Mach das, mach das nicht. Als ich in eurem Alter war, habe ich das und das vielleicht nicht immer erst genug genommen. Macht es besser als ich damals.“ So etwas halt. Aber auch Sachen aus dem normalen Leben.

Warum sind Sie überhaupt zurück nach Deutschland und dann nach Düsseldorf gekommen. In Österreich galten Sie als Publikumsliebling. Warum bewegen Sie sich nun raus aus der Komfortzone?

Mikutis: Österreich war großartig, das war wirklich eine Komfortzone. Aber ich war mit meiner Freundin da, sie ist aus NRW, und wir haben vor dem Wechsel beide gesagt, dass wir danach wieder zurück nach Deutschland kommen, im besten Fall nach Düsseldorf. Als sich dann die Chance ergeben hat, in der Stadt Basketball zu spielen, in der wir ohnehin leben wollen, war das eine einfache Entscheidung.

Was nehmen Sie aus Österreich mit?

Mikutis: Ich habe eine Menge gelernt – in den beiden Jahren wahrscheinlich mehr als in meiner gesamten Karriere zuvor. Ich war bei einem sehr professionellen Klub mit einem sehr professionellen Trainer und habe viele Details über Basketball gelernt. Ich habe viele Sachen plötzlich anders gemacht als vorher. Und ich habe gelernt, das jedes kleine Detail Einfluss auf die Zukunft hat. Ich habe eine ganz neue Intensität erlebt in einem professionellen Umfeld. Das versuche ich nun, den jungen Spielern in Düsseldorf beizubringen. Dass es immer darum geht, das nächste Level zu erreichen. Und dass das nächste Level aber immer anders sein wird. Du musst immer so trainieren und spielen, als würdest du dich auf etwas Größeres vorbereiten.

Generell ist bei den ART Giants gerade viel internationale Erfahrung zu Hause. Sie kommen aus Litauen und waren in den USA und in Österreich, Ihr Trainer Kevin Magdowskip war in Luxemburg und Kolumbien. Inwiefern hilft das dem Team?

Mikutis: Der deutsche Basketball ist auf einem guten Weg, hier passiert viel Gutes. Aber natürlich ist es gut, Einflüsse von verschiedenen Ländern zu haben. Wir können das Beste aus anderen Basketball-Kulturen nehmen und uns weiterentwickeln. Das klappt hier in Düsseldorf wirklich gut.

Foto: Kenny Beele

Da fallen einem natürlich zuerst die USA ein, das größte Basketballland der Welt. Wie war es, dort zu spielen?

Mikutis: Ich habe dort lange gelebt und viel gelernt. Der Basketball war sehr anders dort. Ich muss sagen, dass ich den europäischen Basketball lieber mag.

Das müssen Sie erklären.

Mikutis: Es geht hier viel mehr darum, klug zu spielen. In Amerika geht es eher ums Körperliche und individuelle Qualitäten. Im College geht es darum, so hart wie du kannst zu spielen und so schnell wie du kannst zu laufen. Es geht weniger darum, richtig zu laufen. Als ich zurück nach Europa kam, war das erfrischend, wieder die klugen Lösungen zu suchen. Aber ich möchte hier nicht schlecht über den US-Basketball reden, denn natürlich ist er der beste der Welt. Ich habe auch da viel gelernt. Wichtig ist, aus allen Einflüssen auf deinen Stationen ein großes Bild zu zeichnen.

Wie sieht ihr erstes Bild vom Düsseldorfer Basketball aus?

Mikutis: Ich kann nur Gutes sagen. Ich habe den Klub ja schon länger beobachtet, weil ich immer hier hin wollte. Also habe ich im Vorfeld mit einigen Leuten aus dem Klub gesprochen, alle haben mir gesagt, dass er sich konstant in die richtige Richtung entwickelt. Das sehe ich jetzt, ich bin sogar positiv überrascht. Wir reden viel darüber, wie wir besser werden und uns weiterentwickeln können. Das ist aufregend, ein Teil davon zu sein. Für den Klub gibt es keine Grenzen, aber natürlich wird das alles seine Zeit brauchen.

Und das Team?

Mikutis: Auch großartig. Ich habe definitiv die richtige Entscheidung getroffen. Es hat zwar etwas gedauert, bis wir das Team zusammenhatten, die aktuelle Saison ist nun mal eine Herausforderung für alle Beteiligten. Schon die Vorbereitung war kompliziert, niemand wusste, was passieren wird. Also waren wir anfangs gar nicht sicher, wie das Team aussehen wird. Aber seit einigen Wochen sind wir komplett, und ich bin wirklich beeindruckt. Ich mag die Jungs und wie alles zusammenpasst.

Wo kann es hingehen?

Mikutis: Das ist schwer, weil die Saison ja so anders ist als sonst. Niemand weiß, was passieren wird. Niemand weiß wirklich, wie es um die anderen steht. Auch die Vorbereitung war merkwürdig. Manche Teams haben viel gespielt, manche weniger. Manche haben ihren Kader erst seit einigen Wochen beisammen, andere schon länger. Aber fest steht: Wir müssen im Vergleich zum letzten Jahr einen großen Schritt nach vorne machen. Die Play-offs sind das absolutes Minimum. Und wenn wir einmal drin sind, kann alles passieren. Es gibt kein einziges Team, gegen das wir im Vorfeld sagen, wir sind chancenlos. Wir werden für alle ein harter Gegner sein. Und wir wollen jedes Team mindestens einmal schlagen, vielleicht auch zweimal. Das ist der Plan.

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