Gräve und Oruz – mit Spaß und Klasse zum Titel

Im Doppel-Interview verraten die beiden DHC-Damen ihr Erfolgsgeheimnis

Foto: Kenny Beele

von Norbert Krings

Doppel-Interview: Noch ist es ein weiter Weg. Aber Elisa Gräve und Selin Oruz haben den Titel des Deutschen Hallenhockey-Meisters bei den Damen mit dem Düsseldorfer HC fest im Blick. Wir haben die beiden Nationalspielerinnen gefragt, warum sie so gut harmonieren und wieso Selin Oruz inzwischen zu einer Torjägerin geworden ist.

Warum sind Sie und der Düsseldorfer HC derzeit so erfolgreich?
Elisa Gräve: Wir haben eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerinnen. Ich glaube, dass es durch unsere hohe individuelle Qualität einfach ist, gutes Hockey zu spielen. Da wir auch noch so gut harmonieren und es Spaß macht, mit jeder Einzelnen zusammenzuspielen, – also egal wie die Aufstellung des Teams ist – sind wir so erfolgreich. Zudem können wir uns auf jeden Gegner sehr gut einstellen und diesen vor Probleme stellen.
Selin Oruz: Da gibt es viele Faktoren. Wir sind in der Gruppen-Konstellation schon einige Jahre zusammen, das erkennt man in der Halle auch sehr gut. Man kennt sich lange, und was ich für wichtig halte und als großen Moment ansehe: wir haben ein junges, strebsames und sehr ehrgeiziges Team, das aber gleichzeitig den Spaß nicht dabei vergisst. Diese Lockerheit zeichnet uns aus, und der Spaß ist letztlich das Erfolgsgeheimnis. Überraschend habe ich als eigentliche Abwehrspielerin Torjägerqualitäten entdeckt (sie lacht). Man merkt, dass ich noch nicht richtig weiß, wie ich jubeln muss.

Was zeichnet das Duo Gräve/Oruz aus, das derzeit so großartig harmoniert?

Elisa Gräve spielt ihre Geschwindigkeit aus. Foto: Kenny Beele


Gräve: Es besteht zwischen uns eine extrem gute Kommunikation auf und neben dem Platz. Immer wieder wird der Partner gesucht und man versucht, immer wieder ein Auge auf und für sie sie zu haben. Und wenn was nicht läuft, können wir uns auch sagen, wie wir das ändern können. Das macht uns aus, auch die Kreativität und der Spaß, dann auch mal mit dem Gegner zu spielen und Tore zu erzielen. Wir kennen uns ja auch schon Jahre. Das ist irgendwie drin.
Oruz: Schön, dass wir so zusammenspielen können. Es macht Spaß mit der lieben Elli. Wir haben ja auch die Entwicklung des DHC mitbekommen, Elli als Urgestein, und ich bin schon in der 2. Liga dazugekommen. Es ist im Hockey ein Riesenvorteil, wenn man sich kennt. Wir sind beide sehr uneigennützig, wir tauschen uns gut aus, und für mich ist das sehr wertvoll. Es ist gut, wenn man weiß, was der andere in der nächsten Situation tut. Ich sage als Abwehrspieler oft, stimmt Euch da vorne doch besser ab. Jetzt weiß ich, was das heißt.

Was hätten Sie an Eigenschaften von der jeweils anderen?
Gräve: Was ich auf jeden Fall sportlich gebrauchen kann, ist die Defensivarbeit von Selin, das tiefe Brett auf jeden Fall. Wenn ich auf Ihrer Position spielen würde, hätte ich gerne diesen offensiven Drang. Und das Abgezockte würde ich mir auch wünschen.
Oruz: Ach wie süß von Dir, Elli. Von ihr möchte ich ganz viele Sachen haben, die ich vielleicht als Sechser nicht so sehr brauche. Aber ihre Schnelligkeit würde ich als erstes sagen. Sie ist immer pfeilschnell unterwegs. Sie ist eine Rakete, das hätte ich gerne. In ihren Entscheidungen ist sie sehr klar, und ihr Durchsetzungsvermögen imponiert mir auch. Es ist gut, dass ich Elli in der Mannschaft habe.

Selin Oruz darf in dieser Hallenhockey-Saison in der Offensive ran. Foto: Kenny Beele

Wie bringt man wie Sie beide Studium, Famlie und Freunde sowie den Hochleistungssport alles unter einen Hut und dann noch so erfolgreich?
Gräve: Ich bin fertig mit dem Studium (Psychologie) und bereite mich auf die Doktorarbeit vor. Ich glaube, das was Selin und mich verbindet, ist die gute Einteilung der zur Verfügung stehenden Zeit. Und wenn wir dann sagen, das ist unsere Lernzeit, dann können wir uns sehr gut konzentrieren, um effizient arbeiten zu können. Ich brauche das aber auch, um Abstand vom Sport zu gewinnen. Man sollte eben nicht den ganzen Tag über Hockey nachdenken. Aber Nico (Trainer Sussenburger. Anm. der Redaktion) kann beruhigt sein, ich werden noch ein paar Jahre Hockey spielen.
Oruz: Das ist eine häufig von Nachwuchsspielern gestellte Frage. Da kann ich nur die gleichen Floskeln wie Struktur, Disziplin, Organisation und Zeit-Management nennen, die wichtig sind. Dinge anzunehmen, wie sie kommen und robust sein, gehört auch dazu. Ich brauche auch die Beschäftigung und fange bald mit dem PJ an (Arzt im Praktikum).

Was ist in dieser Hallen-Saison für Ihre Mannschaft des DHC möglich?
Gräve: Es ist alles möglich, müssen uns aber erst einmal auf das Viertelfinale konzentrieren und dann im Final Four alles reinhauen, was wir haben. Wir wollen Deutscher Meister werden, das ist unser Ziel.
Oruz: Ich hoffe doch Großes. Wir hatten noch nie eine so entspannte Vorrunde. Das war schon fast erschreckend. Man muss jetzt aufpassen, dass es plötzlich nicht mehr so läuft. Wir haben aber die Qualität. So ein Deutscher Meister in der Halle, das wäre eine schöne Geschichte. Es ist unser Anspruch mit dem Kader und es ist ein realistisches Ziel. Letztlich ist es aber auch nur Sport und nicht voraussehbar.

Immer konzentriert und engagiert: Elisa Gräve. Foto: Kenny Beele

Und 2024 geht es dann zusammen nach Paris zu den Olympischen Spielen…?
Gräve: Es war schade, dass es bei mir mit Tokio wegen der Verletzung nicht geklappt hat. Aber es kommen noch neue Chancen. Ärgern über das, was geschehen ist, ergibt keinen Sinn. Ich freue mich auf die nächste Zeit und hoffe natürlich, dass Selin und ich in Paris zusammen auf dem Platz stehen können.
Oruz: Gerade ist die schönste Zeit, und ich habe fest vor, wenn gesundheitlich alles klappt – toi, toi, toi – noch so lange wie möglich zu spielen. Ich würde mich freuen, wenn wir beide auch weiter zusammenspielen können. Ich hoffe, dass wir in Paris dann im Team sein werden. Paris ist in Europa, viele Freunde und die Familie können vorbeikommen. Das ist super. Und mit Elli dort anzutreten, ist ein schönes Bild, das ich mir vorstelle. 

Selin Oruz in Aktion. Foto: Kenny Beele

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