„Ich hatte noch nie so ein professionelles Team“

Profiboxer Timo Rost vor seinem nächsten Kampf

Foto: Norbert Schmidt

Im Dezember stand er noch gegen Felix Sturm im Ring, am 24. April geht es auch schon weiter für den Düsseldorfer Profiboxer Timo Rost. Dann geht es in Wuppertal gegen den Spanier José Miguel Fandiño. Für Rost ein enorm wichtiger Kampf, will er nach seiner ersten Niederlage als Profi doch allen beweisen, dass er es besser kann. Dafür hat er nicht nur den Trainer gewechselt, sondern auch seinen Kampfstil. Ein Interview.

Herr Rost, hat Sie die Niederlage gegen Felix Sturm nachhaltig mitgenommen oder konnten Sie damit umgehen, weil Sie ja auch im Amateurbereich mal verloren haben?

Timo Rost: Es ist schon ein Vorteil, das Gefühl aus dem Amateurbereich zu kennen. Aber ich hatte ohnehin nicht wirklich Zeit, dem Kampf hinterher zu trauern. Kurz danach kam ja unsere Tochter zur Welt, deswegen war der Kopf direkt woanders. Außerdem habe ich eine ganz gute sportpsychologische Einstellung zu Niederlagen und generell zu allem, was im Sport passieren kann, deswegen habe ich das alles gut verkraftet. Danach ging es direkt darum, besser zu werden. Das war schon bei den Amateuren so: Aus Niederlagen lernt man mehr als aus Siegen.

Was haben Sie konkret aus der Niederlage gegen Sturm gelernt?

Rost: Einerseits das Organisatorische um den Kampf herum, andererseits, dass ich mehr an meiner Explosivität und Aggressivität arbeiten muss.

Sie haben danach erneut den Trainer gewechselt, obwohl Sie erst einige Monate zuvor zu Walter Broll zurückgekehrt waren. Damals waren Sie sehr euphorisch, wie sieht das jetzt unter Bekim Hoxhoj aus?

Rost: Ich bin sogar noch euphorischer (lacht). Der Grund für den Wechsel war vor allem, dass jetzt eben das Kind da und Leverkusen für mich von zu Hause aus deutlich näher ist. Und bei „No Limit Boxing“ habe ich quasi vier Trainer: einen Cheftrainer und drei andere, die einzelne Rollen übernommen haben. Der Athletiktrainer kommt aus den USA, war ursprünglich für Basketball nach Deutschland gekommen. Dann gibt es dort den Manfred Gebauer, ein richtiger DDR-Trainer, wie er im Buche steht. Sein Motto: Wenn du nicht mehr kannst, machst du trotzdem weiter (lacht). Dann gibt es den Kalle, der ist Cutman, macht Bandagen und alles mögliche. Und Bekim ist natürlich der Chef, der alles im Zaum hält. Die Kombination ist auf jeden Fall sehr, sehr gut. Ich kann definitiv sagen, dass ich in meiner Laufbahn noch nie so ein professionelles Team hatte.

Das Team bereitet Sie nun auf den nächsten Kampf am 24. April gegen José Miguel Fandiño vor. Viele Boxer holen sich nach Niederlagen erst mal einen Aufbaugegner, Sie kämpfen gegen einen starken Spanier. Warum?

Rost: Weil ich einerseits keine Zeit zu verlieren habe, und weil ich andererseits genau diese Aufbaukämpfe verachte. Wenn man die finanziellen und organisatorischen Möglichkeit hat, sich einen anspruchsvollen Gegner zu holen, dann muss man das auch machen. Ohne einen Gegner, der einem alles abverlangen kann, kann man eben auch nicht sehen, ob man Fortschritte macht oder nicht.

Was ist also von dem Kampf zu erwarten?

Rost: Das wird ein attraktiver Kampf, weil der Gegner einen aggressiven Stil hat, der geht viel nach vorne, viel in der Doppeldeckung und versucht dann halt, explosiv reinzuhauen. Das ist genau das Ding, das wir gerade verändern wollen. Eben auch einen aggressiveren Kampfstil zu etablieren. Von daher wird das ein attraktiver Kampf, der viel Action verspricht.

Bei allem Respekt, Sie sind jetzt nicht mehr Anfang 20. Ist es so einfach, mitten in der Karriere noch mal grundlegend den Stil zu ändern?

Rost: Einfach ist das nicht, es ist sehr viel Arbeit. Ich fühle mich beim Training manchmal wie ein Anfänger. Mittlerweile geht es aber, weil wir die ersten Fortschritte sehen und ich das, was im Training passiert, auch im Sparring umsetzen kann. Aber deswegen brauchen wir ja jetzt diesen Kampf. Da müssen wir sehen, dass wir weiter nach vorne kommen, dass eine Veränderung da ist. An dem Tag wird sich zeigen, ob die Idee funktioniert. Es ist schwer, aber es ist machbar.

Wie geht es danach weiter? Ihr Ziel ist ja nach wie vor, unter die Top-20 der Welt zu kommen. Oder haben Sie das nach einer Niederlage schon aufgegeben?

Rost: Nein, nein, auf gar keinen Fall. Deswegen holen wir uns ja so einen Gegner wie Fandiño. Der bringt mir einerseits sportlich etwas, andererseits bringt er mich auch in der Rangliste nach vorne, wenn wir das Ding gewinnen. Und danach geht es direkt weiter mit der Vorbereitung für den nächsten Kampf. Ich habe maximal eine Woche Pause. Die genauen Daten erfahre ich aber erst nach dem Kampf, weil ich gerade den Fokus auf dem 24. April haben muss.

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