Neuaufbau in schwierigen Zeiten

Handball: SFD 75 sucht Spielerinnen und Trainer

Foto: SFD

von Bernd Schwickerath

Nach drei Spielen standen die Handballerinnen des SFD 75 an der Tabellenspitze – doch dann wurde die Saison abgebrochen. Kürzlich der nächste Schock: Der Trainer starb nach schwerer Krankheit. Jetzt geht es an den Neuaufbau. Dafür braucht der SFD nicht nur einen neuen Coach, sondern auch Spielerinnen.

Seit Donnerstag steht das Telefon von Adrian Janus nicht mehr still. Ob Spielerinnen und Spieler oder deren Eltern – sie alle wollen wissen, wann beim SFD 75 wieder Handball gespielt und trainiert werden kann. Die Öffnungspläne der Politik haben Hoffnung gemacht.

Noch ist nicht abzusehen, ab wann wieder offiziell um Punkte und Tabellenplätze gestritten werden darf, die aktuelle Saison wurde bereits vor Monaten abgebrochen, die neue lässt noch auf sich warten. Aber Janus, seines Zeichens Abteilungsleiter der SFD-Handballer, hofft, dass sich die Teams bald zumindest wieder unter freiem Himmel treffen können.

„Die neuen Bestimmungen sind endlich ein kleiner Lichtblick“, sagt der 35-Jährige. „Sobald es heißt, dass sich zehn Leute im Freien treffen dürfen, ist es unser Ziel, dass sich dann auch wirklich zehn Leute zum Outdoor-Training treffen. Das wird dann kein klassisches Handballtraining mit Zweikämpfen, aber man braucht ja eine gewisse Grundkondition. Und die wollen wir gemeinsam aufbauen.“

Trainer Olaf Eich nach schwerer Krankheit gestorben

Vor ähnlichen Problemen stehen seit Monaten tausende Sportvereine, beim SFD 75 kommt allerdings noch etwas anderes hinzu: Der Klub muss erst mal dafür sorgen, dass sein Flaggschiff, das Damen-Team, wieder in Schwung kommt. Erstens fehlen nach einigen Abgängen Spielerinnen, zweitens gibt es aktuell keinen Trainer. „Am heutigen Sonntagvormittag ereilte uns eine sehr traurige Nachricht“, schrieb der Klub vor einigen Wochen auf Facebook. „Unser Trainer Olaf Eich ist am vergangenen Freitagnachmittag nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Für die ersten Damen und den Verein ist diese Nachricht ein großer Schock, den wir erst einmal verdauen müssen.“

Adrian Janus.

Das gilt vor allem für die menschliche Seite. Olaf Eich war zwar erst seit einigen Monaten im Klub, aber er war den Menschen schon ans Herz gewachsen. Weil er einen für Amateursportverhältnisse beeindruckenden Einsatz gezeigt hatte. Mehrmals in der Woche war er aus dem knapp 75 Kilometer entfernten Dorsten in den Düsseldorfer Süden gekommen. Und das, obwohl er nach mehreren Abgängen ein neues Team aufbauen musste. Das wäre schon in einem Jahr ohne Pandemie nicht einfach gewesen. „Wir sind ihm unendlich dankbar für sein Engagement“, sagt Adrian Janus.

Auch sportlich machte sich Eichs Expertise bemerkbar. Trotz der kurzen Zeit der Eingewöhnung stand der SFD mit drei Siegen aus drei Spielen an der Spitze der Bezirksliga. „Olaf hat eine richtige Einheit geformt, das hat wunderbar funktioniert. Und ich bin fest davon überzeugt, dass mit dem Kader der Aufstieg möglich gewesen wäre“, sagt Janus.

Immer mehr Kinder und Jugendliche im Verein

Nun wollen sie beim SFD, der seine Heimspiele in Benrath austrägt, etwas Neues aufbauen. Und die Voraussetzungen sind gar nicht schlecht. Immer mehr Kinder und Jugendliche sind in den vergangenen Jahren dazugekommen, bald könnten erstmals seit Jahren alle Altersklassen im Nachwuchs besetzt sein, hinzu kommen zwei Herren- und eben das Damen-Team. Knapp 200 Handballer spielen mittlerweile im SFD.

Das Aushängeschild ist seit jeder das Frauen-Team. Und das soll möglichst bald wieder in die Landesliga aufsteigen. Dort, wo es früher Stammgast war. Auch schon in Garath. Dort kommt die Abteilung eigentlich her, aber weil es finanzielle Probleme gab, verließen die Handballer vor acht Jahren den Garather SV und wechselten geschlossen zum SFD 75, um dessen alte Handballabteilung wieder neu zu gründen.

Seitdem hat die sich gut entwickelt. Zwar verstehen sich die Mitglieder als Breitensportler, aber sie sind durchaus ambitioniert. Und vor allem schätzen sie die familiäre Atmosphäre. Die aufrechtzuerhalten, ist in Corona-Zeiten natürlich besonders schwer, aber sie haben sich was überlegt. Neben den üblichen Trainingseinheiten übers Internet gab es auch regelmäßig „Zoom-Bier-Einheiten“, wie es Abteilungsleiter Janus lachend nennt. Quasi ein virtueller Stammtisch, wo sich die Spielerinnen und Spieler auch über Themen jenseits des Handballs austauschen.

Jugend soll Unterbau für Damen- und Herren-Teams werden

Die Vernetzung über Mannschaftsgrenzen hinaus soll es bald auch wieder im „echten“ Leben geben. Nicht nur, dass die Erwachsenen beim Kindertraining vorbeikommen und Tipps geben sollen, im Idealfall unterstützen sich die Teams auch an den Spieltagen gegenseitig als Fans. Und wenn alles klappt, ist der Übergang zwischen den Mannschaften und Altersklassen fließend.

„Unser Ziel ist es, die Jugend mehr zu fördern, wir wollen unsere Spieler selbst ausbilden“, sagt Janus. Deswegen wurde vergangene Saison eine neue weibliche C-Jugend gegründet. „Da spielen jetzt 13- und 14-Jährige. In drei, vier Jahren könnten die der Unterbau für die ersten Damen sein.“ Noch ist das aber Zukunftsmusik, jetzt geht es erst mal darum, einen neuen Trainer und neue Spielerinnen zu bekommen. Und vor allem darum, sich irgendwann wieder treffen, trainieren und spielen zu können.

Interessierte Handballerinnen und Handballer können sich per E-Mail (handball@sfd.de) oder über die Social-Media-Kanäle des Klubs melden.

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