Offenbarungseid mit Folgen?

Kommentar: Reaktion gegen Heidenheim muss her

Foto: Wolff

von Norbert Krings

Kommentar zur Situation von Fortuna Düsseldorf

Denke ich an Fortuna in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht. Wie im leicht abgewandelten Heine-Zitat machen sich wohl sehr viele Fans des Bundesliga-Absteigers große Sorgen um die Zukunft ihres Lieblingsvereins. Wer das Spiel am Samstag in Hannover gesehen hat, kann das leicht nachempfinden. Denn das war ein mittlerer Offenbarungseid, der Folgen haben muss, wenn sich die Fortuna nicht weiter in unteren Tabellenregionen der 2. Bundesliga bewegen soll.

Nur wenige Tage nach dem Verkünden des Saisonziels, wieder aufsteigen zu wollen, waren Leistung und auch die Einstellung der Mannschaft genau das Gegenteil von dem, was dazu nötig ist, um oben mitzuspielen. Angsthasenfußball wäre noch zu viel gesagt, weil das dort mit Fußball wenig zu tun hatte, sondern eher wie die mißlungene Verbarrikadierung des eigenen Tores wirkte. Trainer Uwe Rösler sprach sogar von einem 45 Minuten lang gut aufgegangenen Matchplan. Hatte er vorher gewusst, dass nach vorne gar nichts laufen würde? Das Signal an seine Mannschaft, mit einer so defensiven Ein- und Aufstellung angetreten zu sein, zeigte auf jeden Fall Wirkung im Spiel. Hinzu kam, dass derzeit mindestens die Hälfte der aufgebotenen Spieler völlig außer Form ist oder nicht zweitligareif erscheint.

Dass solche Leistungen direkt mit dem Verbleib des Trainers in Zusammenhang gebracht werden, ist im Fußball eine unausweichliche Folge.

Und da sich die Bilanz von Uwe Rösler in diesem Jahr sowohl in der Bundesliga, als auch nach fünf Spielen im Unterhaus alles andere als positiv deuten lässt, sind die Reaktionen der Fans nachvollziehbar. Fakt ist allerdings, dass kein Spieler im Aufgebot der Fortuna gegen den Trainer spielt. Der hat allerdings nicht das Glück mit nach Düsseldorf gebracht, was in vielen Schlussphasen von Bundesliga-Spielen deutlich wurde, als seine Mannschaft spät noch Punkte und schließlich auch die Zugehörigkeit zur Bundesliga verspielte. Und die unerklärlich emotionslosen Leistungen in den beiden letzten Spielen vor dem Abstieg gegen Augsburg und in Berlin sind unverzeihlich und werden auch mit Uwe Rösler in Zusammenhang gebracht.

Wofür der Trainer in großen Teilen wenig Verantwortung trägt, ist die Zusammenstellung des Kaders. Erst zu spät hatte Rösler den Kader, so wie er sich jetzt präsentiert, zusammen. Den gewünschten kreativen Mittelfeldspieler hat er zudem nicht bekommen. Die verletzungs- oder krankheitsbedingten Ausfälle von potenziellen Stammspielern wie Andre Hoffmann, Emmanuel Iyoha, Dawid Kownacki, Alfredo Morales, Edgar Prib oder Leonardo Koutris, der bereits angeschlagen verpflichtet wurde, schwächten die Mannschaft ebenso wie undisziplinierte Aussetzer, die zu Platzverweisen oder Elfmetern führten. Und wie sehr die Stimmung in der Arena zum Erfolg der Mannschaft beitragen kann, zeigt sich gerade jetzt in Corona-Zeiten.

Uwe Rösler steht dennoch im Spiel gegen Heidenheim am Freitag ebenso unter Druck wie die gesamte Mannschaft, die ultimativ eine Reaktion zeigen muss. Ob die Verbindung zwischen Fortuna und dem Trainer noch glücklichere Zeiten erleben wird, ist zweifelhaft, weil er das Vertrauen im Umfeld und den Fans wohl verspielt zu haben scheint. Ob aber der Wechsel sowie neue unruhige Zeiten Mannschaft und Verein gut tun werden, darf bezweifelt werden. Wie sehr wünschen sich die Fans einen nachhaltigen Neuaufbau mit jungen Spielern, die Potenzial haben und sich vollständig mit dem Verein identifizieren können. Doch davon ist die Fortuna derzeit ziemlich weit entfernt.

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