Public-Viewing war auch schon mal lustiger

“Wat hamma Spaß gehabt – früher”! So oder ähnlich tönt es aus einigen Flingerner Kneipen, die überdimensionale Fernseher an den Wänden hängen haben und sich gerne und vor allem an z. B. 2006 – das Sommermärchen – erinnern.

Heute noch wird debil gegrinst, wenn die Erinnerungen an so manche alkohogeschwängerte Abende, einschließlich Filmrisse und Nudelholz-Beulen aufpoppen, weil mit Freunden und völlig Unbekannten in übervollen Kneipen – oder Sportsbars – herrlich laut und lustig abgefeiert wurde.

Derzeit, und da sage ich wieder einmal ein Danke du Virus – dich braucht man wie einen Husten, nämlich gar nicht – du bescherst uns Jubeln aus der Distanz, verhinderst freudetrunkene Menschen, die sich in den Armen liegen, wenn Gevatter Müller einnetzt, schaffst es, dass Kellner und Kellnerin viel zu leicht durch die bescheiden gefüllten Stuhlreihen wandeln können, mit viel zu wenig Altbier auf den Tabletts und das ganze auch nur draußen.

Kein ekstatisches Gejohle – was erstmal gegen Equipe Tricolore sicherlich an der mäßigen Torausbeute der Jogi-Kicker liegen mochte, gegen Portugal klang das schon ein wenig heftiger – und vor allem viel zu wenige und zu leise Debatten, Klugscheisserei wollte ich es nicht nennen, der 80 Millionen Bundestrainer, auch, weil man zu wenig nutzbare Sitzmöbel zur Verfügung stellen durfte. Es verlor sich etwas, trotz neuer Regeln, die man irgendwie nicht mehr kapierte.

Die eine oder andere Kneipe, die sich auf 100% Public-Viewing innerhalb ihrer Gastronomie eingestellt hatte, guckte gewaltig in die Röhre, sofern sie nicht ein paar Wände zwischen der Außengastronomie und dem Fernsehraum rustikal weggebaggert hatte, oder kurzerhand aus Wänden Fenster bastelte.

Sind wir mal ehrlich: Wer will schon stehen und in 10 Meter Entfernung dem Treiben via TV durch eine offene Tür auf den Rasen der EM-Standorte zusehen?

Ich will sitzen, mich nicht um die permanente Befüllung meines Glases kümmern, den Fernseher maximal drei Meter entfernt haben und lediglich hochtorkeln müssen, um mal müssen zu müssen.

Dazu brauche ich die Diskutiererei am Tisch und habe auch keineswegs etwas gegen Schulterklopfen und „die nächste Runde geht auf mich“.

So liebe ich das und nicht anders.

Wie seht ihr das?

Na mal abwarten, was es gegen die Magyaren gibt, vielleicht ja dann wieder ein Stück Normalität mehr.

Euer Heiko Sauer

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