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Saisonvorschau 1. Basketballregionalliga

  • Freitag, der 4. September 2015
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Basketball: 1. Regionalliga West: Klasse wohin das Auge blickt

Mit den RheinStars Köln um ihren ambitionierten Geschäftsführer Stephan Baeck ist die vielleicht bestbesetzte Mannschaft der abgelaufenen Saison erwartungsgemäß aufgestiegen. In einem spannenden Vierkampf mit dem UBC Münster, den Elephants Grevenbroich und Schalke 04 Basketball, der zum Ende hin ein Zweikampf mit dem UBC wurde, setzten die Domstädter sich durch und werden in der kommenden Spielzeit aufgrund einer frei gewordenen Lizenz gar zwei Ligen höher in der Pro A antreten.

Ein Qualitätsverlust ist in der Regionalliga West jedoch kaum bemerkbar. Die starke Grevenbroicher Mannschaft konnte ihr polarisierender Headcoach/Manager Hartmut Oehmen fast vollständig zusammenhalten. Sowohl der Pro A-erfahrene US-Amerikaner Davon Roberts, als auch die beiden weiteren Importspieler Dainius Zvinklys und Marko Boksic, sowie eine Reihe von starken deutschen Akteuren wie Nick Larsen, Farid Sadek und Simon Bennett entschieden sich für einen Verbleib in der Schlossstadt. Ergänzt wurde ein ohnehin schon potentes Team durch die beiden „Großen“ Lennard Jördell, im letzten Jahr noch für die RheinStars aus Köln aktiv, und Nicolas Zimmermann. Als in der Vorbereitung bekannt wurde, dass Aufbau Farid Sadek sich erneut einer Knieoperation unterziehen muss, reagierten die Elefanten blitzschnell und verpflichteten den Slowenen Peter Marcic. Wenig überraschend wurde in Grevenbroich aus dem Thema „Aufstieg“ kein Geheimnis gemacht. Schon in der Vergangenheit waren die Dickhäuter trotz der beschaulichen Einwohnerzahl, damals noch unter der Leitung von Raphael Wilder, mehrere Jahre in der zweiten Bundesliga aktiv und das durchaus erfolgreich. Auch in diesem Jahr sind sie sicherlich einer der großen Favoriten auf den Platz an der Sonne.

Die ärgste Konkurrenz stammt wohl auch in diesem Jahr wieder aus Schalke und Münster. Die Königsblauen, die jetzt im zweiten Jahr von Ex-Grevenbroich-Trainer Wilder betreut werden, konnten Leistungsträger wie Center Daniel Boahene, Nino Janoschek und überraschend auch Nikita Kharthchenkov halten. Die Abgänge von den Importspielern Trevin Parks, immerhin Topscorer der Regionalliga West im vergangenen Jahr, und Patrick Carney, sowie dem Scharfschützen Kevin Kern wurden mit Raymond Penn, Rishi Kakadu, Andreas Mikutis und Atanas Penev, letztere wechselten beide vom Ligakonkurrenten BG Torsten nach Schalke, mehr als nur ersetzt. Sowohl in der Spitze als auch in der Breite stehen die Gelsenkirchener den Grevenbroicher in nichts nach.

Wenngleich die Masse an bekannten Namen in Münster nicht ganz so hoch ist, hat die Mannschaft um Headcoach Philipp Kappenstein schon im letzten Jahr ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Mit Konrad Tota, Dallis Johnson, Anselm Hartmann und den Brüdern Jan und Andrej König konnte ebenfalls eine Reihe wichtiger Akteure aus dem Team, welches im letzten Jahr die Vizemeisterschaft feiern durfte, gehalten werden. Kappenstein, im letzten Jahr zum „Trainer des Jahres“ gewählt worden, verstand es mit Akteuren wie Marley Jean-Louis (ALBA Berlin II) und Chris Kunel (Telekom Baskets Bonn II) den Kader sinnvoll zu ergänzen.

Hinter den drei „Großen“ tummelt sich ein Mittelfeld, welches wie schon im letzten Jahr zahlreiche Vereine aufweist, die den Favoriten ein Bein stellen können. Die Giants Düsseldorf zählten in der letzten Saison zur Gruppe der „Spielverderber“, eine Tatsache, die vor allem der UBC Münster durch eine bittere Niederlage im Comenius Gymnasium in Oberkassel zu spüren bekam. Nach dem Abgang zahlreicher erfahrener Akteure steht Headcoach Gerrit Terdenge jedoch erneut vor der ihm bekannten Aufgabe, eine junge, neu formierte Mannschaft durch eine schwierige Regionalliga zu leiten. Wichtig war neben dem Verbleib von Terdenge vor allem die Weiterverpflichtung von US-Center Dijon Smith, der auf seiner Position in die beste Fünf des Jahres gewählt wurde. Erfahrene Kräfte wie Patrick Schiele, Fabian Mroz und Talente wie Joe Koschade und Yannick Mettner blieben den Landeshauptstädtern erhalten, spannende Neuverpflichtungen wie Olegas Legankovas, Joscha Domdey und Lukas Klöß sollen vor allem die Abgänge von Jonas Jönke und Sebastian Kehr (beide jetzt Giants II) ersetzen.

Im Mittelfeld wiederfinden wird sich auch das Lokalrivale ART Düsseldorf. Mit Raed Mostafa, unter anderem für Basketballgrößen wie ALBA Berlin aktiv, US-Center Kendall Chones, der schon erfolgreich in der Pro A auflief, sowie Max Dohmen, Thorben Haake und Sven Schermeng finden sich zahlreiche Akteure mit Erfahrungen auf hohem Niveau im Kader wieder. Einen echten Transferhammer präsentierten sie wenige Wochen vor Saisonstart mit dem Litauer Paulius Kleiza. Der 27-jährige Flügel durchlief in seiner Heimat mehrere Jugendnationalmannschaften und war sowohl in der zweiten als auch in der ersten Liga Litauens aktiv. Mit ihrem erfahrenen Headcoach Robert Shepherd stellen die ART-ler den wohl stärksten der drei Aufsteiger dar.

Viel Erfahrung findet sich auch in Hagen bei der BG wieder. Die Volmestädter, die immer wieder Talenten vom Bundesliga-Partner Phoenix Hagen die Möglichkeit bieten, sich auf gutem Senioren-Niveau erstmalig zu beweisen, konnten eine ebenfalls starke Mannschaft weiter ergänzen. US-Amerikaner und Topscorer Marcus Ligons konnte ebenso gehalten werden wie der Litauer Vitautas Nedzinskas und der Grieche Simos Ioakeimidis, der kurzerhand noch seinen Bruder Thanasis, sowie den Aufbauspieler Haris Plioukas als Ersatz für den abgewanderten Thorne Paulsen nach Hagen locken konnte. Neu im Team von Headcoach Kosta Filippou, der schon seit geraumer Zeit in Hagen an der Seitenlinie steht, ist neben den Talenten Jasper Günther, Timmy Judtka und Alex Kortenbreer auch Center Olaf Rostek, der vom Lokalrivalen und Pro B-Ligisten Iserlohn Kangaroos zur BG wechselte.

Das Konzept „Jugend forscht“ verfolgt seit Jahren auch schon der TV 1864 Salzkotten. Geführt von den Veteranen Daniel Lieneke, Matthias Finke, Daniel Tusek und Felix Wenningkamp finden immer wieder Talente vom Kooperationspartner finke Paderborn Baskets den Weg zu den Sälzern, wie etwa im letzten Jahr Dominik Wolf, der mit 18 Zählern pro Partie der vielleicht beste Youngster der Liga war. Während Wolf nach Paderborn zurückkehrt, erhofft man sich bei den „Sälzern“, dass Akteure wie Lennart Schinke und Mats Kretschmann sich ebenfalls durchsetzen können. Abgerundet wird der Kader durch den US-Amerikaner Darnell Martin Jr., der dem Team von Artur Gazaev die nötige Stabilität liefern soll, um die Klasse zu halten.

Im Mittelfeld wiederfinden werden sich das Regionalliga-Urgestein BSV Wulfen und der Lokalrivale BG Dorsten. Die Wulfener konnten neben ihrem jungen Trainer Maik Berger auch US-Amerikaner Chris Brown, sowie die Leistungsträger Philipp Günther, Thorben Vater und Christian Marquardt an sich binden. Mit Jens Nieswand und den Rückkehrern Jan Letailleur und Tim Gorontzi wurde der Kader zudem gut ergänzt.

Wenngleich die BG Dorsten den Abgang mehrerer Stammkräfte hinnehmen musste, konnten diese dennoch weitestgehend ersetzt werden. Die interessantesten Neuzugänge sind vor allem der Litauer Lukas Kazlauskas, der deutsch-amerikanische Center David Golembiowski, der Bulgare Lyuben Paskov, sowie Steffen Piechotta (wechselte von Schalke nach Dorsten) und Rene Penders (im letzten Jahr noch für den BSV Wulfen aktiv).

Eine der stärksten Mannschaften der breiten Mittelfeldriege stellen wohl die SWAP Ballers Ibbenbüren dar. Neben dem US-Amerikaner Bobby Naubert und dem Niederländer Maikel Post, die die abgewanderten Courtney Berger und Jasper Chiwuzie ersetzen sollen, hat aber vor allem die Verpflichtung von Flavio Stückemann für Aufsehen gesorgt. Der 30-jährige, im letzten Jahr noch für die Eisbären Bremerhaven in der Bundesliga aktiv, kann auf satte 12 Jahre Erfahrung in der ersten und zweiten Liga zurückblicken. Da er sich beruflich nach abgeschlossenem Studium auch ein zweites Standbein aufbauen möchte, lässt er den Basketball kürzer treten, hat mit Ibbenbüren dennoch Ambitionen, die durchaus berechtigt sind. Mit Gene Hagner tritt zudem ein weiterer Zweitliga-erfahrener Akteur zum Kader von Trainer Timo Völkerink hinzu.

Gefährliche Mannschaften sind stets auch die Telekom Baskets Bonn 2, sowie die nicht weit entfernt von ihnen spielenden Sechtem Toros. Die Bonner beschäftigen sich vor allem mit der Ausbildung der Talente für die Erstvertretung in der Bundesliga und überzeugen dabei mit einer aggressiven und intensiven Spielweise und mannschaftlicher Geschlossenheit. Stabilität erhält die Mannschaft auch in diesem Jahr wieder durch einen Akteur aus Übersee, Gerald Beverly. Der Center wird zusätzlich die Möglichkeit erhalten, mit der Bundesligamannschaft zu trainieren und dort bei Verletzungsfällen auch auszuhelfen, sodass seine Qualität für die Regionalliga West nicht zu bestreiten ist.

Etwas anders sieht das Konzept der Toros aus. Mit einer Mischung aus jung und alt, sowie einem gutem Händchen für US-Spieler schafft es Trainer Meik Bassen Jahr für Jahr, eine mehr als konkurrenzfähige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Neben dem Verbleib von Max Brauer und der Verpflichtung von US-Import Timothy Mitchell ist vor allem der Wechsel von Nils Isermann, ein Garant für den Aufstieg der RheinStars Köln in der letzten Saison, ein echter Transfercoup.

Zuletzt sind neben dem ART Düsseldorf auch die Aufsteiger der BBG Herford und SV Hagen Haspe nicht zu verachten. Beide Mannschaften konnten wichtige Teile ihrer Teams halten und sich ebenfalls sinnvoll verstärken. Anders als noch im letzten Jahr dürfte es in dieser Spielzeit somit keine Mannschaft geben, die sicher als Abstiegskandidat feststeht. Vielmehr haben die Testspielergebnisse die Leistungsdichte in der Regionalliga West untermauert. Neben einem spannenden Dreikampf an der Ligaspitze wird es vor allem auf den hinteren Hängen an Dramatik nicht fehlen. Der erste Spieltag, der mit einer mehr als überraschenden Niederlage der Elephants Grevenbroich in Wulfen begann, hat gezeigt, dass es auch an Überraschungen nicht mangeln wird.