„Schön, dass man eins der besten Teams der Welt ärgern kann“

Beachvolleyballer Sven Winter im Interview

Foto: Kenny Beele

von Bernd Schwickerath

Nach Platz zwei bei der Beachliga in Düsseldorf folgte für Sven Winter und Alexander Walkenhorst am Wochenende in Timmendorf der nächste Sprung in die Medaillenränge. Bei der Deutschen Beachvolleyball-Meisterschaft wurden sie Dritte. Und es geht gleich weiter: Nächste Woche steht das größte Turnier des Jahres für das Duo von der DJK Tusa 06 an, die Europameisterschaft im lettischen Jurmala vom 16. bis 20. September. Zwischen den beiden Saisonhöhepunkten sprachen wir mit dem 22-jährigen Sven Winter vom Stockheim-Team über ein außergewöhnliches Beachvolleyball-Jahr.

Herr Winter, ist Platz drei bei der Deutschen Meisterschaft ein versöhnlicher Abschluss dieser schwierigen Saison?

Sven Winter: Der richtige Abschluss ist es noch nicht, wir spielen ja noch die Europameisterschaft, da haben wir noch den großen Höhepunkt vor uns. Aber es stimmt schon, das war eine recht schwierige Saison – für alle Sportler in allen Sportarten. Wir im Beachvolleyball haben zumindest einige Wettkämpfe auf nationalem Niveau spielen können, da können wir uns definitiv glücklich schätzen.

Wäre in Timmendorf noch mehr drin gewesen? Im Halbfinale waren Sie und Alexander Walkenhorst selbst gegen die Vizeweltmeister Julius Thole und Clemens Wickler nicht chancenlos?

Winter: Definitiv nicht, wir haben vor allem im ersten Satz eine richtig gute Partie gespielt. Wir hätten den Satz sogar gewinnen können, haben uns dann aber die Fehler geleistet, die uns das Genick gebrochen haben. Im zweiten konnten wir dann leider nicht mehr an die Leistung anknüpfen. Grundsätzlich aber schön zu sehen, dass man auch eins der besten Teams der Welt ärgern kann. Es war ja von vornherein klar, dass wir im Halbfinale auf sie treffen werden und bei einer Niederlage im besten Fall noch Bronze holen können. Und da haben wir unsere Leistung dann abgeliefert.

Wie bewerten Sie das Turnier insgesamt?

Winter: In den anderen Spielen gegen vermeintlich schlechtere Teams haben wir unsere Stärken gut ausgespielt und waren über weite Strecken stabil. Wir haben uns da keine Blöße gegeben. Von daher war das ein echt ordentliches Turnier.

Was fehlt noch, um ein absolutes Spitzenteam wie Thole/Wickler zu schlagen?

Winter: Auf jeden Fall die Konstanz, die ganze Zeit auf höchstem Niveau zu spielen. Die Genauigkeit im Aufbau, weniger Fehler im Aufschlag. Es sind häufig kleine Dinge, die die Unterschiede ausmachen.

Sie spielen jetzt seit Jahren zusammen…

Winter: …ja, vermeintlich vier, von denen war ich aber ein Jahr verletzt, Alex mal ein halbes Jahr, von daher sind es also nur zweieinhalb.

Die Frage ist, wie viele noch kommen? Alexander Walkenhorst ist zehn Jahre älter als Sie. Ist das Team trotzdem ein Modell für die längere Zukunft oder gucken Sie sich schon nach Alternativen um, mit wem sie in ein, zwei, drei Jahren zusammenspielen?

Winter: Man muss sich immer umgucken, als Beachvolleyballer ist man nun mal Einzelsportler im kleinstmöglichen Team, jeder versucht immer, das Beste für sich rauszuholen. Häufig wird sich immer nach einer Saison Gedanken gemacht, ob das Konstrukt noch Sinn ergibt…

und haben Sie sich die Frage dieses Jahr schon gestellt?

Winter: Wir haben noch keine Gespräche geführt, weil wir die Saison ja noch nicht beendet haben. Wir haben mit der EM noch ein Riesenhighlight vor uns. Da gehören Gespräche davor einfach nicht hin, wir wollen uns auf die EM fokussieren. Die wenigen Belohnungen, die wir uns dieses Jahr erspielen konnten, möchten wir bestmöglich nutzen.

Reden wir über die EM: Ihre Düsseldorfer Vereinskolleginnen Karla Borger und Julia Sude fahren nicht nach Lettland, weil ihnen die Situation zu unsicher ist und sie beispielsweise keine Lust haben, wegen der Corona-Pandemie 14 Tage in Quarantäne zu müssen. Sie schreckt das nicht ab?

Winter: Man muss natürlich sagen, dass die beiden schon einige EMs mehr gespielt haben als wir. Für die macht das jetzt nicht den Unterschied wie für uns. Wir hoffen auch noch – wenn dort Punkte vergeben werden -, dass wir welche holen können. Klar gibt es ein gewisses Risiko, aber das haben die anderen Teams auch. Und gerade in den Zeiten muss man vielleicht auch ein Risiko eingehen. Aber es bleibt ein mulmiges Gefühl, das man nicht zu 100 Prozent kontrollieren kann. Und wenn man Pech hat, muss man da in Quarantäne, das wünscht man natürlich niemandem, ehrlich gesagt am wenigsten einem selbst.

Was ist sportlich drin? Mit welchen Ambitionen fahren sie zur EM?

Winter: Wir sind in unserer Gruppe an Rang drei gesetzt und wollen mindestens ein Gruppenspiel gewinnen, um in die K.o.-Runde einzuziehen. Und dann schauen wir, dass wir möglichst viele Spiele gegen Topteams haben und vielleicht das ein oder andere gewinnen. Aber wir gehen natürlich als klarer Underdog ins Turnier.

Wenn das vorbei ist und Sie blicken auf die Saison zurück: War das für Sie, der viele Spiele braucht, um sich zu entwickeln, ein verlorenes Jahr? Oder ist es doch positiv, weil die Beachvolleyballler es selbst geschafft haben, Turniere auf die Beine zu stellen?

Winter: Ich denke nicht, dass das ein verlorenes Jahr war, weil ich trotzdem viel trainieren konnte, gerade in NRW durften wir ja schon relativ früh trainieren und hatten die Beachliga, die Alex ja mit organisiert hat – und die die Sportstadt und die Partner möglich gemacht haben. Wer als Profisportler trainieren wollte, der konnte das tun. Alex hat darüber hinaus viel für den Sport getan, ich habe mehr trainiert und versucht, mich weiterzuentwickeln. Und ich denke, ich habe dieses Jahr wirklich wieder einen Schritt nach vorne gemacht.

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