Tanzkurz per Livestreams und Videos

Andere Art des Arbeitens im Lockdown

Foto: Thiele

von Piet Keusen

Torsten Thiele betreibt eine Tanzschule mit gleich zwei Standorten in Düsseldorf, die ADTV Tanzschule „absoluttanzbar – Tanzschule Fern“. Der zweite Lockdown trifft den Tanzlehrer hart. Schließlich darf er einen Monat lang nicht öffnen. Aber das ist nicht in ganz Deutschland so.

Herr Thiele, seit Montag sind die Tanzschulen geschlossen. Wie geht es Ihnen?

Torsten Thiele: Nachdem wir uns jetzt zwei Tage lang aufgeregt haben über die Dinge, die ungerechtfertigterweise auf uns zugekommen sind, schauen wir nach vorn. Denn das Wichtigste sind jetzt unsere Kunden, unsere Tänzerinnen und Tänzer, die ja versorgt werden wollen. Was wir in der Tanzschule jetzt nicht mehr bieten können, das bringen wir denen jetzt nach Hause. Wir machen Livestreams und Videos. Wir haben unseren Tanzsaal umgebaut zu einem Ton- und Fernsehstudio mit Beleuchtung. Das ist eine andere Art des Arbeitens, aber darauf fokussieren wir uns jetzt.

Warum empfinden Sie die Schließung als ungerechtfertigt?

Thiele: Es ist ja schließlich nicht erwiesen, wo die hohen Fallzahlen herkommen. Man ahnt ja, dass es eher aus dem privaten Sektor kommt, etwa aus der Altstadt, von Hochzeiten und großen Geburtstagspartys. Aber es ist kein einziger Fall deutschlandweit bekannt, bei dem eine Tanzschule Auslöser eines lokalen Corona-Ausbruchs war. Wir haben von Anfang an alle Hygieneauflagen zu 100 Prozent umgesetzt. Jetzt werden wir bestraft.

Welche Auflagen sind das?

Thiele: Natürlich gilt auch bei uns in allen Räumen eine Maskenpflicht, außer beim direkten Tanzen. Wir haben überall Abstandsmarkierungen, es gibt berührungslose Desinfektionsspender, die Rezeption ist mit Plexiglas umgebaut worden, im Saal gibt es Markierungen auf dem Boden, in denen man sich aufhalten darf, es gibt ein Einbahnstraßensystem. Erst wenn der eine Kurs raus ist, darf der nächste rein. Es gibt ein Kursreservierungstool, in dem sich jede Woche jeder Teilnehmer einträgt, um die Rückverfolgung zu ermöglichen. Außerdem haben wir die Teilnehmerzahlen reduziert. Früher kamen 25 Paare zu einem Tanzkurs, vor dem zweiten Lockdown waren es elf Paare.

Elf Paare sind aber auch 22 Menschen. Damit wärt ihr aber auch ein Ort, an dem sich viele Menschen treffen und nah kommen…

Thiele: Das Gesellige gibt es schon seit dem ersten Lockdown nicht mehr. Die Leute sind angehalten erst fünf Minuten vor dem Kurs da zu sein. Niemand trinkt vor oder nach dem Kurs mehr einen Kaffee oder ein Bier. Das ist alles eingestellt worden. Die Teilnehmer kommen, es gibt keine Garderobe, die Tanzschuhe werden im Saal umgezogenund dann wird getanzt. Nach dem Kurs geht die Hintertür auf, die Leute gehen und wir desinfizieren den Saal. Danach erst kommen die nächsten Tänzer. Von Geselligkeit wie früher kann man im Moment wirklich nicht mehr sprechen. Trotzdem sind unsere Teilnehmer und wir natürlich froh, überhaupt wieder tanzen zu dürfen.

Wie handhaben das andere Bundesländer?

Thiele: Es gibt tatsächlich Bundesländer, die das Tanzen in der Tanzschule erlauben. Sachsen-Anhalt erlaubt es zum Beispiel komplett, dort gehört Tanzschule zum Bildungsangebot, was wir ja faktisch auch ein Stück weit sind. Mecklenburg-Vorpommern erlaubt Tanzen im Kinder- und Jugendbereich. Dort ist das wie in der Schule. Meine persönliche Meinung ist: Wenn ich sehe, wie Kinder auf Schulhöfen oder in Klassenräumen zusammen sitzen, dann ist es unverständlich, warum wir nicht öffnen dürfen. Wir tun hundertmal mehr dafür, dass die Abstände eingehalten werden und unsere Besucher geschützt werden. Warum werden wir bestraft?

Was bedeutet der Lockdown finanziell?

Thiele: Finanzielle Einbußen gab es schon nach dem ersten Lockdown. Die Leute hatten da noch zu uns gehalten und uns auch unterstützt, vor allem die Stammkunden. Deutschlandweit liegen die Einbußen etwa bei 30 Prozent. Uns fehlen aber auch die Veranstaltungen und die Gastronomieumsätze. Die finanziellen Einbußen sind nicht unerheblich.

Wie lange können Sie das noch durchhalten?

Thiele: Im Moment ist der Rückhalt in der Bevölkerung und bei unseren Kunden sehr groß. Viele merken, dass woanders angesetzt werden müsste. Das sehen viele auch so und halten noch zu uns. Ich kann im Moment nicht absehen, wie das nach dem November aussieht oder wenn der Lockdown noch verlängert werden sollte.

Was würden Sie verbieten, was erlauben?

Thiele: Wir müssen was auf jeden Fall etwas tun gegen das Virus. Aber ich finde, wir müssen dort anfangen, wo die Bekämpfung am sinnvollsten und am unschädlichsten ist. Wir müssen Senioren schützen, ältere Menschen, Risikogruppen und die, die sich um solche Menschen kümmern. Wir sollten außerdem das, was an illegalen Sachen abläuft, härter bestrafen. Die Bilder vom Wochenende aus der Altstadt waren ja der Horror. Da muss es hohe Strafen geben, auch wenn illegale Partys gefeiert werden. Aber das ganze auf dem Rücken der Gastronomie auszutragen, das halte ich für unfair.

Wo würden Sie die Grenze ziehen?

Thiele: Da wo ein Hygienekonzept vorhanden ist, das umgesetzt und überprüft werden kann, da sollte man öffnen dürfen. Natürlich kann man überall noch nachbessern. Wir könnten zum Beispiel noch weniger Leute rein lassen. Aber das, was wir tun, was Fitnessstudios oder die Gastronomie tut, das war bisher völlig in Ordnung. Alles in allem gehören wir dadurch nicht zu denjedigen, die ein solches Arbeitsverbot verdient haben.

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