Toptalent mit Führungsqualitäten

Lisa Nolte und die DHC-Damen vor dem Hockeystart

Fotos: Kenny Beele

Am Sonntag startet der Düsseldorfer Hockeyclub in die letzte Saisonphase der Bundesliga. Er tut das erneut mit einem jungen Team voller Talente. Eins davon ist Lisa Nolte, die nicht nur mit dem DHC große Ziele hat, sondern auch mit dem Nationalteam.
 
Fast zwei Jahre ist es mittlerweile her, das Final-Four um die deutsche Feldhockey-Meisterschaft 2019. Aber vergessen hat das Wochenende in Krefeld niemand beim Düsseldorfer Hockeyclub (DHC). Zu schmerzhaft war die Finalniederlage im Shootout gegen den Club an der Alster aus Hamburg, wäre es doch die erste Feldmeisterschaft in der DHC-Geschichte gewesen.
 
Seitdem ist viel passiert – in der Welt und im Hockey. Und das hängt natürlich zusammen, die Meisterschaft 2020 musste ausgesetzt werden, allerdings nicht abgesagt wie in anderen Sportarten. Die Saison geht nun halt über drei Halbjahre. Und das letzte und entscheidende startet jetzt. An diesem Sonntag geht es wieder los für die DHC-Damen, ab 14 Uhr sind sie beim Rüsselsheimer RK gefragt.
 
Vom Papier her eine lösbare Aufgabe. In der Gesamttabelle steht der DHC auf Rang vier, Rüsselsheim ist Neunter. Und so soll es weitergehen. Dann stünde das Team vom Seestern am Ende der Punketrunde im Viertelfinale. Und dann ist ja bekanntlich alles möglich.
 
Gesamtentwicklung hängt nicht an einem Wochenende
 
Bisher hat es nicht zum „ganz großen Wurf gereicht“, sagt Trainer Nico Sussenburger, „aber in unserem System mit dem Final-Four am Ende ist es nun mal so, dass auch Topteams mal straucheln. Wir haben in den letzten fünf Jahren mit die meisten Punkte in der Bundesliga gesammelt, aber ein Tag kann alles zerstören“, weiß der Coach, der deswegen weit davon entfernt ist, alles an Titeln zu messen: „Die Gesamtentwicklung hängt nicht an einem Wochenende. Aber das ist natürlich keine Ausrede, wir wollen es weiter versuchen.“
 
Das tun sie am Seestern mit altbewährtem Muster. Mit jungen Spielerinnen, die entweder direkt aus dem eigenen Verein kommen oder schon als Teenagerinnen verpflichtet werden und sich dann weiterentwickeln. Eine davon ist Lisa Nolte, gerade mal 20 Jahre alt, aber bereits eine der Stützen des Teams. Und seit ein paar Wochen sogar Nationalspielerin.
 
Vor drei Jahren kam die seinerzeit 17-Jährige aus Krefeld nach Düsseldorf. Natürlich wegen der regionalen Nähe zum Elternhaus, „aber ausschlaggebend war auch, dass ich die Entwicklung einer Selin Oruz gesehen habe“, sagt Lisa Nolte. Auch Oruz kam einst aus Krefeld nach Düsseldorf, auch sie entwickelte sich enorm weiter, ist seit Jahren der Kopf des Teams und eine wichtige Stütze in der Nationalmannschaft, 2016 in Rio gewann sie die Olympische Bronzemedaille.
 
Mit 20 Jahren schon eine der Stützen des Teams
 
Oruz war von Beginn an eine wichtige Ratgeberin für Lisa Nolte. „Wir haben vor meinem Wechsel viel geschrieben und uns ausgetauscht. Dann habe ich mal in Düsseldorf trainiert und gesehen, was da selbst im Training für ein krasses Niveau herrscht, danach war der DHC meine einzige Option.“
 
Ganz zur Freude von Nico Sussenburger. Nolte galt schon damals als Ausnahmespielerin, und das hat sich bis heute nicht geändert: „Lisa ist ein Toptalent in ihrem Jahrgang in Deutschland, weil sie weitere Schritte gemacht hat, technisch und taktisch, aber auch was Teamführung angeht. Sie macht Ansagen und hat ein tolles Standing in der Mannschaft – als 20-Jährige“, sagt der Trainer.
 
Wenn Lisa Nolte derartige Lobeshymnen hört, ist sie ein bisschen geschmeichelt. Aber sie hört sie nicht nur gern, sie hat selbst eine Entwicklung festgestellt: „In den ersten Jahren ist man noch zurückhaltend, man sagt nicht so viel, ich bin ohnehin nicht der Typ, der vorprescht. Aber als die Leistung besser wurde, hab ich gemerkt, wie sich meine Rolle verändert hat, auch auf dem Platz. Ich spreche viel mehr.“ Natürlich sei sie erst 20, „aber wir haben generell eine sehr junge Truppe. Da müssen sich auch die Jungen trauen, lauter zu sein und Verantwortung zu übernehmen.“
 
Bei ihr selbst liegt das auch an der Position. „Von Hause aus ist Lisa eigentlich Mittelfeldspielerin, kann nach vorne gehen, hat Kreisqualitäten und kann Tore schießen. Aber sie ist eine sehr komplette Spielerin ohne extreme Schwächen und sehr vielseitig. Sie hat auch schon in der Innenverteidigung gespielt oder lässt sich auch mal in die hintere Reihe fallen und ist variabel im Spielaufbau“, sagt Trainer Sussenburger. Und das bringt eben Verantwortung mit sich: „Durch das Steuern des Spiels muss man viel mehr machen“, hat Nolte festgestellt, „in der Zentrale kann man nicht nur mitschwimmen, man muss Verantwortung übernehmen.“
 
Große Träume: Meisterschaft und Olympia
 
Das möchte die Studentin an der FOM in Düsseldorf (Marketing und digitale Medien) auch in der Nationalmannschaft machen. Nach Jahren mit Titeln und Medaillen in der U18 sowie der U21 wurde sie Ende 2020 auch erstmals für den A-Kader berufen, durfte erste Länderspiele gegen Indien und die Niederlande absolvieren.
 
Träumt sie vielleicht sogar schon den Olympischen Spielen in Tokio (sofern die denn stattfinden)? „Man kann aktuell ja nichts planen, von daher kann ich einfach nur alles geben und hoffen, dass es klappt“, sagt Lisa Nolte, die aber weiß, dass in dieser Phase „noch viele Spielerinnen im Kader sind. Ich freue mich einfach über jede Maßnahme und versuche, jede Erfahrungen mitzunehmen.“ Und selbst wenn es dieses Jahr noch nicht klappen sollte: „Für mich kommen auch die nächsten Olympia-Zyklen infrage.” Das große Ziel heißt Paris 2024.
 
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Jetzt steht erst mal der Ligastart mit dem DHC an. Und auch dafür hat Lisa Nolte ein klares Ziel: „Wir wollen das blaue Dreieck.“ Den Meisterwimpel. „2019 haben wir es in der Halle geschafft, auf dem Feld hat es noch nicht gereicht. Aber ich bin sehr optimistisch, wir haben eine geile Truppe, das Ziel ist der Titel.“

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