Über Düsseldorf in die Handball-Bundesliga

Neun Profis spielten einst in der Sportstadt

Foto: Horstmüller

von Tobias Kemberg

So mancher bestritt den Großteil seiner Jugendzeit bei HSG, ART und/oder Rhein Vikings. Für Andere war es die erste Profi- oder nur eine Durchgangsstation. Doch die Zahl der derzeit in der Handball-Bundesliga aktiven Ex-Düsseldorfer ist beachtlich.

Mit dem Profihandball in Düsseldorf ist das bekanntlich seit vielen Jahren so eine Sache. Die großen Zeiten mit dem Europapokalsieg der TuRU liegen mehr als 30 Jahre zurück, nach dem Abstieg des HSV Düsseldorf im Jahr 1996 erlebte die Stadt nur noch vier weitere Saisons Bundesligahandball der HSG. Zuletzt scheiterte das Projekt HC Rhein Vikings krachend.

Die Begeisterung für den Sport ist trotzdem nach wie vor da. Und wer sich die Kader der HBL-Teams einmal genau ansieht, der findet auch 2020 viele Düsseldorfer Spuren in der Handball-Bundesliga. . .

Patrick Wiencek (THW Kiel)
Der NDR übertitelte ein Portrait des 31-Jährigen im vergangenen Dezember mit „Sanfter Riese und Mann fürs Grobe“. Wer den Nationalspieler einmal live in Aktion erlebt hat, versteht sofort, was damit gemeint ist. Das Filigrane ist nicht gerade die Stärke des sympathischen Kreisläufers – muss es aber auch nicht sein.

Patrick Wiencek kommt inzwischen auf mehr als 140 Länderspiele und wurde 2018 zum Handballer des Jahres gewählt, gewann 2016 mit Deutschland Olympia-Bronze und mit dem THW inzwischen vier Meistertitel. In der Saison 2006/2007 trug der gebürtige Duisburger das Trikot der HSG Düsseldorf und trainierte damals unter Benny Daser. Außerdem sammelte er bei der HSG-Reserve Spielpraxis in der Oberliga. „Das war eine sehr schöne und gute Zeit für mich“, erinnerte sich Wiencek auf der Internetseite „Handball-World“.

Florian von Gruchalla (HC Erlangen)
Von 2006 bis 2011 für die HSG Düsseldorf auf Torejagd ging Florian von Gruchalla, der nun seit 2018 beim HC Erlangen aktiv ist. Der Rechtsaußen rückte im Alter von 17 Jahren in den Bundesligakader auf und spielte an der Seite erfahrener Profis wie Torhüter Almantas Savonis oder Robert Runge.

Der inzwischen 31-Jährige blieb der HSG auch nach dem Abstieg treu und gehörte 2009 zu jenem Team, das die Rückkehr in die Bundesliga feierte. Von Gruchalla stieg ein zweites Mal mit den Düsseldorfern ab, 2011 wechselte er dann zum DHC Rheinland.

Julius Kühn (MT Melsungen)
Wie Patrick Wiencek wurde auch der linke Rückraumspieler in Duisburg geboren. Den Beginn seiner Handballkarriere verbrachte Julius Kühn beim TV Aldekerk, 2008 kam er zur HSG Düsseldorf. In der Saison 2010/11 absolvierte er vier Einsätze in der ersten Mannschaft. In der darauffolgenden Hinrunde wurde Kühn zur festen Größe im Team der HSG, doch im Januar 2012 verließ er den Verein und schloss sich TUSEM Essen an.

Im September 2014 feierte der Zwei-Meter-Mann sein Debüt in der Nationalmannschaft, mittlerweile stehen 62 Länderspiele in seiner Vita. Seit 2017 trägt Kühn das Trikot der MT Melsungen, mit der er immer unter den Top-Sieben der Bundesligatabelle landete.

René Zobel (HBW Balingen-Weilstetten)
Der nächste Rückraumspieler, der nächste gebürtige Duisburger – auch René Zobel war während seiner Jugendzeit in Düsseldorf aktiv. 2010 ging es in der C-Jugend des ART los, bis er 2013 zu TUSEM Essen wechselte. In der Rückrunde 2014/15 kehrte Zobel noch einmal auf Leihbasis zurück, um unter Trainer Jens Sieberger Spielpraxis in der Dritten Liga zu sammeln.

Nach drei Jahren im Ruhrgebiet entschied sich der heute 24-Jährige für Balingen-Weilstetten. Mit dem Klub aus Baden-Württemberg, der 2019 wieder in die Bundesliga zurückkehrte, geht es für Zobel in der neuen Saison um den Klassenverbleib. Im Kader der HBW findet sich übrigens ein weiterer alter Bekannter aus Düsseldorf: Vladimir Bozic stand für den Neusser HV und später für den HC Rhein Vikings im Tor.

Justin Müller (TUSEM Essen)

Foto: Jens Körner


In Düsseldorf zur Schule gegangen und vier Jahre die Jugendabteilung der HSG/ART durchlaufen hat Justin Müller. Der Rückraumspieler debütierte im Alter von 17 Jahren in der Dritten Liga und schaffte hier den Sprung in den Herrenbereich. „Ich bin super dankbar für diese Zeit“, sagte Müller kürzlich im Gespräch mit der Sportstadt Düsseldorf.

2014 folgte der Wechsel zum TV Korschenbroich, seit 2017 ist TUSEM Essen das sportliche Zuhause des 24-Jährigen. Mit dem Traditionsverein geht es nach dem Aufstieg in die Bundesliga nur um den Klassenerhalt – ein Ziel, von dem Müller und seine Mannschaft fest überzeugt sind, es erreichen zu werden.

Laurenz Kluth (TUSEM Essen)
Als Kind musste sich der heute 17-Jährige zwischen dem Handball und der Leichtathletik entscheiden. Bereits in der D-Jugend fiel die Wahl des Düsseldorfers auf den Handballsport. „Es hat mir mehr Spaß gemacht, Teil eines Teams zu sein“, sagte Laurenz Kluth vor einigen Monaten im Interview mit der Sportstadt.

Mit der ART-Jugend wurde der Bruder von Leichtathlet Max Kluth in der D- und C-Jugend Niederrheinmeister. Später durchlief der 1,97 Meter große Jugendnationalspieler den Nachwuchsbereich des HC Rhein Vikings. Nach insgesamt vier Jahren in Düsseldorfer Vereinen verpflichtete TUSEM Essen im Sommer 2019 das Handballtalent, das im Rückraum in der Mitte und links eingesetzt werden kann.

Tim Suton (TBV Lemgo)
Lediglich ein Jahr in der Jugend der HSG aktiv war der Sohn des ehemaligen HSG-Trainers Goran Suton. 2012 wurde der Rückraumspieler Profi. Über die HG Saarlouis, die Rhein-Neckar Löwen, den TBV Lemgo sowie den TuS N-Lübbecke führte der Weg 2016 zurück nach Lemgo.

Nach einem im Herbst 2019 erlittenen Kreuzbandriss feierte Tim Suton im August sein Comeback. Durch die Herkunft seines Vaters hatte er in der Jugend die kroatische und deutsche Staatsbürgerschaft. Seit Juni 2017 spielt Suton für die deutsche Nationalmannschaft.

Bastian Roscheck (SC DHfK Leipzig)
2010 wurde der in Krefeld geborene Kreisläufer mit der A-Jugend der HSG Düsseldorf Deutscher A-Jugendmeister. Bis zur B-Jugend hatte Bastian Roscheck das Trikot des TV Oppum getragen, bis 2012 blieb er in Düsseldorf. Über den OSC Rheinhausen ging es nach Leipzig, wo sich der 29-Jährige mittlerweile zu einem der besten Abwehrspieler der HBL entwickelt hat.

Vor zwei Jahren wurde Roscheck von Bundestrainer Christian Prokop für die Europameisterschaft nominiert. „Bastian war damals in der A-Jugend schon mega ehrgeizig. Ich kann mich noch gut an das Final Four um die Meisterschaft erinnern, wo er trotz starker Fußschmerzen mit Ermüdungsbruch auf die Zähne biss und das Finale am Tag danach über die gesamte Spielzeit bestritt“, erinnerte sich Jens Sieberger, damals Trainer der HSG-A-Jugend, in einem Gespräch mit der „Westdeutschen Zeitung“.

Luca Witzke (SC DHfK Leipzig)
Einen Teil seiner Jugendzeit, genauer gesagt in der B-Jugend, verbrachte der inzwischen 21 Jahre alte Luca Witzke beim ART Düsseldorf. Nach einer Saison bei TUSEM Essen schloss er sich 2019 dem Bundesligisten SC DHfK Leipzig an.

Mit der U20-Nationalmannschaft gewann der Rückraumspieler im Sommer 2018 die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft in Slowenien.

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