Vom Super-Bowl-Sieger bis zum TV-Cop

American Football in Düsseldorf – ein Blick zurück

Foto: Horstmüller

von Tobias Kemberg

Rhein Fire, Panther, Bulldozer und Typhoons – der Sport mit dem eiförmigen Spielgerät liefert auch in der Sportstadt eine Historie mit klangvollen Namen und Erfolgen.

Super-Bowl-Sieger, Ex-Fußballer, erfolgreiche US-Schauspieler, jede Menge Trophäen und unvergessene Duelle – die Düsseldorfer American-Football-Historie hat jede Menge zu bieten. Auf einer kleinen historischen Reise (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) erinnert die Sportstadt Düsseldorf mit Blick auf die verschiedenen Vereine an besondere Namen, spannende Anekdoten und große Triumphe.

Rhein Fire
Im Juli 1994 hoben die Klubbesitzer der National Football League das Team in die damalige World League of American Football (WLAF). Rhein Fire, das den Namen von der 1991 und 1992 in der WLAF aktiven Franchise Birmingham Fire übernahm, war für viele Zuschauer in erster Linie Party und Entertainment. Das Drumherum stellte das eigentliche Spiel mitunter in den Schatten. Selbst unter den Dauerkartenbesitzern von damals hätte der eine oder andere Fan dem Gelegenheitsbesucher im altehrwürdigen Rheinstadion die Regeln vermutlich nicht erklären können. Aber das machte überhaupt nichts. Der Hype war echt.

Zwischen 1997 und 2003 erreichte Rhein Fire fünf Mal das Finale der NFL Europe, wie die WLAF ab 1995 heiß. 1998 und 2000 gewann die Franchise den World Bowl. Vier Jahre hintereinander, von 2000 bis 2003, besuchten durchschnittlich mehr als 32.000 Zuschauer die Heimspiele von Rhein Fire – die Fortuna hätte damals gerne ein Viertel davon begrüßt, während sie sich darüber freute, dass das eine oder andere verspätet aufgesetzte Fax ihr noch einen weiteren Klassenerhalt am grünen Tisch bescherte. Mit Manfred Burgsmüller und später Ingo Anderbrügge agierten zwei langjährige Fußballprofis bei Rhein Fire als Kicker, mit Quarterback Danny Wuerffel hatte das Team in der Saison 2000 einen ehemaligen Heisman-Trophy-Gewinner, also den besten US-College-Spieler eines Jahres (1996), in den eigenen Reihen.

Auch Doug Pederson, der als Cheftrainer mit den Philadelphia Eagles im Februar 2018 den Super Bowl gewann, warf einst als Quarterback von Rhein Fire die Bälle durch die Stockumer Betonschüssel. Woran sich vermutlich nur noch eingefleischte Hardcore-Fans erinnern dürften: Schauspieler Terry Crews, aktuell vor allem aus der Comedyserie „Brooklyn Nine-Nine“ bekannt, trug wie Pederson im Jahr 1995 das Jersey in Burgund, Weiß und Schwarz. Crews, der in der NFL für die Los Angeles Rams, Los Angeles Chargers und Washington Redskins auflief, gelangen in seinem Rhein-Fire-Jahr fünf Quarterback-Sacks.

Düsseldorf Panther
Tradition und Titel vereinen sich in der ruhmreichen Historie der Düsseldorf Panther. Der älteste unter den noch bestehenden Footballvereinen Europas gründete sich im Jahr 1978 und spielt aktuell in der German Football League 2. Der Klub war maßgeblich am Aufbau des American Football Bund Deutschlands (AFBD) beteiligt und ist mit sechs Siegen im German Bowl (1983, 1984, 1986, 1992, 1994, 1995) der zweiterfolgreichste Verein hinter den Braunschweig Lions. 1995 gewannen die Panther zudem den Euro Bowl, die insgesamt 15 Junior-Bowl-Titel zeugen zudem von einer konstant guten Jugendarbeit.

Foto: Kenny Beele

Ende der Neunziger Jahre ging die erfolgreichste Zeit der Raubkatzen im Seniorenbereich zu Ende. Sportliche und finanzielle Probleme führten 2002 zu einem Neuanfang in der Regionalliga. Seither wandelt der Verein zwischen Erst- und Zweitklassigkeit, aber nicht mehr auf den Pfaden früherer Tage. Nichtsdestotrotz „produzierten“ auch die Panther einen Super-Bowl-Champion. Sebastian Vollmer, langjähriger Tackle der New England Patriots und an der Seite von Quarterback-Legende Tom Brady zwei Mal Meister geworden, trug von 1998 bis 2003 das rot-schwarze Trikot.

Noch bevor es bei den Panthern losging, ging ich in die Neusser Bibliothek und lieh mir dort sämtliche Bücher über American Football aus, unter anderem das Buch ,Football for Dummies’. Ich wollte vorbereitet sein. Denn auf meine Frage, welche Position ich spielen würde, hatte der Coach geantwortet: ,Tackle’. Und bislang hatte ich keine Ahnung, was ein Tackle machte und was seine Aufgaben waren“, erinnert sich Vollmer in seinem Buch „German Champion“ an den Start bei den Panthern.

Abgesehen vom fraglos prominentesten Ex-Panther gab es in der ruhmreichen Historie aber natürlich auch Andere, die den Status einer „Klublegende“ erreichten. So wie Markus Becker, Tight End und Runningback, der von 1978 bis 1989 die ersten Jahre des Vereins erlebte, große Erfolge maßgeblich mitgestaltete und später zum Vorstand zählte. Ebenso erinnert sei an dieser Stelle an Quarterback Andreas Motzkus (1982 bis 2000) oder den vielseitig einsetzbaren Francesco Mavaro (1982 bis 1998).

Düsseldorf Bulldozer
Eine bewegte Vergangenheit bringen aber nicht nur die Panther mit. Auch die Düsseldorf Bulldozer gehören zu den ältesten Footballklubs in Europa. Von 1984 bis 1990 spielte die erste Herrenmannschaft durchgängig in der Bundesliga, der heutigen GFL. Zu den erfolgreichsten Jahren in der Geschichte der Bulldozer zählte die Saison 1984. Die Seniors erreichten das Viertelfinale, die Jugend gewann den Deutschen Meistertitel.

Von den Neunziger Jahren an pendelte der Verein zwischen der dritten und vierten Liga, teilweise ging es sogar weiter nach unten. Den sportlichen Tiefpunkt gab es im Jahr 2015 mit dem letzten Tabellenplatz in der sechstklassigen Landesliga. Mit Head Coach Wolfgang Best gelang endlich wieder ein „Turnaround“. Ehemalige Panther-Größen wie Estrus Crayton oder Jörg Mackenthun arbeiten inzwischen ebenfalls bei den Bulldozern und geben ihre wertvollen Erfahrungen an die jungen Spieler weiter.

Foto: UND

So ging es aus der Landesliga nach oben, durch drei Aufstiege nacheinander bis in die drittklassige Regionalliga. Das war 2019, seither sind auch die Bulldozer durch die Pandemie ausgebremst worden. Für den Klub aus dem Düsseldorfer Süden soll in der Regionalliga aber noch nicht Endstation sein. Die Bulldozer träumen von der GFL 2 und von neuen Duellen gegen den Lokalrivalen Panther. Bis heute unvergessen ist ein Derby aus dem Jahr 1980, das mit dem extrem ungewöhnlichen Ergebnis von 0:0 endete.

TFG Typhoons
Wer über American Football in Düsseldorf spricht, der darf die Schülermannschaft des Theodor-Fliedner-Gymnasiums aus Kaiserswerth nicht vergessen. Was 2005 als von Lehrer Jens Ruffert gegründete Football-AG begann, entwickelte sich kontinuierlich zu einem erfolgreichen Programm im Jugendbereich. Heute gibt es eine Flag-Football-Mannschaft für die Klassen fünf bis acht sowie mit der U16 und U19 zwei Tackle-Football-Teams.

Die U19 spielt in der German Football League Juniors (GFLJ), der höchsten Nachwuchsklasse Deutschlands, und hat als einzige Schülermannschaft unter „echten“ Footballvereinen ein Alleinstellungsmerkmal. In den vergangenen Jahren erreichten die Typhoons regelmäßig gute Ergebnisse, 2019 ging es als Tabellenzweiter der Gruppe West sogar bis ins Play-off-Viertelfinale. Wie gut an der Kaiserswerther Schule gearbeitet wird, bekamen auch die Panther schon mehrfach zu spüren, die längst nicht mehr die unumstrittene Düsseldorfer Nummer eins in der GFLJ sind.

Besonders stolz sind sie bei den Typhoons auf Alexander Ehrensberger. Der ehemalige Defensive End des Schülerteams kam beim Sommerfest des Theodor-Fliedner-Gymnasiums im Jahr 2013 erstmals mit dem American Football in Kontakt. Zunächst trug er das Trikot der U16, nach seiner Entscheidung für die renommierte Universität von Notre Dame in den USA zu spielen, führte Ehrensberger die Typhoons 2019 noch zu ihrer bislang besten Saison und startete dann seine College-Karriere. Im Sommer geht der Zwei-Meter-Koloss bereits in sein zweites Jahr bei den Fighting Irish.

Infos zur neuen ELF, deren Finale am 26. September in Düsseldorf stattfindet, gibt es hier.

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