Von den Haien zur DEG und umgekehrt

10 Legenden, bei beide Derby-Seiten kennen

Foto: imago images/Dahmen

Die Liste ist länger als man denkt. Zahlreiche Eishockeyprofis trugen im Verlauf ihrer Karriere das Düsseldorfer und Kölner Trikot. Die Sportstadt pickt vor dem 234. Duell beider Klubs zehn von ihnen heraus und blickt auf ihre jeweiligen Geschichten zurück.

Die Niederlagenserie der Düsseldorfer EG ging am Donnerstag zu Ende. Da gewann die DEG mit 5:4 (0:2, 4:0, 1:2) gegen die Nürnberg Ice Tigers. Und es geht gleich spektakulär weiter in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), am Sonntag (14 Uhr) bei den Kölner Haien.

Zum 234. Mal stehen sich die beiden Klubs dann in einem Pflichtspiel gegenüber, und es gäbe mindestens 234 Geschichten dazu zu erzählen. Von großen Duellen, Trainern oder Spielern. Nicht wenige davon haben das rheinische Derby auf beiden Seiten erlebt – teils nach aufsehenerregenden Vereinswechseln. Heute stellen wir zehn Spieler vor, die ihre Spuren in Düsseldorf und Köln hinterlassen haben.

1. Udo Kießling
Nur wenigen Eishockeyspielern wird die Ehre zuteil, untrennbar mit einem Fangesang in Verbindung zu stehen. Udo Kießling gehört dazu: „Er ist kein Mensch, er ist kein Tier. Er trägt in Köln die Nummer 4.“ Weil Udo Kießling eben eine der größten Legenden der deutschen Eishockeygeschichte ist, vor allem der Kölner, wo er sechs Meisterschaften gewann und sein Trikot zurecht unter dem Hallendach hängt. Nicht zu vergessen: Kießling gewann 1976 Olympiabronze und wurde 1987 ins Allstar-Team der WM gewählt. Und nebenbei war er der erste Deutsche, der ein Punktspiel in der NHL machte. In der Saison 1981/82.

Nach dem einen Spiel ging er aber zurück zu dem Klub, von dem er nach Minnesota aufgebrochen war: zur DEG. Ja richtig, Udo Kießling spielte drei Jahre lang in Düsseldorf, von 1979 bis 1982, parallel war sein Vater Gerhard Trainer, zweimal wurden sie Vizemeister. Sohn Udo stellte in der Saison 1979/80 sogar einen ewigen Verteidiger-Rekord in der damaligen Bundesliga auf: unglaubliche 83 Scorerpunkte in 48 Spielen. Das passierte im DEG-Trikot, aber seine ganz große Zeit, die hatte er in Köln.

2. Dick Decloe
Das kann man vom nächsten in unserer Liste nicht behaupten. Natürlich waren die 57 Tore in 37 Spielen für den KEC herausragend, aber nach einem Jahr in Köln war Dick Decloe auch schon wieder weg. Er ging zur DEG, wo er drei Jahre lang alles in Grund und Boden schoss. 283 Scorerpunkte sammelte der wohl beste niederländische Eishockeyspieler der Geschichte für die Düsseldorfer, 1981 war Decloe sogar Topscorer der Liga.

Eishockeyspielen hat er allerdings in Kanada gelernt, von dort ging es über die USA und die Niederlande 1974 nach Krefeld, wo er gleich 61 Tore schoss. Seine beste Saison war 1977/78, als er in 52 Spielen 153 Scorerpunkte sammelte. Danach ging es nach Köln, dann nach Düsseldorf, zum Abschluss noch ein paar Jahre in die Schweiz. Decloe dürfte damit der einzige Spieler sein, der bei allen drei rheinischen Klubs Leistungsträger war, in 315 Bundesligaspielen schoss er absurde 429 Tore.

3. Uli Hiemer
Tore hat auch Uli Hiemer zur Genüge geschossen. Dabei war er Verteidiger. Und was für einer: Einer der hinten hart zu Werke geht und vorne Scorerpunkte sammelt. Allein bei der DEG waren es 401 in 457 Spielen. Hinzu kamen fünf Meisterschaften in den „goldenen Neunzigern“. Uli Hiemer dürfte neben Otto Schneitberger als bester Verteidiger der DEG-Geschichte gelten. Dabei begann die große Zeit des Füsseners in Köln. Auch dort sammelte er Punkte und wurde Meister, ehe es in die NHL ging, wo er als erster Deutscher dauerhaft spielte und auch dort ordentlich Punkte machte.

Doch 1987 hatte er genug vom unsteten Leben in Nordamerika, ging zurück nach Deutschland – zum Leidwesen der Kölner aber zur DEG, obwohl der KEC eigentlich dachte, den ersten Zugriff auf seinen ehemaligen Mann zu haben. „Ich habe mich selbst privat nicht mehr in Köln blicken lassen können, das ging gar nicht, so groß war die Rivalität“, hat Hiemer mal gesagt. Bei der DEG freuten sie sich umso mehr, bekamen sie doch einen Topmann, der ihr bis heute verbunden ist. Auch durch seine Freundschaft zu den Toten Hosen. Erst kürzlich war er wieder bei einem Heimspiel, wurde interviewt und entsprechend gefeiert.

Foto: imago images/Norbert Schmidt

4. Helmut de Raaf
Es dürfte heute kaum einen Eishockeyprofi geben, der erst mit 13 Jahren zum ersten Mal ein offizielles Vereinstraining erlebte. Bei Helmut de Raaf war das so, bis dahin gab es bei ihm daheim in Neuss nämlich weder einen Verein noch eine Halle. Als sich das änderte, ging es endlich los, und es wurde eine Karriere, die wohl kaum jemand erwartet hätte: fünf Weltmeisterschaften und drei Olympische Spiele für die Nationalmannschaft, elf Meisterschaften für KEC, DEG und Adler Mannheim. Danach feierte er weitere Erfolge, trainierte den Mannheimer Nachwuchs über Jahre, seit 2016 leitet er die Red-Bull-Akademie in Salzburg.

Es gibt wenige aktuelle deutsche Nationalspieler, die in ihrer Jugendzeit nicht auf Helmut de Raaf getroffen sind. Ob sie dann immer wussten, was der für ein überragender Torhüter war? Zugegeben einer mit einer scheußlichen Maske, aber einer, der das deutsche Eishockey jahrelang prägte. Dabei war sein erster Anlauf bei der DEG noch nicht vom ganz großen Erfolg gekrönt war: 1983 teilte ihm die DEG nach drei Jahren bei Junioren und Profis mit, dass man nicht mehr mit ihm plane. Also ging der damals 21-Jährige nach Köln und entwickelte sich zum Klassetorwart, gewann in fünf Jahren vier Meisterschaften. 1988 ging es zurück zur DEG, wo er weitere fünf gewann. Das war nach den Wechseln nicht immer einfach, mal nahmen es ihm die einen Fans übel, mal die anderen. Heute sagt der 60-Jährige: „Ich habe in beiden Städten Freunde.“

5. Peppi Heiß
Das Besonderes an de Raafs Wechsel 1988: DEG und KEC tauschten mehr oder weniger ihre Torhüter. In die andere Richtung ging Joseph Heiß, den sie bis heute alle nur Peppi rufen. Nach zwei Saisons mit zwei Halbfinalteilnahmen zog es den beim SC Riessersee ausgebildeten Goalie nach Köln. Dort blieb er 13 Jahre und beendete im Jahr 2001 seine aktive Laufbahn. Seine 140 Länderspiele sind bis heute ein Rekord unter den deutschen Eishockeytorhütern.

Neun Weltmeisterschaften und drei Mal Olympische Spiele stehen in Heiß‘ Vita. 1995 wurde der Mann mit der legendären Haifischzähnenmaske dann Deutscher Meister. Die vielleicht größte Sternstunde seiner Karriere erlebte Heiß aber beim World Cup of Hockey 1996. Im Spiel zwischen Deutschland und Kanada sorgte er mit starken Paraden dafür, dass es am Ende „nur“ 1:4 gegen Wayne Gretzky und Co. hieß. „The Great One“ sprach Heiß hinterher ein Sonderlob aus. „Das war wie ein Ritterschlag“, erinnert sich Heiß auch heute noch gerne.

6. Gerd Truntschka
Fünf Mal Spieler des Jahres, acht Mal Deutscher Meister, neunfacher WM-Teilnehmer, bei vier Olympischen Spielen dabei und mit unfassbaren 943 Vorlagen der erfolgreichste Passgeber in der Geschichte der Eishockey-Bundesliga. Gerd Truntschka galt zu seiner aktiven Zeit als einer der technisch besten seines Fachs. Und auch er trug das Trikot der DEG sowie der Haie. Nach einem Rekordjahr beim EV Landshut mit 106 Scorerpunkten in 49 Spielen ging es zum KEC. Dort blieb Truntschka zehn Jahre.

1989 folgte der Wechsel zur DEG, die nach der Finalniederlage gegen den Sportbund Rosenheim noch einmal kräftig einkaufte und dem Erzrivalen mit dicken Geldbündeln die besten Spieler abluchste. An der Brehmstraße feierte Truntschka dann drei Meistertitel in ebenso vielen Jahren. Überragend dabei seine zweite Spielzeit mit 82 Scorerpunkten in 44 Hauptrundenspielen sowie 33 Punkten in elf Play-off-Partien. Den achten und letzten Titel holte er 1994 mit Hedos München. Mit dem Karriereende zog sich Truntschka, dessen Bruder Bernd noch bis 1997 in Düsseldorf blieb, fast gänzlich aus der Eishockeyszene zurück.

7. Dieter Hegen
Gemeinsam mit Gerd Truntschka kam Dieter „Didi“ Hegen 1989 aus Köln zur DEG. Und wie sein kongenialer Sturmpartner zog es ihn 1992 nach München. Doch Hegen kehrte nach der Pleite der Mad Dogs München im Jahr 1994 nach Düsseldorf zurück und blieb bis zum DEL-Rückzug des Vereins 1998. Hegen war auch bei der letzten rot-gelben Meisterschaft ein wichtiger Baustein in der Mannschaft von Trainer Hardy Nilsson. In 61 Spielen erzielte er 65 Scorerpunkte, insgesamt waren es deren 438 in 329 Partien für die DEG.

Anders als die meisten seiner damaligen Weggefährten arbeitete Hegen später auch langfristig im Trainerbereich. Mit dem EV Duisburg stieg er 2005 in die DEL auf und 2013 trainierte er seinen Heimatverein ESV Kaufbeuren, bei dem er einst mit dem Eishockey begann und die Schlittschuhe auch wieder an den Nagel hing. Was viele nicht wissen: Didi Hegen agierte im Jahr 2011 auch als Bundestrainer – allerdings im Streethockey.

Foto: imago images/Uwe Kraft

8. Thomas Brandl
Die Aufregung war riesengroß: 1996 gab die Düsseldorfer EG die Verpflichtung des langjährigen Kölner Stürmers Thomas Brandl bekannt. Die Fans waren gespalten, denn kaum ein Spieler stand von 1987 bis 1996 so sehr für die Haie wie der gebürtige Bad Tölzer. Brandl galt beim Anhang der DEG als „sportliches Feindbild“. „Auf die Sieben, auf die Sieben“, schallte es regelmäßig von den Stehplätzen an der Brehmstraße.

Mit dem KEC wurde er zwei Mal Meister, später auch noch einmal mit den Krefeld Pinguinen. Mit der DEG blieb ihm ein weiterer Titel verwehrt. In seinen zwei Saisons in Düsseldorf erzielte Brandl in 78 Spielen 25 Tore und legte 46 weitere auf. Seit vielen Jahren arbeitet der 116-fache Nationalspieler mittlerweile in verschiedenen Positionen bei den Kölner Haien, nur eine Aufgabe als Cheftrainer lehnt er bis heute ab: „Das ist nie mein Ziel gewesen.“

9. Leo Stefan
Der gebürtige Russe kam 1990 nach Köln und wurde bei den Haien schnell zum Leistungsträger. Sechs Spielzeiten trug Leo Stefan das Trikot des KEC und wechselte gemeinsam mit Thomas Brandl nach der verlorenen DEL-Finalserie gegen die DEG 1996 nach Düsseldorf. Der technisch versierte Außenstürmer machte im Gegensatz zu den meisten seiner damaligen Teamkollegen auch den Neuanfang in der Bundesliga mit. Eine Entscheidung, die ihm schnell einen besonderen Platz in den Herzen der Düsseldorfer Anhänger einbrachte.

Gemeinsam mit Viktor Gordiouk bildete Stefan ein exzellentes Duo. Seine 134 Scorerpunkte in 113 Spielen während dieser zwei Jahre sorgten entscheidend mit dafür, dass die DEG in die höchste Spielklasse zurückkehrte. Der abseits der Eisflächen ausgesprochen zurückhaltende Mann aus Tscheljabinsk blieb drei weitere Saisons in Düsseldorf und landete über Stationen in Freiburg und Duisburg schließlich wieder bei den Haien. Ein schwerer Knorpelschaden zwang ihn in der Saison 2004/05 schließlich zum Karriereende.

10. Philip Gogulla
Ein weiterer Wechsel zwischen Köln und Düsseldorf, der für Aufsehen sorgte: Der von Philip Gogulla 2018. Der ist zwar gebürtiger Düsseldorfer, hat da stets gelebt und stand in der Jugend für die DEG auf dem Eis, bei den Profis war er aber Kölner durch und durch. Abgesehen von einem einjährigen Ausflug nach Nordamerika spielte er von 2004 an nur für die Haie, ist bis heute ihr Rekordtorschütze (183 Treffer) in der DEL.

Doch 2018 setzten sie ihn trotz laufenden Vertrags vor die Tür. Es ging dann vor Gericht, Gogulla erstritt sich einen Teil seines Gehalts und war deswegen für ein Jahr günstiger zu haben. Also schlug die DEG zu und vermarktete das Ganze entsprechend: Gogulla tauchte in dem Video vor den Heimspielen auf und sagte: „Endlich zu Hause.“ Eine schöne Spitze gegen seinen Ex-Klub. Die DEG freute es doppelt, denn Gogulla schlug voll ein: 27 Tore und 30 Vorlagen in 59 Spielen. Danach war aber nicht zu halten, er wolle endlich mal Meister werden und wechselte nach München, wo er bis heute spielt. Das wiederum nahmen ihm einige DEG-Fans übel, ist heute aber auch schon wieder fast vergessen. Wie bei so vielen anderen auch die beide Seiten des Derbys kannten und kennen.

(Bernd Schwickerath und Tobias Kemberg)

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