„Wir können die Bundesliga packen“

Roger Nagel, „Boss“ der Bascats, im Interview

Foto: Kenny Beele

von Norbert Krings

Die Capitol Bascats Düsseldorf dürfen sich erneut über einen nicht unbedingt erwarteten und sehr erfreulichen Erfolg freuen. Die Damen des Düsseldorfer Basketball-Zweitligisten stehen an der Schwelle zur Bundesliga. In den beiden Play-off-Spielen gegen Würzburg am Freitag und Sonntag (daheim) könnte der ultimative Sprung gelingen. Wir sprachen mit Roger Nagel, dem Vorsitzenden des Clubs, über die Erfolge, die Belastungen durch Corona und die Zukunftsaussichten.

Herr Nagel, war irgendwie damit zu rechnen, dass es nach dem Aufstieg vor einem Jahr in die 2. Liga nun noch eine Stufe höher gehen könnte?

Roger Nagel: Nein, gerechnet haben wir natürlich nicht damit. Bereits in der Regionalliga haben wir Neuland betreten. Bis zur Oberliga waren wir total fit, was den Sport und das Drumherum angeht. Im vergangenen Jahr in der Regionalliga war das anders, obwohl ich früher mal einen Herren-Regionalligisten gecoacht habe. Das ist aber auch 20 Jahre her. Dass wir nun vor einem Jahr in die 2. Liga aufgestiegen sind, war zwar eine Riesenfreude, ist aber zeitlich vor unserem Plan passiert. Wir waren etwas unsicher und dann kam auch noch Corona hinzu.

Und es schien eine Mannschaft in der Nord-Gruppe der 2. Liga der Überflieger zu sein – die Rheinland Lions.

Nagel: Was dieser Klub für Spielerinnen versammelt hat, da sahen wir überhaupt keine Chance auf Platz eins. Der schien für uns also schon vergeben zu sein. Zudem spielen in dieser 2. Liga renommierte Teams, sogar auch in der Nachbarschaft mit Opladen und Neuss. Wir wollten unsere Mannschaft so aufstellen, dass wir möglichst früh mit dem Abstieg nichts zu tun haben.

Jetzt sieht das aber sehr viel besser aus…

Nagel: Irgendwann haben wir uns überlegt, wenn wir Zweiter werden, müssen wir den Ersten der Südgruppe bezwingen, um einen großartigen weiteren Schritt zu machen. Dass es jetzt so gekommen ist, ist ja super. Und das letzte Spiel gegen die Rheinland Lions haben wir auch nur mit einem Punkt verloren. Unser Team hat nach dem klaren Rückstand im ersten Viertel stoisch weitergespielt und gefightet. Es war oft so in der Saison, dass die Spiele am Anfang eng waren und wir uns am Ende absetzen konnten. Andere Teams sind vielleicht emotionaler, aber unser Team steckt die Rückschläge weg. Unsere Bank ist auch sehr emotional, während auf dem Feld die Spielerinnen ruhig bleiben können. In Dhnesch Kubendrarajah haben wir einen ganz konstruktiv nach vorne schauenden Trainer. Wenn du es schaffst, so wie er auch in kritischen Phasen ruhig zu bleiben, dann überträgt sich das auch auf das Team.

Und das war zuletzt noch nicht einmal vollzählig…

Nagel: Das ist richtig, zwei wichtige Spielerinnen, Tatjana Tenorio und Carla Hermann, sind verletzt ausgefallen. Die Nachrückerinnen haben gezeigt, was sie können, allen voran Lade Adepoju, der man diese Leistungsexplosion erst gar nicht zugetraut hat. Es ist unglaublich, dass eine Spielerin mit diesem Potenzial zunächst nicht in der Top Five stand. Sie ist so explosiv, an ihr läuft niemand so einfach vorbei.

Ist der Teamgeist wirklich so beispielhaft?

Nagel: Unsere Spielerinnen möchten miteinander spielen, sie mögen sich und neiden der anderen den Erfolg nicht. Wie auch die Teammitglieder jeweils reagieren, wenn sie von der Bank aus ihre Mitspielerinnen anfeuern, ist für mich eine groß Freude.

Roger Nagel sagt, dass die organisatorischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Aufsteig gegben seien. Foto: Bascats

Und die Führung des Vereins weiß offensichtlich, was wichtig ist…

Nagel: Die Vereinsführung besteht aus ehemaligen Trainern, die wissen, was entscheidend für die Mannschaften und die Trainer ist. Wir haben auch Ahnung von Belastungssteuerung, Trainingsinhalten und Psychologie. Aber Dhnesch Kubendrarajah hat erst vor kürzerer Zeit seinen Trainerschein gemacht und arbeitet entsprechend mit modernen Methoden – und das auch in der neuen Saison, egal wie die Play-off-Spiele ausgehen. Wir wollen die Übungsleiter und Trainer langfristig binden, um Entwicklungen herbeizuführen.

Inwieweit ist Ihnen da die Pandemie in die Quere gekommen?

Nagel: Für den Spitzenbereich hatte das überraschenderweise positive Auswirkungen. Wir sind ein großer Verein mit über 350 Mitgliedern und 24 Gruppen, von denen 21 im Spielbetrieb sind. Wenn wir das normale Programm in dieser Saison gefahren hätten, wäre es nicht möglich gewesen, die Kräfte zu bündeln und sie für die erste Damen-Mannschaft einzusetzen. Wir konnten lernen, wie anders die Anforderungen in diesem hohen Bereich sind und sie umzusetzen. Ticketing und Catering mussten wir nicht besetzen. So wissen wir jetzt, was wir künftig leisten müssen.

Wie ist der Verein wirtschaftlich aufgestellt?

Nagel: Wir wollen den Weg weitergehen, den wir beschritten haben. In der Regionalliga konnten wir das noch aus eigener Kraft stemmen. Jetzt sind wir froh, dass wir Unterstützung von den städtischen Gremien erhalten. Der Arbeitskreis Leistungssport und D.Live geben uns die Rückendeckung. Wir wissen genau, wie gut wir hier in Düsseldorf aufgehoben sind. In einer anderen Stadt wären solche Geschichten ohne diesen Support nicht möglich. Wir wissen, dass wir uns in einer privilegierten Situation befinden und welche Mittel wir noch außerhalb unseres Etats benötigen und erhalten. Wir können uns also vorstellen, den belastbaren Etatansatz im Sommer für die erste Liga vorlegen zu können. Organisatorisch bekommen wir das jetzt nach den gemachten Erfahrungen auch hin.

Und das Hallenthema?

Nagel: Mit der Sporthalle an der Ellerstraße werden wir Probleme bekommen, weil sie nicht erstligatauglich ist. Wir hoffen, eine Übergangslizenz zu erhalten und dann in eine der Hallen gehen zu können, die derzeit geplant, beziehungsweise gebaut werden. Da hat man uns schon etwas signalisiert. Anforderungen sind 500 Zuschauerplätze, ein Parkettfußboden und eine gewisse digitale Leistungsfähigkeit. In der Halle des Lessing-Gymnasiums mussten wir uns da schon etwas einfallen lassen. Aber es gibt noch weitere infrastrukturelle Fragen zu klären, wie die Gesundheitsfürsorge zum Beispiel. Bei diesem Themenbereich haben wir noch einiges vor.

Und neue Spielerinnen wird es auch geben?

Nagel: Zu dieser Frage möchte ich nichts sagen. Erst einmal werden wir mit unseren Spielerinnen sprechen.

Wir stark ist der Play-off-Gegner aus Würzburg?

Nagel: Würzburg ist superstark, weil das Team souverän und ungeschlagen durch die Südgruppe gegangen ist. Wir haben Respekt, aber das macht uns keinerlei Sorgen. Die gegnerische Mannschaft hatte nicht die Challenge, die wir in der Nordgruppe hatten. Das war ein Stahlbad. In den vergangenen Jahren hieß es immer die Südgruppe ist nicht so stark. Es wird die Hölle – nicht für uns, sondern für den Gegner, vor allem im Rückspiel in Düsseldorf.

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