Fünf Zahlen zum DEG-Start

Steht das Eishockey-Team zurecht auf Rang drei?

Foto: Birgit Häfner

von Bernd Schwickerath

5:1 im Derby in Köln, fünf Siege in Folge, zwei Punkte im Schnitt und Platz drei in der Nordgruppe – es läuft für die Düsseldorfer EG in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Das sind allerdings nur die augenscheinlichen Zahlen der ersten Saisonspiele. Was sagen die tiefer gehende Daten aus? Hier kommen fünf Zahlen zum DEG-Start.

Die Zahl: 50,94 Prozent

Die Statistik: Corsi

Die Erklärung: Der Wert soll den Einfluss eines Spielers oder die Spielanteile eines ganzen Teams messen. Der zählt eben nicht nur Torschüsse, sondern sämtliche Schüsse – ins Tor, gehalten, ans Gestänge, vorbei, geblockt – und setzt sie ins Verhältnis. Die Idee dahinter: Nur wer den Puck hat, kann zu Abschlüssen kommen, wer also mehr Schüsse hat, hat mehr Spielanteile und kann das Geschehen in die Offensivzone verlagern.

Die Analyse: Obwohl die DEG sieben ihrer neun Spiele gewonnen hat, spielte sie die Gegner selten an die Wand. Gleich vier Siege gab es erst nach Verlängerung oder Penaltyschießen. Knapp 51 Prozent Schussanteil sind zwar ein durchaus ordentlicher Wert, aber eben kein überragender eines echten Spitzenteams. Erst in den vergangenen beiden Spielen änderte sich: Nach 49,5 Prozent in den ersten sieben Spielen betrug der Corsi-Wert der DEG aus den Spielen gegen Iserlohn und Köln stolze 56,8 Prozent.

 

Die Zahl: 101,2

Die Statistik: PDO

Die Erklärung: Der Wert soll zeigen, ob eine Mannschaft sich ihre Ergebnisse verdient, Glück oder Pech hat. Also addiert er die Schussquote mit der Abwehrquote der eigenen Torhüter. Schießt ein Team doppelt so oft wie der Gegner, verliert aber 1:4, hat ihm sicherlich auch das Glück gefehlt. Andersrum funktioniert die Idee natürlich genauso. Eine Schwäche der Statistik ist, dass sie jeden Schluss gleich bewertet, ob direkt vor dem Tor abgefeuert oder von der blauen Linie. Aber über einen längeren Zeitraum ist PDO durchaus aussagekräftig. Wer einen extrem hohen Wert hat (ab 105 etwa), punktet in der Regel über seine Verhältnisse und stürzt längerfristig in der Tabelle ab.

Die Analyse: Die DEG verwandelt derzeit ordentliche 12,2 Prozent ihrer Schüsse, ihre Torhüter wehren ausbaufähige 89,0 Prozent der gegnerischen Schüsse ab. Macht insgesamt 101,2, ihr Torverhältnis ist also etwas besser als ihr Schussverhältnis. Sorgen sollte das der DEG aber nicht bereiten, ein so knapper Wert an 100 spricht nicht dafür, dass ihr guter Saisonstart vor allem auf Glück beruht. Das mag im ein oder anderen Spiel mal vorkommen sein, aber nicht grundsätzlich. Ein anderes Beispiel ist Iserlohn: Das Überraschungsteam der Liga steht bei 105,9 Prozent PDO, ändert sich das nicht, würde es nicht überraschen, wenn die Roosters bald weniger Punkte im Schnitt holen als aktuell (1,9).

 

Die Zahl: 41,6 Prozent

Die Statistik: Slotschüsse

Die Erklärung: Während Corsi und PDO Schüsse nicht qualitativ bewerten, macht das die folgende Kategorie. Das Angriffsdrittel wird dafür in vier Zonen eingeteilt: blaue Linie, linker Flügel, rechter Flügel, Slot – also der Bereich zwischen den Bullypunkten direkt vor dem Tor. Von dort haben Schüsse eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, im Tor zu landen. Entsprechend wichtig ist bei der Bewertung eines Teams, wie viele Schüsse es aus dem Slot abgibt.

Die Analyse: Die DEG steht bei starken 41,6 Prozent. Nur die Adler Mannheim (44,6) sind besser. Die DEG schießt also selten aus Verlegenheit oder alibimäßig aus ungefährlichen Zonen, sie schafft es immer wieder, direkt vor das Tor zu ziehen. Bei der reinen Anzahl ist sie mit 214 Slotschüssen nach neun Spielen auf Rang vier – hinter den Topteams aus München, Berlin und Mannheim. Nicht zufällig stellen die Düsseldorfer mit 4,1 Toren im Schnitt den besten Sturm der gesamten DEL.

 

Die Zahl: 12

Die Statistik: Primary Points

Die Erklärung: Im Eishockey bekommen pro Tor zwei Spieler eine Vorlage für die Scorerliste gutgeschrieben. Das ist durchaus sinnvoll, auch der vorletzte Pass ist häufig entscheidend für ein Tor. Allerdings kommt es ebenfalls nicht selten vor, dass der ein Querpass ohne Gegnerdruck 30 Meter vom Tor entfernt war. Primary Points – Tore und direkte Vorlagen – sagen also noch mehr darüber aus, wer für einen Treffer verantwortlich ist.

Die Analyse: Die Zahl zwölf gehört zu Daniel Fischbuch. Was einmal mehr unterstreicht, in welcher Topform der 27-Jährige derzeit ist. Zu seinen sechs Toren (drei Siegtreffer) kommen noch sechs erste Vorlagen – er ist also für mehr als ein Tor pro Spiel direkt verantwortlich. Rechnet man die zweiten Vorlagen dazu, steht Fischbuch sogar bei 16 Punkten und ist damit der beste Scorer der Liga. Das bedeutet aber nicht, dass das Schicksal der DEG allein in Fischbuchs Händen liegt. Bereits zehn Stürmer haben mindestens zwei Treffer erzielt – ebenfalls Bestwert in der DEL. Die meisten Teams kommen gerade mal auf sechs Mehrfachtorschützen und sind entsprechend abhängiger von ihren Topreihen. Krefeld und Nürnberg haben erst vier, in Straubing sind es sogar nur zwei.

 

Die Zahl: -3,60

Die Statistik: Goals Saved Above Average (GSAA)

Die Erklärung: Zum Abschluss wird es noch mal etwas komplizierter. GSAA bedeutet übersetzt: Verhinderte Tore über Ligaschnitt. Die Statistik soll die alte Debatte beenden, welche Zahl wichtiger ist, um die Leistung eines Torhüters zu bewerten: Fangquote oder Gegentorschnitt. GSAA vereint die Werte und setzt sie ins Verhältnis zum Rest der Liga. Entscheidend ist also nicht nur die eigene Fangquote, sondern auch die der Konkurrenz sowie die Anzahl der gegnerischen Schüsse. Dafür nimmt man die durchschnittliche Fangquote der Liga und überträgt sie auf die Schüsse, die ein spezieller Torhüter bekommt. Dann erhält man die Anzahl der Gegentore, die der Durchschnittstorwart kassiert hätte. Verhindert der spezielle Torwart mehr Gegentore, hilft er seinem Team mehr als er eigentlich „müsste“, verhindert er weniger, hilft er ihm weniger.

Die Analyse: Mirko Pantkowski steht derzeit bei -3,6. Was bedeutet: Er hat 3,6 Tore zu viel kassiert. Ein schwacher Wert. Was besonders deutlich wird, wenn man auf das vergangene Jahr schaut: Da stand Mathias Niederberger bei überragenden 31,8 GSAA. Niederberger hatte also rund 32 Tore weniger kassiert, als es der Durchschnittstorwart getan hätte, wenn der im DEG-Tor gestanden hätte. Und man kann sich leicht ausmalen, was 32 Gegentore mehr bedeutet hätten – gerade für ein Team wie die DEG, das diverse Spiele mit nur einem Tor Abstand gewann. Sie hätte in der Tabelle deutlich weiter unten gestanden als auf Rang fünf. Jetzt ist Niederberger aber nun mal weg, Pantkowski ist da – und spielt trotz der minus 3,6 keine schlechte Saison. Seine schwacher GSAA-Wert liegt nämlich vor allem am Unterzahlspiel der DEG, das an den ersten Spieltagen zahlreiche Großchancen und Gegentore zuließ. Bei Fünf-gegen-Fünf steht Pantkowski bei lediglich minus 0,8. Ebenfalls kein Traumwert, aber ein absolut solider mit Blick auf die löchrige Abwehr zum Start. Hendrik Hane wiederum steht insgesamt bei minus 0,8, bei Fünf-gegen-Fünf bei minus 0,3. Auch für ihn gilt: ausbaufähig, aber keinesfalls schlecht. Zumal sich die Abwehrleistung des gesamten Teams zuletzt stark verbessert hat: In den vergangenen drei Spielen gab es nur noch drei Gegentore, da kamen Hane (zwei Einsätze) und Pantkowski (einer) auf GSAA-Werte von plus 4,1 und plus 2,3 – da hielten sich deutlich besser als der Durchschnitt.

 

Fazit: Die DEG steht zurecht auf Rang drei der Nordgruppe. Vielleicht sind sieben Siege aus neun Spielen etwas zu viel des Guten, das ein oder andere Spiel in Verlängerung hätte sie auch verlieren können. Aber seitdem sie ihr schwaches Unterzahlspiel und generell ihr Defensivverhalten in den Griff bekommen hat und die jungen Torhüter besser werden, dominiert sie immer längere Phasen in den Spielen. Wird das immer so weitergehen? Sicher nicht, aber die Zahlen sprechen nicht dafür, dass die DEG bislang besonders viel Glück hatte oder deutlich über ihre Verhältnisse punktet.

Alle Zahlen von: leaffan.net

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