„Wir wollen gleich richtig mitspielen“

Martin Wagner über das Rhein-Fire-Comeback

Foto: Horstmüller

von Tobias Kemberg

Es ist die Rückkehr des Jahres 2021 in Düsseldorf: Rhein Fire ist zurück auf der Football-Landkarte und gehört ab 2022 zur European League of Football (ELF). Im Interview spricht Interims-Geschäftsführer Martin Wagner (48) über die Hintergründe, was die Fans erwarten können und wie der Austausch mit den Düsseldorf Panthern aussehen könnte.

Herr Wagner, wie ist das Comeback von Rhein Fire zustande gekommen?

Martin Wagner: Bevor die ELF an den Start gegangen ist, stand Commissioner Patrick Esume mit unserer Steuerberater- und Anwaltskanzlei in Verbindung, um steuerrechtliche Fragen zu klären. Eigentlich war es aber mehr ein Austausch unter alten Football-Bekannten und danach reifte dieser Gedanke mit der Rhein-Fire-Rückkehr. Ab dem zweiten Quartal dieses Jahres gab es dann erste Gespräche und Mitte Juli haben wir das Ganze in Berlin formal per Handschlag besiegelt.

Wer waren oder sind denn die treibenden Kräfte hinter dem Wiederaufleben?

Wagner: René Engel, Steuerberater unserer Kanzlei und langjähriger Footballspieler, fungiert als Lenker im Hintergrund, Dirk Reiner ist für das Marketing zuständig und Ottogerd Karasch ist der Mann für den Einkauf in Bereichen wie Merchandise und Spielkleidung. Ich selbst werde nur bis zum Jahresende als Geschäftsführer agieren und dann beratend in den Hintergrund treten, wenn unsere neue Geschäftsführerin beginnt. Zudem haben wir in Markus Becker einen absoluten Football-Fachmann für uns gewinnen können, der das Bindeglied zu den Panthern ist.

Was dürfen die Footballfans in Düsseldorf erwarten? Die ELF ist ja nicht mehr die NFL Europe von damals. . .

Wagner: Das ist richtig. Man muss klar und ehrlich sagen: Die European League of Football hat nicht das Niveau der NFL Europe. Ganz einfach auch deshalb, weil die finanziellen Möglichkeiten nicht vergleichbar sind. Aber: Die ELF hat professionelle Strukturen geschaffen und genau das wollen wir mit Rhein Fire erreichen. Wir möchten eine angemessene Spiel- und Trainingsumgebung für die Coaches und Spieler herstellen und insgesamt ein Umfeld kreieren, in dem es möglich ist, den Footballsport bestmöglich zu leben.

Und die sportlichen Ziele?

Wagner: Grundsätzlich bin ich persönlich ein Freund von sportlichen Ambitionen. Aber man muss ja auch ehrlich sein. Andere Teams haben jetzt dieses eine Jahr mehr an Erfahrung. Trotzdem ist es nicht unser Anspruch, in der ELF nur mal die Nase in die Luft zu halten. Wir wollen da gleich richtig mitspielen.

In welcher Form finden Austausch und Zusammenarbeit mit dem jahrelangen „Platzhirschen“ statt? Werden die Panther unter der Rhein-Fire-Rückkehr leiden müssen?

Wagner: Die Panther würden nur dann leiden, wenn der AFVD (American Football Verband Deutschland, Anm. d. Red.) nicht einlenkt und weiterhin versucht, alles zu blockieren oder abzulehnen, was mit der ELF zu tun hat. Wir treten mit Rhein Fire an, um gemeinsam mit GFL-Franchises zu arbeiten. Wenn wir Coaches aus den USA beschäftigen, warum sollen die Panther nicht in Form von Camps und gemeinsamen Trainingseinheiten profitieren? Oder ihre Coaches mit Hilfe von uns weiterbilden lassen? Wer diese Möglichkeiten nicht annimmt, ist ignorant. René Engel hat 30 Jahre die Panther gelebt und geatmet. Deshalb ist es nicht unser Ziel, den Panthern die Top-Leute abzugraben. Wenn aber Spieler aus eigenem Antrieb zu Rhein Fire wechseln wollen, dann werden wir uns diesen Wünschen nicht versperren.

Martin Wagner. Foto: Wagner/EKP Engel, Kronenberg & Partner

Wie wichtig ist der Einstieg von Rhein Fire in die ELF für den Football in Düsseldorf?

Wagner: Aus unserer Sicht natürlich von großer Wichtigkeit. Rhein Fire hat in der Stadt auch fast 15 Jahre nach dem Ende der NFL Europe weiterhin einen Namen und eine große Fan-Base. Der AFVD seinerseits hat die Chance verpasst, den Football hierzulande entscheidend weiterzuentwickeln. Die Fernsehreichweiten bei den NFL-Übertragungen haben in den vergangenen Jahren einen neuen Wind reingebracht und ein neues Publikum erreicht. Die Kritiker der ELF stellen nun fest, dass die erste Saison trotz Corona-Pandemie gut zu Ende gespielt werden kann und ebenfalls gute TV-Quoten erzielen konnte. Es hat sich viel getan. Auch die Wahrnehmung in den USA ist vorhanden. Bei einem Spiel der Leipzig Kings waren beispielsweise schon NFL-Scouts der New York Giants vor Ort. Der Football in Düsseldorf wird von Rhein Fire profitieren.

Und wo wird gespielt? Die bisherigen ELF-Zuschauerzahlen sind ansehnlich, rechtfertigen aber wohl kaum einen dauerhaften Einzug in die MERKUR SPIEL-ARENA, oder?

Wagner: Die Liga möchte in die großen Stadien und in der MERKUR SPIEL-ARENA zu spielen, ist natürlich unser Traum. Aber auch hier müssen wir realistisch bleiben. Wir denken beispielsweise über das Paul-Janes-Stadion in Flingern nach, halten aber Augen und Ohren in alle Richtungen offen und führen bereits entsprechende Gespräche. Es ist klar angestrebt, dass wir die Heimspiele in Düsseldorf austragen und nicht in die Nachbarschaft ausweichen.

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